Politische Zensur durch Bußgeldandrohung?

Polizei (Symbolbild)

Buß­geld­ver­fah­ren gegen den Anmel­der der „Schulter-an-Schulter-gegen-Faschismus-und-Nationalismus“-Demo am 25.5.2019 in Olden­burg eröff­net

Am Sams­tag, den 25.5.2019 ab 13 Uhr demons­trier­ten meh­re­re Hun­dert Men­schen gegen den zuneh­men­den gesell­schaft­li­chen Rechts­ruck. Mit der Demons­tra­ti­on »Schul­ter an Schul­ter gegen Faschis­mus und Natio­na­lis­mus – für eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft« wur­de einen Tag vor der Wahl zum Euro­pa­par­la­ment ein deut­li­ches Zei­chen gegen die rech­ten Ent­wick­lun­gen lokal und in Euro­pa gesetzt. Die Demons­tra­ti­on ver­lief aus Sicht der Veranstalter*innen geschlos­sen und pro­blem­los. Nach cir­ca 2 Stun­den und meh­re­ren Zwi­schen­kund­ge­bun­gen, auf denen Redner*innen der betei­lig­ten Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen ihre beson­de­re Sicht der aktu­el­len rech­ten Ent­wick­lun­gen dar­leg­ten, ende­te die Demons­tra­ti­on am Alham­bra.

Ende Juni bekam der Anmel­der der Demons­tra­ti­on einen Anhö­rungs­bo­gen für ein Buß­geld­ver­fah­ren wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz zuge­schickt. Vor­ge­wor­fen wird ihm dar­in, dass die Kund­ge­bun­gen wäh­rend der Demo die im Geneh­mi­gungs­be­scheid vor­ge­ge­be­nen Zei­ten von maxi­mal 5 Minu­ten über­schrit­ten hät­ten. Ange­droht wird ihm eine Buß­geld bis zu einer Höhe von 3.000 Euro.

Als Beweis wur­de auf­ge­führt, dass die Poli­zei die Dau­er jeder ein­zel­nen Kund­ge­bung mit­ge­stoppt hät­te. Das war bis­her in Olden­burg nicht Pra­xis und jede*r, der*die schon ein­mal eine poli­ti­sche Demons­tra­ti­on durch­ge­führt hat, weiß, dass 5 Minu­ten für Zwi­schen­kund­ge­bun­gen nicht wirk­lich rea­li­sier­bar sind und höchs­tens Richt­wer­te sein kön­nen.

Teilnehmer*innen sehen dar­in einen ein­deu­ti­gen Ver­such der Zen­sur hin­ter einer ver­meint­lich for­ma­len Fas­sa­de. Es sei offen­sicht­lich, dass es in Wirk­lich­keit dar­um gehe, die auf der Demons­tra­ti­on geäu­ßer­te Kri­tik an der reak­tio­nä­ren und men­schen­ver­ach­ten­den Poli­tik der deut­schen und tür­ki­schen Regie­rung sowohl gegen Geflüch­te­te als auch gegen die kur­di­sche Bewe­gung zu bestra­fen. Die Soli­da­ri­sie­rung der Demo-Teilnehmer*innen mit bei­den war ein wesent­li­ches Ele­ment der Demons­tra­ti­on am 25.5.

Beobachter*innen war­fen erneut die Fra­ge auf, ob es über­haupt sinn­voll sei sich den staat­li­chen Anmel­de­vor­schrif­ten zu unter­wer­fen, oder ob es not­wen­dig sei, wie­der ver­stärkt auf ande­re For­men zu set­zen und/oder zur alten Olden­bur­ger Pra­xis der Nicht-Anmel­dung zurück­zu­keh­ren.