Nach Absage wegen eines Unwetters: Doppeldemo am kommenden Samstag

Vor zwei Wochen wur­den die Demos gegen Ras­sis­mus und die tür­ki­schen Angrif­fe auf die kur­di­sche Gemein­schaft wegen einer Unwet­ter­war­nun­gen abs­ge­sagt. Für kom­men­den Sams­tag den 11. Juli wur­den sie nun erneut ange­setzt:

Gleich zwei Demons­tra­tio­nen am Sams­tag­nach­mit­tag in Olden­burg – da macht es Sinn, sich zusam­men zu tun! Um 14.00 Uhr beginnt auf dem Schloss­platz eine Demons­tra­ti­on von fri­days­for­fu­ture / United against racism. Die »BlackLivesMatter«-Demo soll zei­gen, das der »Kampf gegen Ras­sis­mus nicht mit einem Tweet, einem Insta­gram Post oder einer ein­ma­li­gen Teil­nah­me an einer Demons­tra­ti­on auf­hört«. Nach der Auf­takt­kund­ge­bung mit Rede­bei­trä­gen zu ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten anti­ras­sis­ti­schem Enga­ge­ments und Ver­hal­tens beginnt die Demons­tra­ti­on. Es geht zum Bahn­hof, wo ab/seit 15.00 Uhr die Auf­takt­kund­ge­bung des Ver­eins Städ­te­freund­schaft Olden­burg-Efrîn statt­fin­det. Der Ver­ein will auf die seit dem 15. Juni statt­fin­den­den Angrif­fe der Tür­kei auf die kur­di­sche Auto­no­mie­re­gi­on in Nord­sy­ri­en und Nord­irak auf­merk­sam machen.

Die bei­den Demons­tra­tio­nen wer­den sich nun für den wei­te­ren Ver­lauf zusam­men­schlie­ßen und gemein­sam durch die Stadt lau­fen. Die Abschluss­kund­ge­bung wird wie­der am Schloss­platz statt­fin­den.

Im fol­gen­den wer­den bei­de Auf­ru­fe doku­men­tiert (drauf kli­cken):

Auf­ruf von fri­days­for­fu­ture / United against racism

Antirassismus ist eine lebenslange Aufgabe für jede*n von uns – aus verschiedenen Perspektiven. Als weiße Person musst du die rassistischen Strukturen, die dir in den Medien, der Gesellschaft, der Politik und deinem sozialen Leben gezeigt wurden und auch weiterhin gezeigt werden erkennen, ablegen und umlernen.Antirassist zu sein bedeutet dein Verhalten, dein Denken und deine Assoziationen proaktiv zu verändern. Wir müssen bei Demonstrationen laut sein – vor allem aber auch davor und danach. Und das ist erst der Anfang. Schwarze Menschen und People of Color haben nicht das Privileg der Entscheidung etwas gegen Rassismus und rassistische Strukturen zu tun, weil sie direkt von Rassismus und Diskriminierungbetroffen sind und zwar täglich. Sie sind dazu gezwungen sich mit Rassismus zu beschäftigen, weil es Teil ihres Alltags ist – auch hier in Deutschland. Rassismus tötet – nicht nur in den USA, sondern auch hier. Gemeinsam kämpfen wir für Räume, die die momentanen rassistischen Umstände kritisieren – und das tun wir mit Kraft, Solidarität und Freude. Bei der Demonstration wollen wir uns einer Menge an Konflikten und Fragen widmen. Wir fragen uns: Wie funktioniert Rassismus für wen? Wie können wir täglichen, sowie strukturellen Rassismus in Deutschland und auf der ganzen Welt bekämpfen? Wie können wir einander stärken? Was bedeutet es unsere eigene „weiße Fragilität« anzugehen? Wie können wir unsere Solidarität auch gegenüber der kurdischen Gemeinschaft in Nordsyrienzeigen und Aufmerksamkeit erregen? Wie können wir schwarze Flüchtlinge in den Lagern and den Grenzen Europas und hier in Oldenburg unterstützen? Wie können wir Antirassismus als intersektionelle Aufgabe sehen und behandeln wie z.B. die Situation der schwarzen LGBTQIA+ Gemeinschaft, sowie insbesondere die der transsexuellen Menschen und transsexuellen People of Color? Lasst uns zusammen kommen, lasst uns die Welt hinterfragen, lasst uns weiter kämpfen!

#antirassismusistkeintrend

Aufgrund des tödlichen Corona Virus möchten wir besonderen Wert auf eure Sicherheit legen.

Jede*r muss eine Maske tragen. Wähle zu Beginn der Demonstration eine*n Freund*in / Familienmitglied oder deine*n Parter*in und lauft mit einem Sicherheitsabstand von 2 Metern zueinander. Bitte haltet den Sicherheitsabstand von 2 Metern zu den Menschen vor euch ein, während ihr auf der Demo mitläuft. Bitte begebt euch am Ende der Demonstration wieder zur gleichen Markierung bei der ihr zu Beginn standet.

Auf dem SP muss jeder auf einer Markierung stehen und eine Maske tragen. Pro Markierung bitte nur zwei Leute aus einem Haushalt. Haltet einen Abstand von 1.5 Metern zu den Personen neben euch. Die Demonstration ist auf 200 Teilnehmende begrenzt.


Und hier der Auf­ruf des Ver­eins »Städ­te­freund­schaft Olden­burg-Efrîn« (hier als pdf)

In der Nacht zum 15.Juni 2020 begann die Türkei einen völkerrechtswidrigen militärischen Angriff im kurdischen Autonomiegebiet/Nordirak (Operation „Adlerklaue“). Türkische Kampfjets und Drohnen bombardierten vermutete Stellungen in den von der kurdischen Guerilla kontrollierten Medya-Verteidigungsgebieten, das unter UN-Schutz stehende Geflüchteten-Camp Mexmûr (Machmur) südwestlich von Erbil (Hewlêr) und das ezidische Hauptsiedlungsgebiet Shengal. Vor wenigen Jahren war Shengal Schauplatz eines Genozids an den Eziden durch den sogenannten IS. Damals wurden Tausende Menschen ermordet, gefoltert und insbesondere die Frauen entführt und versklavt. Nur einen Tag vor dem 15.06.2020 waren 150 der Ezid*innen, die 2014 den Angriff des IS überlebt hatten, nach Shengal zurückgekehrt.

Offizieller Grund dieses Angriffs der türkischen Luftwaffe ist die „Neutralisierung von Terrornestern zum Schutz der eigenen Grenzen und Bevölkerung“.

Ein Blick auf die Karte macht aber deutlich, dass weder das Camp Mexmûr noch Shengal an der Grenze zur Türkei liegen.

Dieser aktuelle aggressive Akt reiht sich ein in die völkerrechtswidrigen Operationen des türkischen Staats und seiner verbündeten islamistischen Milizen in den letzten Jahren, die alle mit „Bedrohungen durch terroristische Organisationen" begründet wurden. Gemeint waren und sind jedoch die Initiativen zum Aufbau eines revolutionär demokratisches Gesellschaftsprojekts, im Norden Syriens ebenso wie in anderen Gebieten: Dscharabulus (2016/17), Efrîn (2018), Girê Spî und Serkaniyê (2019) und jetzt 2020 der Angriff auf Shengal und Mexmûr.

Alle diese Angriffe haben die Besatzung Nordsyriens und des Nordiraks zum Ziel und damit die Ausweitung des türkischen Staatsgebiets auf das Gebiet des ehemaligen osmanischen Reiches. Die Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung, die die Kurd*innen zusammen mit den verschiedenen dort ansässigen gesellschaftlichen und religiösen Gruppen aufgebaut haben, sollen zerstört und die Menschen vertrieben werden, um auch hier einen autoritären islamistisch-nationalistischen Staat zu installieren. Das Pendant dazu ist die Abschaffung demokratischer Strukturen auf eigenem Staatsgebiet, wo inzwischen mehr als 80% aller Kommunen mit gewählten Bürgermeister*innen der HDP unter Erdogan-treue Zwangsverwaltungen gestellt wurden.

Als Verein Städtefreundschaft Oldenburg-Efrîn verfolgen wir seit unserer Gründung 2018 diese Strategie des türkischen Staates und insbesondere die Entwicklungen im seit mehr als 2 Jahren besetzten Efrîn. Sie sind eine Blaupause für alles das, was die Menschen in den anderen von der Türkei beanspruchten Regionen Nordsyriens und des Nordiraks erwarten würde:

Vertreibung, Enteignung, Entführung, Erpressung, Mord, Folter, Vergewaltigung - ein Regime von Terror und Menschenverachtung, das begleitet wird von der Zerstörung wirtschaftlicher und natürlicher Lebensgrundlagen, der Zerstörung von Kulturstätten und Friedhöfen, der Islamisierung öffentlicher Einrichtungen und der Einführung der türkischen Währung und Sprache in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Viele dieser Verbrechen überlassen die türkischen Besatzer den mit ihnen verbündeten islamistischen Milizen. Gerade aktuell sorgte ein Video aus Efrîn für Entsetzen: eine der islamistischen Besatzungsmilizen unterhält ein geheimes Frauengefängnisses, aus dem Bilder von Frauen an die Öffentlichkeit gelangten, die misshandelt und nackt gefangen gehalten werden.

Die Menschen in den besetzten Gebieten, verschiedene syrische Oppositionsgruppen und die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien fordern seit langem die Untersuchung und Dokumentation der Menschenrechtsverletzungen, die Unterstützung der Geflüchteten-Camps durch umfassende humanitäre Hilfe, den Abzug der türkischen Invasoren und den Beginn eines Friedensprozesses unter internationaler Kontrolle bis zu einer politischen Lösung.

Eine politische Lösung, die der Region und dem Land eine friedliche Zukunft bringt, kann nur mit einer Beteiligung der demokratischen Selbstverwaltung gefunden werden.

Wir fordern

  • den Abzug aller Besatzer, der türkischen Armee und ihrer islamistischen Bündnispartner, aus den besetzten Gebieten Nord- und Ostsyriens sowie aus dem Nordirak
  • die Rückkehr der vertriebenen und geflohenen Menschen sowie ihrer demokratischen Selbstverwaltung
  • ein demokratisches und föderales Systems in Syrien

Für die Entwicklung einer Friedenslösung in diesem Sinne muss die demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien endlich diplomatisch anerkannt werden!

Unterstützt mit uns diese Forderungen und kommt zur Demonstration am

Samstag, den 11.Juli 2020, um 15.00 Uhr in Oldenburg

Treffpunkt und Auftaktkundgebung: Hauptbahnhof Oldenburg