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»Fluchtursachen bekämpfen heißt Klima schützen«

Am 15.03.2019 demons­trier­ten in Olden­burg rund 4000 jun­ge Men­schen im Rah­men der Fri­days for Future Pro­tes­te für eine radi­ka­le­re Kli­ma­po­li­tik. Die See­brü­cke Olden­burg erklär­te sich auf der Demons­tra­ti­on mit dem fol­gen­den Rede­bei­trag soli­da­risch mit der Kli­ma­be­we­gung.

»Zwi­schen 250 Mil­lio­nen und einer Mil­li­ar­de Men­schen, so schätzt die UNO-Flücht­lings­hil­fe, wer­den in den nächs­ten 50 Jah­ren durch die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels zu Ver­trie­be­nen. Der Kli­ma­wan­del wird also in abseh­ba­rer Zeit eine der Haupt­flucht­ur­sa­chen sein. Es ist ganz offen­sicht­lich: eine Fol­ge des Kli­ma­wan­dels ist der enor­me Anstieg an Natur­ka­ta­stro­phen – und eine unmit­tel­ba­re Fol­ge von Natur­ka­ta­stro­phen ist Flucht. In den kom­men­den Jah­ren wer­den Mil­lio­nen Men­schen ihre Hei­mat ver­las­sen müs­sen, weil Dür­re­pe­ri­oden, Über­schwem­mun­gen, der Anstieg des Mee­res­spie­gel, Ern­te­aus­fäl­le, Erd­rut­sche ihnen die Grund­la­ge zum schie­ren Über­le­ben rau­ben wer­den. Kon­flik­te um knap­per wer­den­de Res­sour­cen, wie zum Bei­spiel Was­ser, wer­den zusätz­lich zu immer neu­en Eska­la­tio­nen und Gewalt­aus­brü­chen füh­ren.

Ver­wei­sen will ich dabei gar nicht nur auf die Zah­len und Fak­ten, son­dern auf das wesent­li­che Prin­zip: Die­se Kata­stro­phen, wel­che sich zu gro­ßen Tei­len im glo­ba­len Süden ereig­nen, sind vom glo­ba­len Nor­den zu einem wesent­li­chen Teil mit­ver­ant­wor­tet. Wir kön­nen, wir dür­fen die Men­schen nicht abwei­sen, die nun in unse­re Rich­tung flie­hen!

Es ist an Zynis­mus nicht zu über­tref­fen, dass wir durch unse­ren Lebens­stil, unse­ren Kon­sum und vor allem unse­re Wirt­schafts­wei­se Mil­lio­nen Men­schen zur Flucht zwin­gen, dann aber Euro­pa zur Fes­tung aus­bau­en und an unse­ren Gren­zen die­je­ni­gen zu Tau­sen­den ster­ben las­sen, die Opfer die­ser struk­tu­rel­len Gewalt sind.

Die EU ist nicht taten­lo­se Zeu­gin die­ser huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe, sie ist aktiv mit­ver­ant­wort­lich!

Wir als See­brü­cke ste­hen Sei­te an Sei­te mit der Kli­ma­be­we­gung. Und wir müs­sen bereit sind, radi­kal umzu­den­ken um anders zu leben. Das ver­meint­lich beque­me und schö­ne Leben, an das wir uns so gewöhnt haben und an wel­chem vie­le so vehe­ment fest­hal­ten, ist uns den Preis nicht wert!

Denn was ist an einem Euro­pa lebens­wert, das sich an die Bil­der ertrun­ke­ner Kin­der gewöhnt hat? Was ist an einem Euro­pa lebens­wert, das die Gesund­heit und Zukunft von Mensch und Natur an Kon­zern­in­ter­es­sen ver­kauft? Es macht mich wütend, dass die Men­schen, die in der Migra­ti­ons­po­li­tik nach Ober­gren­zen und Regu­lie­rung schrei­en, in der Kli­ma­po­li­tik genau das ableh­nen. Und es macht mich wütend, dass gera­de die Politiker*innen, die sich schüt­zend vor Auto-, Agrar- oder Che­mie­in­dus­trie stel­len, flie­hen­de Men­schen im bes­ten Fall als Wirt­schafts­flücht­lin­ge bezeich­nen und ihnen das Recht auf Asyl ver­weh­ren wol­len.

Wir als See­brü­cke sind der Mei­nung, dass Flucht­ur­sa­chen bekämp­fen auch heißt, das Kli­ma zu schüt­zen. Und des­halb rufen wir auf zum Wider­stand gegen die Fes­tung Euro­pa – für eine sozia­le, radi­kal viel­fäl­ti­ge EU. Für eine star­ke, soli­da­ri­sche Zivil­ge­sell­schaft und für kon­se­quen­ten Kli­ma­schutz!«