Aufruf: Fahrraddemo über die Nordtangente

Für den 12. Juli ruft ein brei­tes zivil­ge­sell­schaft­li­ches Bünd­nis zur Fahr­rad-Demons­tra­ti­on unter dem Mot­to „Mobi­li­tät für Alle – Sozi­al gerecht und umwelt­ver­träg­lich“ auf Nord­tan­gen­te des Olden­bur­ger Auto­bahn­rings. Wir doku­men­tie­ren den Auf­ruf:

Die Städ­te schei­nen zu eng, zu laut, die Atem­luft Aller ist über die ver­tret­ba­ren Maße gesund­heits­ge­fähr­dend belas­tet. Doch die Stadt ist nur im wei­tes­ten Sinn das Pro­blem. Viel­mehr ver­ant­wort­lich für Platz- und Umwelt­pro­blem ist eine auto­zen­tri­sche Ver­kehrs­po­li­tik, wie sie in den meis­ten deut­schen Städ­ten Nor­ma­li­tät ist. Die auto­ge­rech­te Stadt wird aller­dings seit eini­gen Jah­ren nicht ein­mal mehr die­sen – den Autos – gerecht. Staus und lan­ge Fahrt­zei­ten sind die Fol­ge, was Druck auf Umwelt und Stadt­bild aus­übt.

Der Anblick von zuge­park­ten Fuß­we­gen und Auto­mas­sen nach Fei­er­abend ist so all­ge­gen­wär­tig, dass er längst Teil unse­rer Nor­ma­li­tät gewor­den ist. Wir den­ken, dass der öffent­li­che Raum allen Men­schen glei­cher­ma­ßen zum Leben gehö­ren soll­te und nicht, wie es momen­tan der Fall zu sein scheint, den Fahr­zeu­gen um dar­in zu fah­ren. Wir for­dern eine Debat­te um die Ver­tei­lung die­ses öffent­li­chen Rau­mes, wel­che sich an Aspek­ten öko­lo­gi­scher und sozia­ler Nach­hal­tig­keit ori­en­tie­ren und viel­fäl­ti­ge Per­pek­ti­ven in den Blick neh­men muss. Die gegen­wär­ti­ge Ver­kehrs­si­tua­ti­on erschwert näm­lich nicht nur umwelt­ver­träg­li­ches Ver­hal­ten, wie Rad­fah­ren, son­dern eben­so die Mobi­li­tät von Men­schen mit Beein­träch­ti­gung oder gerin­gen finan­zi­el­len Mit­teln.

Wie drin­gend ein Wan­del der Mobi­li­tät – gera­de in der Olden­bur­ger Ver­kehrs­po­li­tik ist – kann anhand eini­ger weni­ger Zah­len illus­triert wer­den. Zwar weist Olden­burg den deutsch­land­weit größ­ten Rad­ver­kehrs­an­teil in Deutsch­land auf: Hier wer­den täg­lich so vie­le Fahr­rä­der im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr bewegt, wie KFZ. Doch ein KFZ bean­sprucht knapp die 20-fache Flä­che in der Stadt: für Park­plät­ze (ca. 23 Stun­den pro Tag!), Fahr­bah­nen und Sicher­heits­ab­stän­de. Außer­dem schreibt die letz­te Emis­si­ons­bi­lanz der Stadt noch immer stei­gen­de Emis­si­ons­wer­te für den Ver­kehrs­sek­tor – ins­ge­samt rund 30 % der Gesamt­emis­sio­nen. Letz­te­res mag zu gro­ßen Tei­len an der zuneh­men­den Anzahl Autos in der Stadt lie­gen. Die­se hat sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren von 80.000 auf 100.00 KFZ, also um 25 Pro­zent gestei­gert!

Die sozi­al- und umwelt­ver­träg­li­che Mobi­li­täts­wen­de muss also her. Aber wie? Seit einem hal­ben Jahr­hun­dert machen uns welt­weit Städ­te vor, wie der Stra­ßen­ver­kehr in Bal­lungs­ge­bie­ten, sprich Städ­ten, auch mit viel weni­ger KFZ bei gleich­blei­ben­der Mobi­li­tät orga­ni­siert wer­den kann. Zur Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät aller Bewoh­ner! Für Olden­burg könn­te das hei­ßen: Fahr­rad­schnell­stra­ßen, die Umwand­lung des Innen­stadt­rings zur Ein­bahn­stra­ße für PKW, doch wei­ter­hin befahr­bar für ÖPNV und Fahr­rä­der, Park & Ride Ange­bo­te, Stadt­teil­bahn­hö­fe, kur­ze Wege für Radfahrer*innen, Aus­wei­tung sowie Preis­ge­stal­tung des Bus­net­zes. Fahr­rä­der gleich­be­rech­tigt über­all auf Fahr­bah­nen und Rad­strei­fen abseits von Geh­we­gen.

In einer Welt, die durch Platz­man­gel in Städ­ten gekenn­zeich­net ist, in der immer wie­der Grenz­wer­te für die Belas­tung der Luft durch Stick­oxi­de und Fein­staub über­schrit­ten wer­den und die sich mit der Kli­ma­kri­se als einer, in die­ser Form nie dage­we­se­nen Her­aus­for­de­rung kon­fron­tiert sieht, muss Mobi­li­tät viel mehr leis­ten, als es das Auto kann. Aus die­sem Grund wol­len wir genau dort demons­trie­ren wo die fehl­ge­lei­te­te auto­zen­trier­te Ver­kehrs­po­li­tik seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik stadt­weit sicht- und stän­dig hör­bar ist: Auf dem Olden­bur­ger Stadt­au­to­bahn­ring, genau­er des­sen Nord­tan­gen­te.

Kommt zur Demo und mach gemein­sam mit uns Druck: Für eine städ­ti­sche Ver­kehrs­po­li­tik der Men­schen und nicht der Blech­la­wi­nen!

Unter https://mobilol.de/ideen bist du wei­ter­hin herz­lich ein­ge­la­den, dei­ne eige­nen Ide­en / For­de­run­gen für ein gerech­tes Mobi­li­täts­kon­zept in Olden­burg ein­zu­rei­chen oder für die Ide­en ande­rer abzu­stim­men.