Solidarität in Zeiten von Corona – grenzenlos und für alle

Foto: Seebrücke Oldenburg

Die zivil­ge­sell­schaft­li­chen Initia­ti­ven »SEEBRÜCKE Olden­burg«, »Soli­da­ri­tät mit woh­nungs­lo­sen Men­schen« und Aktivist*innen der Grup­pe »Ostern­burg soli­da­risch gegen Coro­na« for­dern die Auf­lö­sung von Gemein­schafts­un­ter­künf­ten zum Schutz der dort leben­den Men­schen vor dem Coro­na-Virus. Sie schla­gen vor, statt­des­sen leer­ste­hen­den Woh­nun­gen und Hotels und Pen­sio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, die aktu­ell in ihrer Exis­tenz bedroht sind. Unter­stützt wer­den sie dabei von dem Olden­bur­ger Sören Moje, lei­ten­der Maschi­nist der See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Watch.

Alle Men­schen haben das Recht auf den best­mög­li­chen Schutz ihrer Gesund­heit – auch woh­nungs­lo­se und geflüch­te­te Men­schen. Die SEEBRÜCKE Olden­burg und die neu­ge­grün­de­ten Initia­ti­ve »Soli­da­ri­tät mit woh­nungs­lo­sen Men­schen« und Aktivist*innen der offe­nen Grup­pe »Ostern­burg soli­da­risch gegen Coro­na« for­dern des­halb: Gemein­schafts­un­ter­künf­te müs­sen auf­ge­löst, woh­nungs­lo­sen und geflüch­te­ten Men­schen statt­des­sen leer­ste­hen­de Woh­nun­gen, Hotel­zim­mer und Pen­sio­nen ange­bo­ten wer­den. Der Zugang zum Gesund­heits­we­sen muss dar­über hin­aus für alle Men­schen unkom­pli­ziert und nied­rig­schwel­lig garan­tiert sein, unab­hän­gig von Auf­ent­halts­sta­tus und Wohn­si­tua­ti­on. Die Initia­ti­ven schlie­ßen sich damit der kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me des nie­der­säch­si­schen Flücht­lings­ra­tes an und for­dern Land und Kom­mu­nen auf, umfas­sen­de Schutz­maß­nah­men zu ergrei­fen. Dazu gehört, dass die Bele­gungs­dich­te in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen des Lan­des und in kom­mu­na­len Gemein­schafts- und Obdach­lo­sen­un­ter­künf­ten mas­siv redu­ziert wer­den müs­sen. Pro Zim­mer dür­fe nur eine Per­son, Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge höchs­tens zu zweit in einem Zim­mer unter­ge­bracht wer­den.

Abstand von­ein­an­der hal­ten, sozia­le Distanz, zuhau­se blei­ben, Hän­de waschen – das sind die wich­tigs­ten Maß­nah­men zum Schutz vor der Anste­ckung mit dem Coro­na-Virus und zur Ver­lang­sa­mung der Aus­brei­tung der Pan­de­mie. Eine Akti­vis­tin der SEEBRÜCKE Olden­burg sagt dazu: »Abstand hal­ten ist unmög­lich, wenn man mit über 200 Men­schen zusam­men­lebt – etwa in einer Gemein­schafts­un­ter­kunft wie der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung Blan­ken­burg.« Eine Akti­vis­tin von »Soli­da­ri­tät mit woh­nungs­lo­sen Men­schen« ergänzt: »Der Rat­schlag, zuhau­se zu blei­ben, ist unsin­nig für Men­schen, die kei­nen fes­ten Wohn­sitz haben. Die Hil­fe­sys­te­me für Woh­nungs­lo­se sind auf­grund von sozia­ler Distanz extrem redu­ziert und die Men­schen wer­den in die­sen unsi­che­ren Zei­ten allei­ne gelas­sen. Daher braucht es jetzt ent­schlos­se­nes Han­deln zum Schutz aller woh­nungs­lo­sen und geflüch­te­ten Men­schen, mit unein­ge­schränk­tem und bar­rie­re­frei­em Zugang zum Ver­sor­gungs­sys­tem.« Vie­le Pen­sio­nen und Hotels haben aktu­ell mas­si­ve wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten und wer­den auf staat­li­che Unter­stüt­zung ange­wie­sen sein. Die Initia­ti­ven for­dern Land und Kom­mu­nen auf, in die­sen Unter­künf­ten Zim­mer zu mie­ten und für woh­nungs­lo­se und geflüch­te­te Men­schen zu öff­nen – wie bei­spiels­wei­se in Frank­furt bereits gesche­hen. Ein Akti­vist der bei Face­book orga­ni­sier­ten Grup­pe »Ostern­burg soli­da­risch gegen Coro­na« schreibt außer­dem: »Um Men­schen aus der Coro­na-Risi­ko­grup­pe zu schüt­zen, macht es auch Sinn, dass bedürf­ti­ge Men­schen leer­ste­hen­de Häu­ser nut­zen dür­fen. Die Coro­na-Pan­de­mie zeigt, wie wich­tig Wohn­raum auch als Schutz­raum ist.«

In einer Akti­on am euro­pa­wei­ten „Housing Action Day“ am 28. März haben Aktivist*innen der Initia­ti­ven in ganz Olden­burg auf Leer­stand auf­merk­sam gemacht, selbst­ver­ständ­lich unter Ach­tung des Kon­takt­ver­bots nur allein oder zu zweit. Mit dem Mot­to »Hier ist Platz« knüp­fen sie an die Kam­pa­gne #Wir­Ha­ben­Platz der SEEBRÜCKE an. Die­se for­der­te Anfang Febru­ar bun­des­weit die Eva­ku­ie­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen aus den grie­chi­schen Geflüch­te­ten­la­gern. Bei der For­de­rung nach Auf­lö­sung der Gemein­schafts­un­ter­künf­te und dezen­tra­ler Unter­brin­gung geflüch­te­ter und woh­nungs­lo­ser Men­schen bekom­men die Initia­ti­ven Unter­stüt­zung von Sören Moje, lei­ten­der Maschi­nist der See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Watch: »Von Olden­burg bis Grie­chen­land sind Men­schen in Mas­sen­un­ter­künf­ten der Pan­de­mie nahe­zu schutz­los aus­ge­lie­fert. Beson­ders kata­stro­phal ist die Situa­ti­on in den Geflüch­te­ten­la­gern auf den grie­chi­schen Inseln. Schlimm war es dort schon vor­her, aber was jetzt pas­siert, setzt dem Gan­zen noch ein­mal einen drauf. Ich kann nicht fas­sen, dass wir hil­fe­su­chen­de Men­schen so im Stich las­sen. Jetzt kann Euro­pa, kön­nen unse­re Staa­ten, doch end­lich mal ihr Gesicht bewah­ren und zumin­dest in Zei­ten die­ser schwie­ri­gen Kri­se han­deln.«


Hintergrund „Solidarität mit wohnungslosen Menschen“:

Auch in Olden­burg sind Men­schen ohne fes­ten Wohn­sitz und woh­nungs­lo­se Men­schen von Coro­na außer­or­dent­lich betrof­fen. Das Hil­fe­sys­tem für die­se Men­schen ist auf ein Mini­mum redu­ziert, Ehren­äm­ter und Trä­ger kön­nen oder dür­fen zur­zeit kaum unter­stüt­zen. Das Leben auf der Stra­ße ist här­ter gewor­den, da auf­grund der Auf­for­de­rung zur sozia­len Distan­zie­rung kaum Men­schen unter­wegs sind oder gro­ßen Abstand zu woh­nungs­lo­sen Men­schen hal­ten. Als dies bekannt wur­de grün­de­te sich die­se Initia­ti­ve, die in den Zei­ten von Coro­na nach alter­na­ti­ven Ide­en zur Unter­süt­zung sucht und Öffent­lich­keit für das The­ma schaf­fen möch­te.

Hintergrund „Osternburg solidarisch gegen Corona“:

„Ostern­burg soli­da­risch gegen Coro­na“ ist eine selbst­or­ga­ni­sier­te Face­book-Grup­pe, wel­che Men­schen in Ostern­burg die Mög­lich­keit geben soll, sich gegen­sei­tig mit­zu­tei­len was sie brau­chen. Ob Ein­kaufs­hil­fe, Gesprächs­be­darf, ein Gang zur Apo­the­ke – alles lässt sich soli­da­risch orga­ni­sie­ren. Nie­mand soll in die­ser Zeit allein gelas­sen wer­den.

Hintergrund SEEBRÜCKE Oldenburg:

Die SEEBRÜCKE ist eine inter­na­tio­na­le Bewe­gung, getra­gen von ver­schie­de­nen Bünd­nis­sen und Akteur*innen der Zivil­ge­sell­schaft, die sich mit allen Men­schen auf der Flucht und in Not soli­da­ri­siert. Sie lehnt das repres­si­ve Sys­tem der der­zei­ti­gen bun­des­deut­schen und euro­päi­schen Poli­tik ab, das sich unter ande­rem in der Kri­mi­na­li­sie­rung zivi­ler See­not­ret­tung, der Zusam­men­ar­beit mit der soge­nann­ten liby­schen „Küs­ten­wa­che“, ras­sis­ti­schen Poli­zei­kon­trol­len und Abschie­bun­gen in Kriegs­ge­bie­te äußert. Sie wol­len statt­des­sen ein soli­da­ri­sches, sozia­les und den Men­schen­rech­ten ver­pflich­te­tes Euro­pa.

Ein offe­nes Ple­num fin­det nor­ma­ler­wei­se jeden Diens­tag um 19:00 Uhr im Kreativ:LABOR statt, aktu­ell wird auf Tele­fon­kon­fe­ren­zen aus­ge­wi­chen. Inter­es­sier­te sind herz­lich ein­ge­la­den.

Weiterführende Links:

Face­book-Grup­pe „Ostern­burg soli­da­risch gegen Coro­na“:

https://www.facebook.com/groups/549763575896039/

Stel­lung­nah­me Flücht­lings­rat Nie­der­sa­chen:

Frank­furt mie­tet Hotel für woh­nungs­lo­se und geflüch­te­te Men­schen an:

https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-oeffnet-hotel-wohnungslose-13631372.html

Housing Action Day: