Demo in Oldenburg: »Gegen jeden Rassismus. Für eine freie, …«

Demonstration und Gedenken für die Opfer des rassistischen und rechtsextremen Terrors in Hanau, am 20.02.2020 in Hamburg. Bild: Rasande Tyskar / CC BY-NC-ND 2.0

»…mensch­li­che und soli­da­ri­sche Gesell­schaft der Vie­len«. Unter die­sem Mot­to ruft der Ver­ein Städ­te­freund­schaft Olden­burg – Êfrin zu einer Demons­tra­ti­on auf. Die­se soll am Don­ners­tag, 27.Februar, um 17.00 Uhr am Olden­bur­ger Haupt­bahn­hof begin­nen.

»Die Trau­er um die ras­sis­ti­sche Ermor­dung von 9 Men­schen in Hanau, weil sie einen kur­di­schen, tür­ki­schen, afgha­ni­schen und Sin­ti-Roma-Hin­ter­grund hat­ten, hat uns erst ein­mal sprach­los gemacht. Wir ste­hen in die­ser Trau­er an der Sei­te der Opfer und ihrer Fami­li­en und Freund*innen. Wir trau­ern mit ihnen und wir wei­nen mit ihnen. Wis­send, dass wir ihre Trau­er nicht wirk­lich nach­emp­fin­den kön­nen.

Das, was in Hanau pas­siert ist, macht uns aber auch wütend! Denn die Gewalt, die wir am Mitt­woch­abend erle­ben muss­ten, ist nichts Neu­es, auch nicht, dass meist migran­ti­sche Men­schen, Fami­li­en, Com­mu­nities getrof­fen und nicht geschützt wer­den. Das ken­nen wir von den NSU-Mor­den, die bis heu­te nicht voll­stän­dig auf­ge­klärt wur­den und als Mor­de von Einzeltäter*innen defi­niert wer­den, statt das rechts-radia­le Netz­werk, das die­se ras­sis­ti­schen Mor­de trägt, zu benen­nen und anzu­grei­fen. Das ken­nen wir aber auch von den meis­ten ande­ren ras­sis­ti­schen Mor­den der letz­ten Jah­re und Jahr­zehn­te.

Wir ken­nen auch, dass es einen gesell­schaft­li­chen Auf­schrei gibt, dass den Opfern das Mit­leid aus­ge­spro­chen wird und dass ver­spro­chen wird, dass sich etwas ändert. Aber es ändert sich wenig, meist nichts. Letzt­lich wer­den sogar neue Geset­ze ver­ab­schie­det, die sich gegen die Opfer rich­ten.

„Die Toten im Mit­tel­meer und an den euro­päi­schen Außen­gren­zen sind die Brü­der und Schwes­tern der Ermor­de­ten“, so hat es eine Betrof­fe­ne beschrie­ben.

Und die Täter*innen? Sie wer­den für psy­chisch krank erklärt, zu Einzeltäter*innen gemacht oder zu bei­dem, die geis­ti­gen Brand­stif­ter, zum Bei­spiel von der AfD und von ande­ren Par­tei­en, wer­den zu Inter­views und Talk­shows ein­ge­la­den, wo ihnen eine Büh­ne für ihre men­schen­ver­ach­ten­de Poli­tik gebo­ten wird, und die ver­häng­ten Stra­fen für die Täter*innen spie­geln meis­tens die Ver­harm­lo­sung der ras­sis­ti­schen Taten wie­der.

Wir müs­sen jetzt und end­lich erken­nen, dass zu lan­ge beschwich­tigt und ver­harm­lost wur­de, dass dem Ras­sis­mus in einer unso­li­da­ri­schen Gesell­schaft in die­sem Land viel zu viel Raum gelas­sen wur­de. Denn mit den ras­sis­ti­schen Taten sind wir alle gemeint, aber getrof­fen wer­den Migrant*innen. Mus­li­men, Juden, Roma/Sinti, Schwar­ze.

Es ist mehr denn je Zeit zum Han­deln!

Es gibt nur Men­schen – Men­schen, die unse­ren Schutz brau­chen, die unse­re Nachbar*innen und Freund*innen sind, die mit uns leben und lachen, die hier ger­ne mit uns leben wol­len, von denen wir ler­nen kön­nen, mit denen wir auch strei­ten kön­nen – die aber nie­mals Frem­de sind und sein dür­fen.

Wir müs­sen uns klar machen, dass wir nicht auf die bau­en kön­nen, die damals bei den NSU-Mor­den von Döner-Mor­den und heu­te von Shi­sha-Mor­den reden und von Frem­den­feind­lich­keit statt von Ras­sis­mus.

Wir alle sind dafür ver­ant­wort­lich, wie wir zusam­men­le­ben wol­len, wie wir eine Gesell­schaft auf­bau­en, in der Frei­heit, Mensch­lich­keit und Soli­da­ri­tät kei­ne Flos­keln in Sonn­tags­re­den sind, son­dern die Grund­la­ge unse­res Zusam­men­le­bens bestim­men – für alle Men­schen.

Um das zu schaf­fen, müs­sen wir uns auf unse­re eige­nen Kräf­te besin­nen und noch vie­le Fra­gen und Pro­ble­me lösen. Das ist ein lan­ger und auch kein ein­fa­cher Weg, aber nur so kön­nen wir dem zu-neh­men­den Ras­sis­mus in der Gesell­schaft und auch den ande­ren gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men begeg­nen und Lösun­gen fin­den, die für alle gut und rich­tig sind.

Es ist mehr als trau­rig, dass wie­der Men­schen ster­ben muss­ten, um das zu tun. Was muss denn noch pas­sie­ren, damit wir auf­wa­chen.

Weh­ret den Anfän­gen, stimmt dabei schon lan­ge nicht mehr, wir sind mit­ten drin.

Des­halb kommt alle zur Demo am 27.2.2020«

Auf­ruf des Ver­eins »Städ­te­freund­schaft Olden­burg – Êfrin e.V.«