- Oldenburger Rundschau - https://www.oldenburger-rundschau.de -

Anmerkungen zu den »Menschenwürde«-Demos

Die »tan­ti­fa«, eine Grup­pe auto­no­mer Feminist*innen aus Olden­burg hat einen Fly­er als kri­ti­sche Anmer­kung zu den sog. »Men­schen­wür­de-Demos« ver­fasst. Die­sen Text doku­men­tie­ren wir im fol­gen­den:

»Anmer­kun­gen zu den „Men­schen­wür­de – Demos“ in Olden­burg und anders­wo

Die Welt befin­det sich gera­de in einer extre­men Lage, die mit viel Ver­un­si­che­rung ein­her­geht. Nie­mand kann die Situa­ti­on und die Ent­wick­lung 100% sicher oder »rich­tig« ein­schät­zen.

Alle – ob Politiker*innen, Wissenschaftler*innen, Pri­vat­men­schen – wer­den Ent­schei­dun­gen tref­fen, deren Ange­mes­sen­heit sich erst im Nach­hin­ein beur­tei­len lässt. Des­we­gen brau­chen wir gera­de um so mehr Aus­tausch, Abwä­gen, Feh­ler­freu­dig­keit, immer-wie­der-in-Fra­ge-Stel­len, respekt­vol­les mit­ein­an­der Aus­dis­ku­tie­ren…

Trotz­dem gibt es man­che Art von Fra­gen und Pro­test, die wir gefähr­lich fin­den oder ableh­nen.

1) Wir kön­nen fol­gen­de Sorgen/Befürchtungen tei­len bzw. ver­ste­hen: (In der Rei­hen­fol­ge liegt kei­ne Wer­tig­keit.)

Der All­tag ist ganz anders und anstren­gen­der und vie­les ändert sich dau­ernd.

Sozia­le Bezie­hun­gen feh­len, die Iso­lie­rung ist eine emo­tio­na­le Belas­tung.

… dass in einer bestimm­ten Situa­ti­on demo­kra­ti­sche Grund­rech­te so schnell und mas­siv ein­ge­schränkt wer­den kön­nen.

die Angst um die eige­ne wirt­schaft­li­che Exis­tenz.

… dass die sozia­le und öko­no­mi­sche Unge­rech­tig­keit in der Gesell­schaft noch schlim­mer wird.

die Fra­gen bezüg­lich der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der ver­schie­de­nen lock-down-Maß­nah­men.

wie z.B. die schier unlös­ba­re Fra­ge: »Besu­che ich mei­ne Oma, der es schlecht geht und ris­kie­re, dass ich sie anste­cke, oder schüt­ze ich sie und las­se sie in ihrem Ein­sam­keits­ge­fühl?«. Ähn­lich geht es auch Ange­hö­ri­gen ande­rer unter­stüt­zungs­be­dürf­ti­ger, kran­ker oder ster­ben­der Men­schen.

die Ver­schär­fung von bestehen­den gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men (wie Sexis­mus, unglei­cher Ver­tei­lung von Care-Arbeit, Gewalt gegen Kin­der, Frau­en, Trans- und Inter­per­so­nen…) durch die Lock-Down-Maß­nah­men.

… dass im Rah­men der Locke­run­gen „Wirt­schaft ankur­beln“ wich­ti­ger genom­men wird als z.B. die Bedürf­nis­se von Kin­dern.

die Unsi­cher­heit, wel­che Infor­ma­tio­nen stim­men und wem ver­traut wer­den kann, weil so viel Unter­schied­li­ches gesagt wird

… dass das Gesund­heits­sys­tem pro­fit­ori­en­tiert ist, anstatt sich an den Bedürf­nis­sen der Gesell­schaft und der Men­schen zu ori­en­tie­ren

die Zunah­me von digi­ta­ler Über­wa­chung und Daten­miss­brauch

2) Was wir gefähr­lich fin­den bzw. ableh­nen:

3) Was wir den­ken, was not­wen­dig ist

Eine Bewe­gung, die sich klar von rech­ten Posi­tio­nen distan­ziert und kei­ne Gleich­ma­che­rei von links und rechts betreibt.

Eine Bewe­gung, die nicht in der Benen­nung der eige­nen Ängs­te und Unzu­frie­den­hei­ten ver­bleibt, son­dern kämpft für eine grund­le­gen­de, gerech­te und zukunfts­wei­sen­de Ver­än­de­rung der Gesell­schaft.

Für eine Soli­da­ri­tät, die nie­man­den ver­gisst.

Für eine Soli­da­ri­tät die Men­schen­rech­te und ein gutes Leben für wirk­lich Alle for­dert!

Für einen radi­ka­len sozia­len und öko­lo­gi­schen Umbau der Gesell­schaft! Jetzt! Welt­weit!

tan­ti­fa – auto­no­me Feminist*innen aus dem Alham­bra«