Oldenburger Rundschau https://www.oldenburger-rundschau.de Sun, 24 Mar 2019 08:00:58 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.10 https://www.oldenburger-rundschau.de/wp-content/uploads/2016/04/cropped-OlRu-32x32.png Oldenburger Rundschau https://www.oldenburger-rundschau.de 32 32 »Fluchtursachen bekämpfen heißt Klima schützen« https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/24/fluchtursachen-bekaempfen-heisst-klima-schuetzen/ Sun, 24 Mar 2019 08:00:58 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3995 [...]]]> Am 15.03.2019 demonstrierten in Oldenburg rund 4000 junge Menschen im Rahmen der Fridays for Future Proteste für eine radikalere Klimapolitik. Die Seebrücke Oldenburg erklärte sich auf der Demonstration mit dem folgenden Redebeitrag solidarisch mit der Klimabewegung.

»Zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Menschen, so schätzt die UNO-Flüchtlingshilfe, werden in den nächsten 50 Jahren durch die Folgen des Klimawandels zu Vertriebenen. Der Klimawandel wird also in absehbarer Zeit eine der Hauptfluchtursachen sein. Es ist ganz offensichtlich: eine Folge des Klimawandels ist der enorme Anstieg an Naturkatastrophen – und eine unmittelbare Folge von Naturkatastrophen ist Flucht. In den kommenden Jahren werden Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil Dürreperioden, Überschwemmungen, der Anstieg des Meeresspiegel, Ernteausfälle, Erdrutsche ihnen die Grundlage zum schieren Überleben rauben werden. Konflikte um knapper werdende Ressourcen, wie zum Beispiel Wasser, werden zusätzlich zu immer neuen Eskalationen und Gewaltausbrüchen führen.

Verweisen will ich dabei gar nicht nur auf die Zahlen und Fakten, sondern auf das wesentliche Prinzip: Diese Katastrophen, welche sich zu großen Teilen im globalen Süden ereignen, sind vom globalen Norden zu einem wesentlichen Teil mitverantwortet. Wir können, wir dürfen die Menschen nicht abweisen, die nun in unsere Richtung fliehen!

Es ist an Zynismus nicht zu übertreffen, dass wir durch unseren Lebensstil, unseren Konsum und vor allem unsere Wirtschaftsweise Millionen Menschen zur Flucht zwingen, dann aber Europa zur Festung ausbauen und an unseren Grenzen diejenigen zu Tausenden sterben lassen, die Opfer dieser strukturellen Gewalt sind.

Die EU ist nicht tatenlose Zeugin dieser humanitären Katastrophe, sie ist aktiv mitverantwortlich!

Wir als Seebrücke stehen Seite an Seite mit der Klimabewegung. Und wir müssen bereit sind, radikal umzudenken um anders zu leben. Das vermeintlich bequeme und schöne Leben, an das wir uns so gewöhnt haben und an welchem viele so vehement festhalten, ist uns den Preis nicht wert!

Denn was ist an einem Europa lebenswert, das sich an die Bilder ertrunkener Kinder gewöhnt hat? Was ist an einem Europa lebenswert, das die Gesundheit und Zukunft von Mensch und Natur an Konzerninteressen verkauft? Es macht mich wütend, dass die Menschen, die in der Migrationspolitik nach Obergrenzen und Regulierung schreien, in der Klimapolitik genau das ablehnen. Und es macht mich wütend, dass gerade die Politiker*innen, die sich schützend vor Auto-, Agrar- oder Chemieindustrie stellen, fliehende Menschen im besten Fall als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen und ihnen das Recht auf Asyl verwehren wollen.

Wir als Seebrücke sind der Meinung, dass Fluchtursachen bekämpfen auch heißt, das Klima zu schützen. Und deshalb rufen wir auf zum Widerstand gegen die Festung Europa – für eine soziale, radikal vielfältige EU. Für eine starke, solidarische Zivilgesellschaft und für konsequenten Klimaschutz!«

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Eindrücke von der »Wir haben Agrarindustrie satt!« – Demo vom 23. März in Oldenburg https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/23/eindruecke-von-der-wir-haben-agrarindustrie-satt-demo-vom-23-maerz-in-oldenburg/ Sat, 23 Mar 2019 18:08:35 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=4000 [...]]]>  

Wie angekündigt, fand heute in Oldenburg eine Demonstration statt, zu der ein breites Bündnis aus niedersächsischen Bauern- und Umweltverbänden sowie der ALSO aufgerufen hat. Unter dem Motto »Wir haben Agrarindustrie satt! Stadt und Land Hand in Hand« wurden diverse Missstände in der Landwirtschaft und in der Fleischindustrie thematisiert und sich daraus ergebende Forderungen aufgestellt.

Bei den ersten Redebeiträgen, am Versammlungsort vor dem Hauptbahnhof, wurde den Zuhörenden bereits deutlich, dass bei den Problemen, mit denen Bäuer*innen heute konfrontiert sind, weitgehende politische Lösungen gefragt sind, die einen Paradigmenwechsel zur bisher praktizierten Politik darstellen würde.

 

 

Angesichts der einseitigen Förderung der Agrarindustrie blieben kleine Landwirtschaftsbetriebe auf der Strecke – der Kostendruck sei so hoch, dass er eine kostendeckend-arbeitende, bäuerliche Landwirtschaft, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Tier und Natur pflegt, nahezu unmöglich mache.

Die industrielle Landwirtschaft bzw. die Agrarindustrie, als Produzierende von Fleisch und von anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, bestimmt mittlerweile maßgeblich über die Rahmenbedingungen im gesamten Landwirtschaftssektor. Und die Bundes- und Landespolitik bemüht sich offenbar nicht einmal, ihre Macht einzuhegen.

 

 

Die Produktionsweise der Agrarindustrie ist jedoch verheerend, wie verschiedene Redebeiträge beschrieben: von den Haltungs- und Schlachtbedingungen der Tiere, über den Medikamteneinsatz im Stall und den Pestizideinsatz auf den Feldern, zur Überproduktion von z.B. Milch und Fleisch und ihren negativen Folgewirkungen im Hinblick auf die Natur, aber auch auf die Entwicklung schwächerer Volkswirtschaften und wiederum auf die in diesen lebenden Menschen – dem Profitstreben der Agrarindustrie werden scheinbar sämtliche anderen Anforderungen und Bedürfnisse unterworfen.

Besonders die Arbeitsbedingungen der Menschen in der niedersächsischen Fleischindustrie, etwa in den Ställen oder den Schlachthöfen im Landkreis Oldenburg oder Cloppenburg, wie ein Redner von der ALSO sie anhand verschiedener Beispiele darstellte und wie Prälat Kossens später ebenso eindrucksvoll berichtete, zeigen, dass in der Praxis dieser Branche scheinbar sämtliche Mindeststandards und Regulierungen unterlaufen werden.

 

 

Auch die schätzungsweise 800 Teilnehmenden zeigten deutlich und bunt, welche Aspekte nach ihrer Meinung bei einer fortschrittliche Entwicklung in der Landwirtschaft Berücksichtigung finden müssten.

 

 

So ging es an der Innenstadt vorbei und..

 

 

am Theater vorbei..

 

 

.. zum Schlossplatz.

 

 

Hier hatten verschiedene Gruppen Infostände aufgebaut. Für kraftvollen Sound war auch gesorgt..

 

 

.. so dass weitere, teils ebenso kräftige Redebeiträge folgen konnten.

Abgesehen von dem Appell an die Demo-Teilnehmenden, sich bei Konsumentscheidungen stets für die nachhaltigere Variante zu entscheiden (eine Variante für die, die es sich leisten können, K.K.), waren die meisten Aufrufe der Redner*innen als Kampfansagen an die Adresse der politischen Repräsentant*innen in Bund, Land und Kommune zu verstehen.

 

 

 

 

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Dritter Redebeitrag Frauen*kampftag https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/23/dritter-redebeitrag-frauenkampftag/ Sat, 23 Mar 2019 08:00:00 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3938 [...]]]> Am 8. März 2019 führte anlässlich des Internationalen Frauentages eine Demonstration durch die Oldenburger Innenstadt. Die Oldenburger Rundschau veröffentlicht heute den dritten und letzten Redebeitrag, gehalten von Constanze Schnepf, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Oldenburg (IBIS e.V.).

»Heute ist Weltfrauentag. Ein Tag, an dem Frauen seit über 100 Jahren für ihre Rechte eintreten. Ein Tag, der dieses Jahr in Deutschland zum ersten Mal Feiertag ist, wenn auch nur in Berlin.

Es sollte jedoch ein Tag sein, an dem in allen Ländern innegehalten wird, um unseren Blick darauf zu richten, dass immer noch Benachteiligung von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft besteht. Diese wirkt zusammen mit anderen Kategorien wie zum Beispiel Herkunft, Behinderung, Alter, sexuelle Identität und/oder Religionszugehörigkeit und wird dadurch nicht selten verstärkt.

Die Diskriminierung von Frauen ist in unserer Gesellschaft oft strukturell bedingt. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, warum Frauen trotz Geschlechterquote noch immer unzureichend in Führungspositionen vertreten sind und noch immer durchschnittlich ein Fünftel weniger verdienen, als Männer in denselben Berufen. Wie kann es sein, dass Frauen aufgrund von Fehlzeiten im Job, die sich durch Krankheit der Kinder ergeben, einem höheren Risiko ausgesetzt sind, gefeuert zu werden oder den Job trotz Qualifikation gar nicht erst bekommen?

Es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass das Konstrukt der Zweigeschlechtlichkeit die  Ignoranz und Verleumdung von Trans- und Inter- Personen beinhaltet. Das bedeutet Ausgrenzung und Verletzung. Es ist für alle Menschen gleichermaßen wichtig, sich in jeder Situation zu überlegen: Was tue ich, um Diskriminierung aufgrund von Geschlechterkategorien zu verhindern?

Dies gilt vor allem für Cis-Personen, die diese Kategorisierung nutzen, um Trans- und Inter-Personen auszuschließen. Dadurch kommt es oft zu Diskriminierungserfahrungen, die auch am Weltfrauentag nicht vergessen
werden sollten.

Alle Menschen sollten sich am heutigen Tag ihre individuellen Privilegien bewusst machen. Es soll deshalb darum gehen, dass alle Menschen unabhängig von Geschlechterkategorien das Recht haben, sich in der Gesellschaft frei zu entfalten, teilzuhaben, mitzuwirken und bei der Verteilung von finanziellen, aber auch immateriellen Ressourcen nicht benachteiligt zu werden.

Unser Ziel muss es sein, Wertschätzung und Gleichberechtigung für alle Menschen unabhängig von Geschlechterkonstruktionen zu ermöglichen!«

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Fridays for Future – Im Kampf für die Zukunft https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/22/fridays-for-future-im-kampf-fuer-die-zukunft/ Fri, 22 Mar 2019 08:00:57 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3987 [...]]]> Am 15.03.2019 demonstrierten ca. 300.350 Schüler*innen und Studierende unter dem Namen »Fridays for Future« in Deutschland für einen radikaleren Klimaschutz. International waren es noch weitaus mehr, die Bewegung hatte 2052 Streiks in 123 Ländern angemeldet.

In Oldenburg kamen ca. 4000 junge Menschen für ihre Zukunft auf die Straße. Die Demonstration begann um 12:00 Uhr am Bahnhof und zog dann am Lappan und Julius-Mosen Platz vorbei, bis zur Abschlusskundgebung am Schlossplatz. Diese Massenproteste der Jugend zeigen deutlich auf, dass die derzeitige Klimapolitik in keinster Weise mehr von der jungen Bevölkerung mitgetragen wird.

Auch wenn in Deutschland mittlerweile viele Politiker*innen das Engagement der Demonstrierenden loben, stellte ein Redner klar: »Zustimmung allein ist ja schön und gut, verändert aber gar nichts!« Dieser Satz bezog sich dabei vor allem auf die Äußerung der Kanzlerin.

Verschiedene Redner*innen haben hier klare Standpunkte der Bewegung deutlich gemacht, so wird beispielsweise Unterstützung für mehr Güterverkehr auf der Schiene und weniger auf der Straße, Steuern auf Flugzeugtreibstoff und ein härteres Vorgehen gegen die Automobilbranche gefordert. Die Demonstration am vergangenen Freitag stand dabei bundesweit unter dem Motto Verkehrswende und es wurde mehrfach erwähnt, dass Lösungen bereits durch Wissenschaftler*innen erforscht sein und die Politik lediglich auf »die richtigen Experten« hören müssten. Scharf wurde auch der Verkehrsminister  Andreas Scheuer kritisiert und als »größter Lobbyist der Automobilindustrie« bezeichnet.

Wichtig zu erwähnen ist aber auch: Die Redner*Innen betonten immer wieder, dass auch die eigene Lebensweise und das eigene Handeln wichtig sind und sagten laut und deutlich: »Jede*r kann etwas tun und niemand kann mir erzählen, er könne nichts  tun«. Hierbei wurde vor allem das Achten auf den eigenen Konsum und die eigene Mobilität hervorgehoben.

An den Protesten der Jugend, als erste betroffene Generation, ist deutlich zu sehen: Die Politik muss sich radikal ändern! Weg von einem kapital-schützenden und hin zu einem nachhaltig-klimaschützenden Standpunkt, der ein gutes Leben für alle nachfolgenden Generationen garantiert und den Klimawandel endlich effektiv bekämpft.

System Change, not Climate Change!

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Zweiter Redebeitrag Frauen*kampftag https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/21/zweiter-redebeitrag-frauenkampftag/ Thu, 21 Mar 2019 08:00:57 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3934 [...]]]> Am 8. März 2019 führte anlässlich des Internationalen Frauentages eine Demonstration durch die Oldenburger Innenstadt. Die Oldenburger Rundschau veröffentlicht nun nacheinander die drei gehaltenen Redebeiträge, heute anlässlich des kurdischen Neujahrsfestes Newroz den Beitrag der feministischen Kampagne »Gemeinsam kämpfen!«, die sich unter anderem für eine Vernetzung zwischen Rojava und Deutschland einsetzt.

»Heute, am 8. März, kommen wir zusammen um unsere Kämpfe gegen Patriarchat und Kapitalismus auf die Straßen zu tragen. Gemeinsam kämpfen wir als Frauen und als Feminist*innen verschiedener Geschlechtsidentitäten, denn wir wissen, dass keine von uns frei ist, solange wir nicht alle frei sind!

Wir sind unterschiedlich. Das trennt uns nicht voneinander. Sondern das ist unsere Stärke. Weil wir wissen, dass wir gemeinsame Werte und Ziele haben, dass wir gegen den Faschismus kämpfen und etwas Neues von unten aufbauen wollen. Weil wir wissen, dass es nur durch unsere eigene Befreiung eine freie Gesellschaft für alle geben kann. Weil wir wissen, dass wir bei uns selbst anfangen müssen.

Der Staat, der Kapitalismus und das Patriarchat haben die matriarchalen Gesellschaften größtenteils zerstört. Sie trennen uns voneinander, von uns selbst und von der Welt, in der wir leben. Wir haben keine andere Wahl, als diese Verbindungen wieder aufleben zu lassen. Und die Zeit dafür ist reif. Dafür müssen wir uns zusammen und gegenseitig bilden, ein Bewusstsein schaffen, unsere Kräfte vereinen und uns verteidigen. Uns verteidigen gegen die psychologische Kriegsführung, die uns Angst macht und uns lähmt. Gegen die Vergewaltigungskultur, die die Gewalt gegen uns zum Alltag macht. Gegen den Rassismus, der unsere Menschlichkeit vergiftet. Gegen die militärischen Drohungen und Angriffe der Staaten, die vom Imperialismus profitieren und unsere Schwestern ausbeuten und umbringen. Gegen all das kämpfen Frauen jeden Tag überall auf der Welt.

Es gibt viele Beispiele dafür. Eines ist die kurdische Frauenbewegung in Rojava/Nordsyrien. Sie baut trotz dem Kampf gegen den sog. Islamischen Staat und trotz der faschistischen Angriffsdrohungen der Türkei jeden Tag ein Stück mehr eine befreite Gesellschaft auf der Grundlage der Ideen von Abdullah Öcalan auf. Die Entschlossenheit, Kraft und Ausdauer im Kampf der Frauenbewegen sehen wir auch in Leyla Güven. Seit 121 Tagen befindet sie sich im Hungerstreik und zeigt einen unvergleichlichen Widerstand für das Ende der Isolation von Abdullah Öcalan. Sie hat damit eine neue Friedensoffensive gestartet. Wir senden ihr unsere Liebe und unsere Gedanken sind bei ihr.

Auch die zapatistischen Frauen im Südosten Mexikos sind Angriffen ausgesetzt. In ihrem letzten Kommunique schrieben sie, dass ihr Kampfeswille auch im Angesicht der Angriffe gegen sie stark ist. Sie stehen neben all den indigenen Frauen der First Nations in Amerika an vorderster Front im Kampf für den Schutz der Erde und gegen die Zerstörung durch den Kapitalismus. Unsere Suche nach Freiheit bedeutet auch die Beziehung zur Natur zurückzugewinnen. Das kann nicht nur Aufgabe einer Ökologiebewegung sein und der grüne Kapitalismus ist auch keine Lösung für die ökologische Krise. Wir sollten die Warnungen ernst nehmen, die indigene und matriarchale Gesellschaften schon lange in die Welt hinausrufen. Es ist vor allem unsere Verantwortung in die ökologische Krise einzugreifen, weil wir durch unsere Lebensweise die größte Zerstörung verursachen.

Macht und Unterdrückung teilen die Welt durch Grenzen und Mauern, so dass wir uns nicht erreichen, kennenlernen und Schulter an Schulter kämpfen können. Internationalismus überschreitet und durchbricht diese Grenzen. Wir müssen unsere Kämpfe miteinander verbinden. Egal wo wir sind für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen und unsere Rolle in diesem Kampf einnehmen.
Wir müssen uns auch fragen, welche Rolle wir hier in der BRD haben, im Herzen des Kapitalismus, in einem Staat, der Waffen liefert, einem Staat der immer schon an Kolonialismus und Ausbeutung mitgewirkt hat, einem Staat dessen faschistische Vergangenheit sich bis heute fortzieht. Nie wieder Faschismus bedeutet den Faschismus in unserem Land zu bekämpfen. Es bedeutet aber auch gegen den Faschismus in anderen Ländern zu kämpfen.

Was ist unsere Realität in Deutschland? Wir sollen denken, wir wären so frei wie nie. Aber wir werden ausgebeutet, indem ein Großteil von uns jeden Tag für wenig oder gar keine Bezahlung arbeitet. Wenn wir Frauen zu Hause geschlagen oder umgebracht werden, wird es als Familiendrama abgetan. Wenn es einen Schuldigen dafür gibt, dann nur, wenn es kein weißer deutscher Mann gewesen ist. Wenn wir ungewollt schwanger geworden sind, begegnet uns ein Abtreibungsverbot, bei dem man sich eigentlich nur fragen kann: Wie kann das überhaupt noch ein Thema sein?

Aber wir organisieren uns! Heute am 8.März treten viele von uns Frauen, Trans*, Inter* und nicht binären Geschlechtsidentitäten in einen Streik. Wir streiken, weil uns das alles nicht passt. Heute kommen wir überall zusammen auf die Straße. An diesem historischen Tag streiken wir.
Aber kämpfen tun wir jeden Tag. Jeden Tag kämpfen wir, um in dieser Realität zu überleben. Wir kämpfen, um eine Welt aufzubauen, in der wir leben und frei sein können. Jeden einzelnen Schritt den wir geschafft haben, müssen wir verteidigen.

Es ist ein Kampf, der die Wünsche und Hoffnungen von unseren Vorkämpferinnen in der Geschichte weiterträgt. Frauen wie Shehid Ronahi, Legerin oder Helin. Frauen wie Rosa Luxemburg, Comandanta Ramona, Sylvia Rivera oder Sakine Canzis. In all ihren Namen.

Wir sind die Töchter der Hexen, die sie nicht verbannt haben!

Jin Jiyan Azadî!«

Quelle: http://gemeinsamkaempfen.blogsport.eu/aktuelleaufrufe/

Über die Kampagne Gemeinsam kämpfen!

„Gemeinsam Kämpfen“ ist eine feministische Kampagne, die langfristig angelegt ist – im besten Fall, bis wir das Patriarchat hinter uns gebracht haben! Sie ist am 25. November 2017 gestartet, u.a. mit Demos in Hamburg, Berlin und Celle. Das Ziel ist es, das Wissen über die Revolution in Rojava, der Demokratischen Föderation Nordsyrien, als Frauenrevolution zu verbreiten. Explizit soll hierbei das Projekt des Frauendorfs Jinwar bekannt gemacht werden.

Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einer internationalistischen Vernetzung und basiert darauf, dass wir uns selbst in Bezug zur Revolution setzen. Wir wollen die Kampagne also nicht als reine Solidaritätsaktion für Rojava begreifen, sondern die Verbindung zwischen Rojava und Deutschland (und gerne darüber hinaus) herstellen. Wir wollen den Raum öffnen, um zu überlegen, was wir hier tun können, wie wir hier eine breite internationalistische feministische Organisierung aufbauen können.

Wir laden alle Menschen, die sich mit unserem Aufruf und unseren Ideen identifizieren können ein, sich an Aktionen und Diskussionen zu beteiligen und unter dem Slogan “Gemeinsam kämpfen! Feministische Kampagne für demokratische Autonomie und Selbstbestimmung” selbstständig Aktionen zu starten.

Für den Feminismus, für das Leben!
JinJiyanAzadi – FrauenLebenFreiheit*

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Aufruf zur Demonstration am 23.3.: »Wir haben Agrarindustrie satt!« https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/20/aufruf-zur-demonstration-am-23-3-wir-haben-agrarindustrie-satt/ Wed, 20 Mar 2019 19:41:57 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3975 [...]]]> Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf zur Demonstration eines Bündnisses aus 19 Verbänden und Organisationen an diesem Samstag in Oldenburg. Mit dem Slogan »Wir haben Agrarindustrie satt! Stadt und Land Hand in Hand« wollen sie ihre gemeinsamen Forderungen an die Niedersächsische Landesregierung »zu Fuß und mit Treckern« in Oldenburg auf die Straße bringen.

 

»Für Wertschätzung von Mensch, Tier und Umwelt!

Bauernhöfe fördern und erhalten – Stadt und Land Hand in Hand
Für eine bäuerliche Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen aller Beteiligten, für Klima- und Umweltschutz und gutes Essen aus der Region!

Bauernhöfe fördern und erhalten!

Bäuerliche Betriebe tragen einen wesentlichen Teil zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen bei, weil sie in Kreisläufen wirtschaften können, in Generationen denken und handeln. Wir haben Respekt für die harte Arbeit, die Bäuerinnen und Bauern jeden Tag leisten. Doch die Politik lässt die Höfe im Stich. 80% der Agrarsubventionen verteilen sich auf 20% der Betriebe. Über 100.000 Betriebe mussten in Deutschland in den letzten 10 Jahren dicht machen. Auch in unserer Region geht das Wachsen oder Weichen ungebremst weiter. Begünstigt werden immer intensiver wirtschaftende Betriebe und außerlandwirtschafliche Investor*innen, die sich immer mehr Land unter den Nagel reißen. Die fatalen Folgen sind Höfesterben und Monokulturen, Artenschwund, Megaställe mit ihren Nährstoffüberschüssen und Antibiotikaresistenzen. Wir fordern: Stoppt die Subventionen von Agrarwüsten, Tierfabriken, investorengesteuerten Betrieben und Großgrundbesitz!

In der niedersächsischen Landwirtschaftspolitk läuft vieles falsch!
In Nordwest-Niedersachsen ist jahrzehntelang eine Intensivproduktion an Fleisch und Milch mit immer mehr Masse zu immer niedrigeren Preisen gefördert worden. Möglich ist dies auch durch den Futtermittelimport aus Drittländern, der verheerende Folgen hat: Umweltzerstörung, Armut, Landvertreibung und Migration.
Bei uns führt er zu extremen Nährstoffüberschüssen mit negativen Folgen für Luft-, Boden- und Grundwasserqualität: Aus der Region Weser-Ems, hauptsächlich aus den Landkreisen Cloppenburg, Vechta und Emsland, werden jährlich 3 Millionen Tonnen Geflügelmist, Gülle und Gärreste über weite Strecken abtransportiert. Die überbetriebliche Entsorgung führt zu immensen Pachtpreissteigerungen, die für eine Verdrängung kleinerer, weniger intensiv wirtschaftender Betriebe sorgt. Verschärft wurde die Situation noch durch den Biogasboom. Das System stößt überall an seine Grenzen!

Anstatt die Ursachen zu bekämpfen, nämlich die zu hohen Tierzahlen zu reduzieren, werden die Folgen der exportorientierten Überproduktion verlagert – technische Lösungen, Güllelagerbau und Gülletransporte werden als neuer Wirtschaftsfaktor erheblich gefördert. Auch der gesellschaftlich geforderte und politisch unterstützte Umbau von Ställen wird nicht genutzt, um die Tierbestände wirksam zu verringern. Das ist der falsche Weg!

Vorrang für Klima- und Umweltschutz!

Das Dürrejahr 2018 hat gezeigt: So geht es nicht weiter! Wir fordern konsequenten Klimaschutz. Wir brauchen viele bäuerliche Betriebe, die regionale und saisonale Lebensmittel erzeugen und mit lebendigen Böden helfen, das Klima zu schützen und die Kulturlandschaften auch in ihrer Artenvielfalt erhalten. Wir fordern EU-Agrargelder nur noch für umwelt-, klimaschonende und tiergerechte Landwirtschaft!

Für faire Bezahlung!

Ursache für viele Probleme ist der Kostendruck, der durch Billigproduktion für den Weltmarkt entsteht. Davon proftieren aber ausschließlich die industriellen Agrar-, Verarbeitungs-, und Handelskonzerne, während die Umweltschäden von uns allen jetzt und in der Zukunft bezahlt werden. Wir können uns die Billigproduktion nicht mehr leisten! Wir fordern faire Preise, Löhne und Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Produktionskette – vom Acker bis zum Teller!

Für ein solidarisches Europa!

In vielen hiesigen Schlachthöfen und Großbetrieben herrschen unwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen, damit Discounter und die Exportindustrie mit Dumpingpreisen immer größere Profite machen können. Arbeitsmigrant*innen, unter ihnen vielfach ehemalige Kleinbäuer*innen aus Ost- und Südosteuropa, werden in der Schlachtbranche ausgebeutet und regelrecht verschlissen und verbraucht. In einem solidarischen Europa sind gerechter Handel und Menschenrechte nicht verhandelbar!

Für die Rechte von Bauern und Bäuerinnen hier und weltweit!

Obwohl es die bäuerliche Landwirtschaft ist, die 70% der weltweit verfügbaren Lebensmittel produziert, erhält die agrarindustrielle Landwirtschaft enorme politische und finanzielle Unterstützung. Ihre Praktiken führen allerdings u.a. zu Reduktion von Saatgutvielfalt, Verschmutzung von Böden und Wasser, Umweltzerstörung. Im Globalen Süden zwingt die EU vielen Staaten Freihandelsverträge auf und ruiniert mit Billigexporten dann Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern. Systematische  Diskriminierung, Landverdrängung, Zerstörung der Lebensgrundlagen und Klimawandel sind die Folge. Wir fordern Anerkennung und Schutz der Bauernrechte weltweit!

Sei dabei, wenn wir mit vielen Unterstützer*innen für den Erhalt von Bauernhöfen und für eine Agrarwende demonstrieren!
Für eine WERTvolle und UMWELTgerechte Landwirtschaft!
Gemeinsam sind wir stark!
Wir haben Agrarindustrie satt – Umwelt, Mensch und Tier vor Profit!
Vorrang für eine bäuerliche Landwirtschaft mit Flächenbindung, die gesellschaftliche Forderungen umsetzt, gute Lebensmittel für uns alle erzeugt und dabei die Kulturlandschaft erhält!

Demonstration am 23. März 2019 | 11 Uhr | Aufakt Bahnhofsvorplatz | Oldenburg

Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz; Stände der Bündnispartner

Aktuelle Infos unter: www.agrarwende.de

Wer wir sind

Wir sind Bäuerinnen und Bauern, von konventionell bis bio, von Tierhaltung bis Ackerbau. Verbraucher*innen, Imker*innen, Natur- und Tierschützer*innen, Umweltaktvist*innen, Aktive der Entwicklungszusammenarbeit, engagierte Jugendliche, Kämpfer für Arbeitnehmerrechte, Menschen aus Stadt und Land und viele mehr. Wir arbeiten u.a. im Agrarbündnis Niedersachsen zusammen. «

 

 

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Der Wolf auf Oldenburgs Deichen https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/20/der-wolf-auf-oldenburgs-deichen/ Wed, 20 Mar 2019 08:00:58 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3969 [...]]]> »Ein Wolf. Kein Schaf. Kein Deich. Kein Land. Kein Leben.« So verkündete es bis vor kurzem ein Plakat des Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement, das an einem Deichgitter an der Oldenburger Hunte befestigt war. Diese Aussage muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ein einzelner Wolf erscheint in Oldenburg. Alle Schafe auf sämtlichen Deichen werden gerissen. Bei der nächsten Sturmflut brechen die Deiche und das Land geht unter. Ein Leben in Oldenburg ist nicht länger möglich.

Die Symbolik vom tödlichen Wolf ist alt. Schon Grimms Märchen lehren uns: Wo der Wolf ist, lauert Gefahr. Die Angst vor dem Wolf geriet in Deutschland in Vergessenheit. Aufgrund der intensiven Bejagung war das heutige Bundesgebiet bis vor wenigen Jahren weitgehend wolfsfrei. Um die Jahrtausendwende siedelte sich das erste Wolfspaar in Sachsen an. Von dort breitete sich der Wolf in den vergangenen 20 Jahren über Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen aus. Nach aktueller Schätzung leben in Deutschland derzeit 73 Rudel, 30 Paare und einige Einzeltiere, davon 14 Rudel und sieben Paare in Niedersachsen. Durch die riesigen Wolfsgebiete regulieren sich die Rudel in ihrer Größe selbst und verhindern damit ganz natürlich eine Überpopulation.

Mit der Rückkehr des Wolfes kam auch die Angst wieder. Geschürt wird diese Angst durch Jäger und Landwirte, aber auch durch eine reißerische Berichterstattung. Neben griffigen Headlines (»Der Wolf reißt mich in den Ruin«, BILD-Online, 16.02.2019) werden Bilder von gerissenen Weidetieren in Großaufnahme abgedruckt. Es ist wie einst bei den Gebrüdern Grimm: Der Wolf als tödliche Bedrohung. Und so fordert der Deutsche Bauernverband anlässlich einer Tagung 2017 die Bejagung der Wölfe, andernfalls sei »die Weidetierhaltung … in Frage gestellt«. Eine generelle Bejagung ist bisher nicht möglich, da der Wolf seit 1980 als eine streng geschützte Art eingestuft ist. Der Deutsche Jagdverband leistet den Bauern in einem Positionspapier im April 2018 Schützenhilfe und fordert, versteckt hinter dem Begriff des Wolfsmanagements, den Wolf »in den Katalog der bejagbaren Arten des Bundesjagdgesetzes aufzunehmen«. Und jetzt machen in Oldenburg auch die Deichschäfer Stimmung gegen den Wolf. Zeit für ein paar Fakten.

Im Jahr 2018 wurden in ganz Niedersachsen rund 240 von Wölfen getötete oder tödlich verletzte Nutztiere gemeldet. Es ist daher durchaus richtig, dass die Bauern Verluste zu verzeichnen haben. Doch im Vergleich: 2017 gab es auf Niedersachsens Straßen über 32.000 Wildunfälle und alleine im ersten Halbjahr 2018 wurden bundesweit mehr als 582.000 Schafe gewerblich geschlachtet. Der Tod von Tieren scheint demnach kein Problem darzustellen, lediglich der Tod, der nicht von Menschen herbeigeführt wird. Da passt gut ins Bild, dass viele Schafe aufgrund der menschlichen Präsenz auf den Deichen sterben. An der Hunte ertrinken regelmäßig Schafe, die von Joggern oder Hunden erschreckt ins Wasser flüchten. Auch der Hundebandwurm ist inzwischen als Todesursache bekannt. Allein ein Bauer in Elisabethgroden verliert jährlich fünf bis sechs Tiere an den Parasiten (NWZ, 28.03.2015). Hinzu kommt, dass durch Wölfe herbeigeführte Nutztierschäden staatlich erstattet und Schutzmaßnahmen finanziert werden. Ein wirtschaftlicher Schaden entsteht Bauern daher nicht. Um Rissen vorzubeugen, müssen diese Maßnahmen aber auch ergriffen werden. Keines der acht im Landkreis Oldenburg gerissenen Schafe wurde durch Schutzzäune oder Herdenschutzhunde gesichert. Übrigens: Dem Mensch wird der Wolf in aller Regel nicht gefährlich. In ganz Europa kam es in den letzten 50 Jahren zu neun tödlichen Angriffen auf Menschen, davon fünf durch tollwütige Tiere (Deutschland gilt seit 2008 offiziell als frei von klassischer Wildtollwut), die anderen vier durch Wölfe, die zuvor von Menschen angefüttert wurden.

Bei der Stimmungsmache gegen den Wolf ist ein Populismus á la AfD, Pegida und Trump Mittel zum Zweck. Im Populismus verschwinden die Zwischentöne und was bleibt, ist eine scharfe Trennung in gut und böse. Auf den Sündenbock lassen sich die eigenen Ängste verschieben und die eigenen gewaltvollen Gedanken und Handlungsimpulse projizieren. Wenn wir zu glauben wissen, wer oder wo das Böse ist, behalten wir es im Blick, meinen handlungsfähig zu sein und können uns immer wieder versichern, dass nicht wir selbst die Bösen sind. Wir entledigen uns der Ambivalenz und Komplexität des Lebens, die sich manchmal nur schwer aushalten lässt. Das beständig wiederholte Narrativ vom bösen Wolf, vom terroristischen Muslim, vom kriminellen Ausländer bringt Gewalt hervor. Und haben wir das Bild oft genug vor Augen bekommen, beginnt es sich zu bestätigen. Denn natürlich können auch Ausländer kriminell sein, verüben auch Muslime Terroranschläge und reißen Wölfe auch Schafe. Aber das ist eben nur ein ganz kleiner Teil des großen Bildes und den meisten Menschen und Tieren, die wir in den großen Topf des Sündenbocks werfen, tun wir damit massives Unrecht an.

Nicht der Wolf ist das Problem, sondern der Mensch und sein Umgang mit diesem Wildtier. Vermutlich ist dem Wolf deswegen vergangenes Wochenende der Pelzkragen geplatzt und er hat wenigstens das populistische Anti-Wolfsplakat am Hunteweg gerissen. Gut so.

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Frauen*kampftag in Oldenburg – Redebeiträge https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/19/frauenkampftag-in-oldenburg-redebeitraege/ Tue, 19 Mar 2019 08:00:07 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3936 [...]]]> Am 8. März 2019 führte anlässlich des Internationalen Frauentages eine Demonstration durch die Oldenburger Innenstadt. Die Oldenburger Rundschau veröffentlicht nun in den kommenden Tagen nacheinander die drei gehaltenen Redebeiträge, beginnend heute mit der Auftaktskundgebung von Rose Behn.

»Heute ist der Internationale feministische Kampftag und ich freue mich, dass ihr hier seid.

Ständig werden wir diskriminiert, unterdrückt und ausgebeutet. Wir werden tagtäglich mit verletzenden Witzen, Kommentaren, Übergriffen und körperlicher Gewalt klein gemacht. Unsere Arbeit wird geringgeschätzt und noch immer verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 22% weniger als Männer. Nicht nur das, zu Hause übernehmen wir unzählige Stunden an Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit. Manche von uns tun dies auch schlecht bezahlt im Zuhause anderer. Für Familie, Freund*innen, Partner*innen und Kolleg*innen leisten wir oft emotionale Unterstützung. Im Alter kommen wir mit unserer Rente kaum oder gar nicht über die Runden.

So verschieden wir sind, wir sind alle Arbeiterinnen*, weil wir arbeiten müssen – egal ob wir mit dem Kugelschreiber, dem Schraubenschlüssel, dem Computer oder dem Besen in der Hand arbeiten, ob wir dafür einen Lohn bekommen oder nicht. Es wird von uns erwartet, dass wir diese Arbeit klaglos, unbeachtet und wie selbstverständlich mit einem Lächeln erledigen.

Wir lassen uns das nicht länger gefallen! Ich möchte heute keine Rosen – sondern fordere faire Löhne gleichen Zugang zu allem für alle, ein Ende der sexualisierten Gewalt Geschlechtergleichheit, diskriminierungsfreie Sprache und die Integration von feministischen, antirassistischen und intersektionalen Themen in die Allgemeinbildung. Zudem fordere ich ein besonderes Augenmerk auf Personen, die nicht nur vom Patriarchat betroffen sind, sondern noch zusätzlich unter anderen Diskriminierungsformen leiden müssen!

Ich möchte heute gar nicht viel sagen – viel mehr möchte ich euch danken, dass ihr hier seid, dass ihr nicht aufgebt und weiter gegen das Patriarchat kämpft. Ich möchte euch heute auffordern, eure Stimme zu erheben, euch nicht klein machen zu lassen, Ungerechtigkeiten zu erkennen und dagegen vorzugehen. Ich möchte euch dazu auffordern, zusammenzuhalten und euch gegenseitig zu helfen. Es ist noch ein sehr weiter Weg, den wir gemeinsam gehen müssen.

Heute ist der Internationale feministische Kampftag. Schon seit über 100 Jahren streiken, streiten und kämpfen wir für unsere Rechte und gegen jede Unterdrückung. Diese Versammlung soll vor allem dazu dienen, einen Austausch zu schaffen und unseren Zusammenhalt von innen zu stärken. Deswegen möchte ich euch dazu aufrufen, das heutige Ereignis zu nutzen, um euch zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen. Wir haben einen Tag bekommen, um ernst genommen, respektiert und anerkannt zu werden, nicht länger unterdrückt zu werden – doch wir kämpfen JEDEN Tag dafür. Deshalb fordere ich nicht einen Tag sondern ein ganzes Leben – für uns alle.

Nein, wir möchten keine Rosen, wir fordern Gleichberechtigung. Und ich werde streiken und demonstrieren bis ALLE die gleichen Chancen im Leben bekommen.

Wir wollen demonstrieren,

… weil wir in einer Welt leben wollen, in der jede Arbeit wertgeschätzt wird.

… weil wir uns nicht länger ausbeuten lassen, weder zu Hause, noch auf der Lohnarbeit.

… weil unsere Zeit uns gehört und wir selbst bestimmen wollen, wann und wie wir arbeiten.

… weil wir das Ende des Pflegenotstands, des Mangels an kostenloser Kinderbetreuung, die Aufwertung der Hebammen- und der Reinigungsarbeit verlangen.

… weil wir selbst über unsere Körper bestimmen wollen und ob und wann wir schwanger werden oder wann wir eine ungewollte Schwangerschaft beenden.

… weil wir keine starre Einteilung in Frau und Mann brauchen, sondern eine Anerkennung und Geschlechtergerechtigkeit für trans-Männer, -Frauen, nicht-binäre und Interpersonen.

… weil wir selbst entscheiden wollen, wen wir lieben, ob, wann und mit wem wir Sex haben.

… weil wir uns nicht länger vorschreiben lassen, was oder wen wir schön finden, wie wir auszusehen oder uns zu kleiden haben.

… weil wir klar machen wollen, dass Gewalt nicht erst bei Schlägen anfängt, sondern bei verbalen Verletzungen, Bevormundungen jeglicher Art oder Isolierung von der Außenwelt.

… weil wir keinen Schutz vor Männern brauchen, sondern ein Ende jeder Gewalt. Jeder Angriff auf eine Frau ist ein Angriff auf uns alle!

… weil wir alle das gleiche Recht auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum haben.

… weil wir uns gegen rechte Politik und den Aufstieg rechter Parteien und Bewegungen stellen.

… weil wir uns gegen Gesetze wehren, die uns ungleich machen, trennen und kriminalisieren.«

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Wie eine Utopie gelebt und verteidigt wird https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/17/wie-eine-utopie-gelebt-und-verteidigt-wird/ Sun, 17 Mar 2019 16:45:54 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3952 [...]]]> Am Mittwoch, 20.03.19, findet um 19 Uhr anlässlich des kurdischen Neujahresfestes NEWROZ im Alhambra eine Veranstaltung mit dem Sozialwissenschaftler Ramazan Mendanlioglu statt. Einen Tag später, also am Donnerstag dem 21. März, gibt es an selber Stelle dann ab 20.30 Uhr eine NEWROZ-Feier mit Feuershow.

In der Ankündigung zur Veranstaltung am 20.03. heißt es: „Die kurdische Bewegung hat in den letzten knapp 20 Jahren eine beeindruckende Entwicklung gemacht. Ursprünglich eindeutig real-sozialistisch orientiert, wurde auf Grundlage der Ideen von Abdullah Öcalan und beeinflusst durch die Ideen von Murray Boockchin, einem liberalen Sozialisten, das Projekt des Demokratischen Konföderalismus entwickelt. Demokratischer Konföderalismus das bedeutet die Überwindung nationalstaatlichen Denkens, die Gleichberechtigung von Ethnien, Religionen und Geschlechtern, eine demokratische Selbstverwaltung in Rätestrukturen, Ökologie und die besondere Rolle der Frauen bei der Befreiung. So werden alle gesellschaftlichen Gremien gleichberechtigt von einem Mann und einer Frau vertreten und die Frauen haben zu allen diesen Strukturen eigenständige Strukturen.

Seit Ende 2013 ergab sich durch die Schwäche des Assad-Regimes im syrischen Bürgerkrieg die Möglichkeit, diese Ideen in den kurdischen Gebieten im Norden Syriens (Rojava) in Praxis umzusetzen und die Demokratische Föderation Nordsyrien/Rojava auszurufen.

Lokal gab es solche Versuche auch in den kurdischen Gebieten der Türkei. Dort wird aber seit 2015 vom türkischen Staat versucht, diese in einer blutigen Offensive gegen die kurdische Zivilbevölkerung, verbunden mit der Zerstörung ganzer Städte, brutal niederzuschlagen.

Anlässlich des kurdischen Neujahresfestes NEWROZ haben wir als Referenten den Sozialwissenschaftler Ramazan Mendanlioglu eingeladen, der im letzten Jahr mehrere Monate in Nordost-Syrien gelebt hat und zu den gesellschaftlichen Prozessen dort forscht. Er wird neben Informationen und Einschätzungen zur aktuellen Situation in das Konzept des Demokratischen Konföderalismus einführen und über die Umsetzung im täglichen Leben berichten.“

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»Solidarität mit den politischen Gefangenen!« https://www.oldenburger-rundschau.de/2019/03/17/solidaritaet-mit-den-politischen-gefangenen/ Sun, 17 Mar 2019 11:15:57 +0000 https://www.oldenburger-rundschau.de/?p=3925 [...]]]> So das Motto des seit 1923 von der Internationalen Roten Hilfe (IRH) jährlich am 18. März begangenen »Internationalen Tages der Hilfe für die politischen Gefangenen«« . Damit soll ein Bewusstsein für die Lage der politischen Gefangenen weltweit erzeugt und verankert werden und Solidarität auf diese Weise auch praktisch zum Ausdruck kommen. So gingen in den 20er Jahren in allen Ländern Menschen für die Opfer politischer Justiz auf die Straße, beispielsweise für die unschuldig in den USA zum Tode verurteilten Anarchisten Sacco und Vancetti. Der Faschismus machte der Begehung dieses Tages in Deutschland vorläufig ein Ende, 1933 wurde er von der NSDAP verboten. Daran anknüpfend gibt es seit 1996, auf Initiative von Libertad und der Roten Hilfe, wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen, bundesweit verbunden mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen.

Dazu erscheint eine regelmäßig eine Sonderausgabe der Zeitschrift der Roten Hilfe. Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf der Prozessführung aus der Haft heraus. Aktuelle Beispiele dafür werden durch die Mitglieder linker Exilorganisationen aus der Türkei und zahlreiche Aktivist*innen der G20-Proteste im Hamburg aufgezeigt. Aber auch Klimaaktivist*innen, Gefangene aus der Schweiz, Bulgarien, Griechenland, dem Baskenland, Chiapas, den USA u.v.m. kommen zu Wort. Erhältlich ist die Zeitschrift u.a. im Infoladen Roter Strumpf, Hermannstr. 83/Ol.

Die Rote Hilfe ist eine Solidaritätsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstützt. Sie konzentriert sich auf politisch Verfolgte aus der BRD, bezieht aber auch Verfolgte aus anderen Ländern ein. Bundesweit ist sie in über 50 Ortsgruppen aktiv. Nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer im Dezember 2018 ein Verbot der Roten Hilfe forderte, erlebt der Verein eine Welle der Unterstützung. So stieg die Mitgliederzahl des Vereins seit Seehofers Äußerung auf aktuell 10.275 – 2016 hatte die Rote Hilfe erst 8.000 Mitglieder.

 

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