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Dritter Redebeitrag Frauen*kampftag

Am 8. März 2019 führ­te anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Frau­en­ta­ges eine Demons­tra­ti­on durch die Olden­bur­ger Innen­stadt. Die Olden­bur­ger Rund­schau ver­öf­fent­licht heu­te den drit­ten und letz­ten Rede­bei­trag, gehal­ten von Con­stan­ze Schnepf, Lei­te­rin der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le Olden­burg (IBIS e.V.).

»Heu­te ist Welt­frau­en­tag. Ein Tag, an dem Frau­en seit über 100 Jah­ren für ihre Rech­te ein­tre­ten. Ein Tag, der die­ses Jahr in Deutsch­land zum ers­ten Mal Fei­er­tag ist, wenn auch nur in Ber­lin.

Es soll­te jedoch ein Tag sein, an dem in allen Län­dern inne­ge­hal­ten wird, um unse­ren Blick dar­auf zu rich­ten, dass immer noch Benach­tei­li­gung von Frau­en in allen Berei­chen der Gesell­schaft besteht. Die­se wirkt zusam­men mit ande­ren Kate­go­ri­en wie zum Bei­spiel Her­kunft, Behin­de­rung, Alter, sexu­el­le Iden­ti­tät und/oder Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit und wird dadurch nicht sel­ten ver­stärkt.

Die Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en ist in unse­rer Gesell­schaft oft struk­tu­rell bedingt. Es ist Zeit, dar­über nach­zu­den­ken, war­um Frau­en trotz Geschlech­ter­quo­te noch immer unzu­rei­chend in Füh­rungs­po­si­tio­nen ver­tre­ten sind und noch immer durch­schnitt­lich ein Fünf­tel weni­ger ver­die­nen, als Män­ner in den­sel­ben Beru­fen. Wie kann es sein, dass Frau­en auf­grund von Fehl­zei­ten im Job, die sich durch Krank­heit der Kin­der erge­ben, einem höhe­ren Risi­ko aus­ge­setzt sind, gefeu­ert zu wer­den oder den Job trotz Qua­li­fi­ka­ti­on gar nicht erst bekom­men?

Es darf dabei nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass das Kon­strukt der Zwei­ge­schlecht­lich­keit die  Igno­ranz und Ver­leum­dung von Trans- und Inter- Per­so­nen beinhal­tet. Das bedeu­tet Aus­gren­zung und Ver­let­zung. Es ist für alle Men­schen glei­cher­ma­ßen wich­tig, sich in jeder Situa­ti­on zu über­le­gen: Was tue ich, um Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von Geschlech­ter­ka­te­go­ri­en zu ver­hin­dern?

Dies gilt vor allem für Cis-Per­so­nen, die die­se Kate­go­ri­sie­rung nut­zen, um Trans- und Inter-Per­so­nen aus­zu­schlie­ßen. Dadurch kommt es oft zu Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen, die auch am Welt­frau­en­tag nicht ver­ges­sen
wer­den soll­ten.

Alle Men­schen soll­ten sich am heu­ti­gen Tag ihre indi­vi­du­el­len Pri­vi­le­gi­en bewusst machen. Es soll des­halb dar­um gehen, dass alle Men­schen unab­hän­gig von Geschlech­ter­ka­te­go­ri­en das Recht haben, sich in der Gesell­schaft frei zu ent­fal­ten, teil­zu­ha­ben, mit­zu­wir­ken und bei der Ver­tei­lung von finan­zi­el­len, aber auch imma­te­ri­el­len Res­sour­cen nicht benach­tei­ligt zu wer­den.

Unser Ziel muss es sein, Wert­schät­zung und Gleich­be­rech­ti­gung für alle Men­schen unab­hän­gig von Geschlech­ter­kon­struk­tio­nen zu ermög­li­chen!«