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Redebeitrag zur Kunstaktion der Seebrücke

Die Situa­ti­on von Geflüch­te­ten an der grie­chisch-tür­ki­schen Gren­ze war The­ma der Kunst­ak­ti­on der See­brü­cke am ver­gan­ge­nen Sams­tag (07.03.). Die Olden­bur­ger Rund­schau ver­öf­fent­licht nun den Rede­bei­trag von »Gemein­sam Kämp­fen«, der wäh­rend der Akti­on gehal­ten wur­de.

»Wir hören hier viel die For­de­rung nach offe­nen Gren­zen, das ist rich­tig, auch wir for­dern, alle Gren­zen zu öff­nen. Was für Euro­pä­er gilt, soll­te für alle gel­ten, alles ande­re ist Ras­sis­mus.

Gleich­zei­tig fin­den wir es beson­ders wich­tig, dass die Men­schen u.a. in Nord­ost­sy­ri­en ihr Land nicht ver­las­sen müs­sen. Dort fin­det ein Geno­zid statt. Allein 200.000 der dort behei­ma­te­ten 300.000 Chris­tin­nen haben Nord­sy­ri­en auf­grund der Angriffs­krie­ge durch den soge­nann­ten Isla­mi­schen Staat (IS) und Erdo­gan ver­las­sen müs­sen. Die Tür­kei will eine lang­fris­ti­ge demo­gra­fi­schen Ver­än­de­rung Nord­sy­ri­ens – weg von einer mul­ti­eth­ni­schen und mul­ti­re­li­giö­sen Regi­on, hin zu einer sun­ni­tisch-mus­li­misch domi­nier­ten Regi­on unter Kon­trol­le der Tür­kei und mit ihr ver­bün­de­ter Isla­mis­ten. Getarnt ist die­ser völ­ker­rechts­wid­ri­ge Angriff als „Schaf­fung einer Sicher­heits­zo­ne“. Die­se Besat­zung wur­de durch die Bun­des­re­gie­rung unter­stützt. So hat Erdo­gan mit Hil­fe von Jiha­dis­ten nicht nur Idlib besetzt, auch in Al Bab, 2018 Afrin und zuletzt im Okto­ber 2019 Gire Spi und Sere­ka­ni­ye, wo jeweils 300.000 Men­schen ver­trie­ben wur­den. Immer wie­der bom­bar­diert Erdo­gan die Gebie­te der Ezi­dIn­nen im Nord­irak.

Die Euro­päi­sche Uni­on und die Bun­des­re­pu­blik tra­gen zu einem wich­ti­gen Teil die Ver­ant­wor­tung für die Geflüch­te­ten und deren Situa­ti­on an den Gren­zen! Sie haben die Waf­fen u.a. an Erdo­gan und Sau­di Ara­bi­en ver­kauft, die dort gegen die Zivil­be­völ­ke­rung ein­ge­setzt wer­den.

Die Bun­des­re­pu­blik hat Isla­mis­ti­sche Ter­ro­ris­ten in Syri­en, die getarnt als mode­ra­te Oppo­si­ti­on auf­tre­ten, unter­stützt. Sie unter­stützt die Syri­sche Natio­na­le Koali­ti­on (ETILAF). ETILAF ist ein von Mus­lim­brü­dern domi­nier­tes Bünd­nis mit Sitz in Istan­bul.

Die Bun­des­re­gie­rung hat jah­re­lang auch poli­tisch Erdo­gan die Steig­bü­gel gehal­ten. Erst vor weni­gen Tagen sag­te Schäub­le, wir wis­sen, dass die tür­ki­sche Regie­rung mit dem IS und Al Qai­da zusam­men­ar­bei­tet, aber Erdo­gan ist unser stra­te­gi­scher Part­ner. – Das muss auf­hö­ren.

Wir sind sicher: Es kann auch eine Tür­kei ohne Erdo­gan, ohne Geno­zi­de, Dau­er­krie­ge und die Unter­stüt­zung des IS geben. Wir müs­sen den Druck in die­se Rich­tung erhö­hen. Erdo­gan ist eine per­so­ni­fi­zier­te Flucht­ur­sa­che. Er hat in den letz­ten Tagen Men­schen bedroht, sie in den Iran abzu­schie­ben, wenn sie sich nicht in die Bus­se nach Grie­chen­land set­zen woll­ten. Er hat Gefan­ge­ne Jiha­dis­ten frei­ge­las­sen und sie gezwun­gen, an die Gren­ze zu fah­ren. All das sind Fol­gen des soge­nann­ten EU-Flücht­lings­de­als. Die­ser Flücht­lings­de­al muss sofort auf­ge­kün­digt wer­den. Denn Erdo­gan benutzt die­sen Deal, um sei­nen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krieg gegen Nord­sy­ri­en fort­zu­füh­ren. Durch die­sen Deal ist Euro­pa erpress­bar.

Natür­lich müs­sen wir for­dern, dass alle Geflüch­te­ten, die nach Euro­pa wol­len, auf­ge­nom­men wer­den. Genau­so wich­tig ist die direk­te Hil­fe in Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­ten sowie die Ver­hin­de­rung und Ver­min­de­rung von Flucht­ur­sa­chen. Den hun­dert­tau­sen­den Men­schen in den Lagern in Nord­ost­sy­ri­en muss gehol­fen wer­den.

Nord­ost­sy­ri­en muss aner­kannt wer­den! Den Ver­bre­chen der Tür­kei an den Men­schen die­ser Regi­on muss Ein­halt gebo­ten wer­den. Nach dem Völ­ker­recht sind die­se Straf­ta­ten als Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit zu wer­ten. Die tür­ki­sche Besat­zung muss unver­züg­lich been­det wer­den.

Die Frei­heit von Roja­va Nord­ost­sy­ri­en ist für uns alle eine Hoff­nung. Dort wird eine frau­en­be­frei­te, öko­lo­gi­sche und basis­de­mo­kra­ti­sche Alter­na­ti­ve zu Kapi­ta­lis­mus und Patri­ar­chat auf­ge­baut.«

Gemein­sam Kämp­fen ist eine femi­nis­ti­sche Kam­pa­gne, die das Ziel hat, das Wis­sen über die Frau­en­re­vo­lu­ti­on in Roja­va, der Demo­kra­ti­schen Föde­ra­ti­on Nord­sy­ri­en, zu ver­brei­ten und ver­schie­de­ne Frau­en­in­itia­ti­ven welt­weit zu ver­net­zen, um von­ein­an­der ler­nen zu kön­nen.