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Kommentar zur „Menschenwürde Demo“ in Oldenburg am 16. Mai

„Bei die­sen soge­nann­ten „Men­schen­wür­de Demos“ scheint es offen­bar pri­mär um die Selbst­dar­stel­lung der Orga­ni­sa­to­rin und ihrer Schwes­ter zu gehen. Bei­de schöp­fen aus dem tiefs­ten Inne­ren ihrer Ängs­te und brei­ten die­se in päd­ago­gi­scher Kin­der­gar­ten­ma­nier vor ihrem Publi­kum aus. Dies mün­de­te am 16. Mai in Olden­burg nicht zuletzt in einem gemein­sa­men Heil­tanz, der befrei­end wir­ken soll­te. Soweit, so unbe­deu­tend. Aller­dings mischen sie die­se Selbst­dar­stel­lung und ihr Glück, ihre Gedan­ken end­lich vor einer Men­schen­men­ge mit ähn­li­chen Ansich­ten aus­brei­ten zu dür­fen, mit einer gehö­ri­gen Por­ti­on Fak­ten-Beu­gung.

Es ist bezeich­nend, wenn in einem Rede­bei­trag zuerst betont wird, dass man kei­nen Ver­schwö­rungs­theo­ri­en anhängt und dann im nächs­ten Atem­zug davon spricht, wie auf­fäl­lig es sei, dass Bill Gates mit der WHO und den Impf­stof­fen in Ver­bin­dung steht. Ver­nünf­ti­ge Erklä­rungs­mus­ter wer­den gar nicht erst gesucht. Dabei wäre es so ein­fach. Es ist ein alter Hut, dass Bill Gates zu einem Teil die WHO finan­ziert. Bereits vor mehr als zehn Jah­ren haben ver­schie­de­ne NGO‘s dar­auf hin­ge­wie­sen und kri­ti­siert, dass sich die Staa­ten­ge­mein­schaft aus der Finan­zie­rung der WHO zurück­ge­zo­gen hat und pri­va­te Stif­tun­gen die­se Lücke füll­ten. Mal ehr­lich: wenn eines aus unter­neh­me­ri­scher Per­spek­ti­ve schlau ist, dann, in die Pro­duk­ti­on von Impf­stof­fen ein­zu­stei­gen, wenn die WHO Impf­pro­gram­me för­dert. Aber dies hat eben nichts mit einer Ver­schwö­rung zu tun, son­dern ist schlicht ein kapi­ta­lis­ti­sches Phä­no­men.

Dann ist da noch das The­ma der Angst vor Imp­fun­gen und den vie­len bösen Stof­fen, die dort ent­hal­ten sein sol­len. Natür­lich stimmt es, dass Imp­fun­gen unter ande­rem per se gif­ti­ge Stof­fe ent­hal­ten. Aber auch das ist kein Geheim­nis. Außer­dem spre­chen wir dabei von sehr gerin­gen Men­gen, wie z.B. Form­alde­hyd zum Abtö­ten des Erre­gers, Phe­nol um den Impf­stoff halt­bar zu machen, oder Alu­mi­ni­um­hy­dro­xid, um die Immun­ant­wort zu ver­stär­ken. A pro­pos Alu­mi­ni­um: Ich hof­fe instän­dig, dass die Demo-Teilnehmer*innen ihren Kaf­fee nicht in Alu­mi­ni­um-Kan­nen kochen – denn dadurch kommt der Stoff ins Getränk.

Wer sich in Deutsch­land hin­stellt und sich äußerst selbst­ge­fäl­lig gegen Imp­fun­gen aus­spricht ist unso­zi­al und ver­dient es nicht, auf einer Demo für die wie auch immer defi­nier­te Men­schen­wür­de ein­zu­tre­ten. Nur eine Zahl als Bei­spiel: Welt­weit ster­ben jähr­lich unge­fähr eine Mil­li­on Kin­der an Masern, ins­be­son­de­re auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent, da dort nicht genug Impf­stof­fe vor­han­den sind. Viel­leicht auch des­halb, weil die Staa­ten­ge­mein­schaft nicht genü­gend (finan­zi­el­le) Mit­tel bei­steu­ert, um dort aus­rei­chend vie­le Men­schen zu imp­fen.“

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