#LeaveNoOneBehind Kundgebung in Oldenburg

Im Rah­men der Kam­pa­gne #Lea­veNoOne­Be­hind haben die Grup­pen See­brü­cke Olden­burg und Kli­ma­kol­lek­tiv Olden­burg am Sonn­tag eine Kund­ge­bung abge­hal­ten. Wir doku­men­tie­ren hier die Pres­se­mit­tei­lung des Bünd­nis.

Kund­ge­bung auf dem Schloss­platz +++ Olden­bur­ger Bünd­nis for­dert die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung der grie­chi­schen Geflüch­te­ten­la­ger +++ Behin­de­run­gen der Ver­samm­lung durch Behör­den und Poli­zei

Olden­burg, 20.04.2020: Das Olden­bur­ger Bünd­nis »#Lea­veNoOne­Be­hind«, bestehend aus See­brü­cke und dem Kli­ma­Kol­lek­tiv Olden­burg, hat am Sonn­tag eine Kund­ge­bung gegen die euro­päi­sche Grenz­po­li­tik ver­an­stal­tet. Um 13:00 Uhr ver­sam­mel­ten sich unter Wah­rung aller erfor­der­li­chen Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men 26 Men­schen auf dem Schloss­platz. Sie for­der­ten die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung der Men­schen aus den über­füll­ten grie­chi­schen Geflüch­te­ten­la­gern. Weil dort unzu­mut­ba­re Hygie­ne- und Gesund­heits­be­din­gun­gen herr­schen, haben die dort Leben­den kaum Mög­lich­kei­ten, sich vor COVID-19 zu schüt­zen. Des­halb sei es die Pflicht euro­päi­scher Staa­ten, die Men­schen unver­züg­lich auf­zu­neh­men und zu ver­sor­gen.

Im Rah­men eines bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­ges der Initia­ti­ve See­brü­cke mit einer Online-Demo unter dem Mot­to #United­WeStream und #Lea­veNoOne­Be­hind kamen Men­schen des Olden­bur­ger Bünd­nis­ses auf dem Schloss­platz zusam­men, um im öffent­li­chen Raum ihr Recht auf Demons­tra­ti­ons­frei­heit wahr­zu­neh­men. Sie mach­ten dar­auf auf­merk­sam, dass die Men­schen an den EU-Außen­gren­zen kei­nen Tag län­ger den unzu­mut­ba­ren Bedin­gun­gen in den voll­kom­men über­füll­ten Lagern aus­ge­setzt wer­den dür­fen. »Natür­lich ist Coro­na momen­tan eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für Euro­pa. Aber es darf nicht pas­sie­ren, dass eini­ge Men­schen­le­ben weni­ger vor der Pan­de­mie geschützt wer­den, als ande­re. Die Regie­run­gen trei­ben wie­der ein­mal ras­sis­ti­sche Poli­tik auf Kos­ten von Men­schen­le­ben! », so Lina Ott­ner vom Kli­ma­kol­lek­tiv. »Auch unab­hän­gig von Coro­na gehö­ren Geflüch­te­ten­la­ger kri­ti­siert. Die Lebens­um­stän­de in den über­füll­ten Lagern in Grie­chen­land, der Tür­kei, Liby­en und auch Deutsch­land waren schon vor­her unzu­mut­bar. Die Situa­ti­on ver­schärft sich aktu­ell vor dem Hin­ter­grund der Pan­de­mie, aber auch sonst gäbe es genug Anlass zum Pro­test gegen ras­sis­ti­sche Asyl­po­li­tik und Lager­un­ter­brin­gung.«, so Ott­ner wei­ter.

»Dass das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um in der letz­ten Woche stolz die Auf­nah­me von 50 min­der­jäh­ri­gen Men­schen aus den unmensch­li­chen Lagern ver­kün­det hat, ist ein abso­lu­tes Armuts­zeug­nis und nichts als zyni­sche Sym­bol­po­li­tik. Die Maß­nah­me wird nicht dazu bei­tra­gen, die bei einem flä­chen­de­cken­den Aus­bruch von COVID-19 bevor­ste­hen­de Kata­stro­phe zu ver­hin­dern!«, so eine Akti­vis­tin der See­brü­cke Olden­burg.

Die Anmel­dung der Kund­ge­bung war mit vie­len Schwie­rig­kei­ten sei­tens der Behör­den ver­bun­den. Nach einem ers­ten Ver­bot einer Kund­ge­bung mit 50 Teil­neh­men­den mit star­ken Vor­keh­run­gen zum Infek­ti­ons­schutz wur­de mit­hil­fe eines Anwalts eine Ummel­dung mit wei­te­ren selbst­auf­er­leg­ten Auf­la­gen ein­ge­reicht, die münd­lich zuge­sagt wur­de. Dann kam jedoch aus dem nie­der­säch­si­schen Innen­mi­nis­te­ri­um die Anwei­sung, weder einen nega­ti­ven noch einen posi­ti­ven Bescheid aus­zu­stel­len und die Anzei­ge der Ver­samm­lung ledig­lich zur Kennt­nis zu neh­men. Den Veranstalter*innen wur­de damit die Mög­lich­keit der Kla­ge und jede Aus­sicht auf Recht­si­cher­heit für die Akti­on genom­men. Im Ver­lauf der Kund­ge­bung rie­gel­te die Poli­zei den Schloss­platz ab und ließ nur Men­schen hin­auf, die Teil der Ver­samm­lung wer­den woll­ten.

»Trotz der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver wur­de ver­sucht, unse­ren legi­ti­men und drin­gend nöti­gen Pro­test zu ver­hin­dern. Doch wir kön­nen ange­sichts der kata­stro­pha­len Lage an den EU-Außen­gren­zen und in Geflüch­te­ten­la­gern welt­weit und des andau­ern­den Ster­bens im Mit­tel­meer nicht taten­los zuse­hen. Das war erst der Anfang«, so Spre­che­rin Lina Ott­ner.

In ande­ren Städ­ten fan­den in den letz­ten Tagen eben­falls Pro­tes­te statt. So fand in Bre­men am Sams­tag eine Demo mit 200 Men­schen für die Schlie­ßung des Geflüch­te­ten­la­gers in der Lin­den­stra­ße statt, dort stei­gen die Coro­na-Fäl­le rasant an und die Bewohner*innen haben kaum Mög­lich­kei­ten, sich zu schüt­zen. In Ham­burg fan­den Mahn­wa­chen mit 60 Men­schen statt.