Frauen*kampftag in Oldenburg – Redebeiträge

Am 8. März 2019 führ­te anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Frau­en­ta­ges eine Demons­tra­ti­on durch die Olden­bur­ger Innen­stadt. Die Olden­bur­ger Rund­schau ver­öf­fent­licht nun in den kom­men­den Tagen nach­ein­an­der die drei gehal­te­nen Rede­bei­trä­ge, begin­nend heu­te mit der Auf­takts­kund­ge­bung von Rose Behn.

»Heu­te ist der Inter­na­tio­na­le femi­nis­ti­sche Kampf­tag und ich freue mich, dass ihr hier seid.

Stän­dig wer­den wir dis­kri­mi­niert, unter­drückt und aus­ge­beu­tet. Wir wer­den tag­täg­lich mit ver­let­zen­den Wit­zen, Kom­men­ta­ren, Über­grif­fen und kör­per­li­cher Gewalt klein gemacht. Unse­re Arbeit wird gering­ge­schätzt und noch immer ver­die­nen Frau­en in Deutsch­land im Schnitt 22% weni­ger als Män­ner. Nicht nur das, zu Hau­se über­neh­men wir unzäh­li­ge Stun­den an Erziehungs‑, Haus­halts- und Pfle­ge­ar­beit. Man­che von uns tun dies auch schlecht bezahlt im Zuhau­se ande­rer. Für Fami­lie, Freund*innen, Partner*innen und Kolleg*innen leis­ten wir oft emo­tio­na­le Unter­stüt­zung. Im Alter kom­men wir mit unse­rer Ren­te kaum oder gar nicht über die Run­den.

So ver­schie­den wir sind, wir sind alle Arbei­te­rin­nen*, weil wir arbei­ten müs­sen – egal ob wir mit dem Kugel­schrei­ber, dem Schrau­ben­schlüs­sel, dem Com­pu­ter oder dem Besen in der Hand arbei­ten, ob wir dafür einen Lohn bekom­men oder nicht. Es wird von uns erwar­tet, dass wir die­se Arbeit klag­los, unbe­ach­tet und wie selbst­ver­ständ­lich mit einem Lächeln erle­di­gen.

Wir las­sen uns das nicht län­ger gefal­len! Ich möch­te heu­te kei­ne Rosen – son­dern for­de­re fai­re Löh­ne glei­chen Zugang zu allem für alle, ein Ende der sexua­li­sier­ten Gewalt Geschlech­ter­gleich­heit, dis­kri­mi­nie­rungs­freie Spra­che und die Inte­gra­ti­on von femi­nis­ti­schen, anti­ras­sis­ti­schen und inter­sek­tio­na­len The­men in die All­ge­mein­bil­dung. Zudem for­de­re ich ein beson­de­res Augen­merk auf Per­so­nen, die nicht nur vom Patri­ar­chat betrof­fen sind, son­dern noch zusätz­lich unter ande­ren Dis­kri­mi­nie­rungs­for­men lei­den müs­sen!

Ich möch­te heu­te gar nicht viel sagen – viel mehr möch­te ich euch dan­ken, dass ihr hier seid, dass ihr nicht auf­gebt und wei­ter gegen das Patri­ar­chat kämpft. Ich möch­te euch heu­te auf­for­dern, eure Stim­me zu erhe­ben, euch nicht klein machen zu las­sen, Unge­rech­tig­kei­ten zu erken­nen und dage­gen vor­zu­ge­hen. Ich möch­te euch dazu auf­for­dern, zusam­men­zu­hal­ten und euch gegen­sei­tig zu hel­fen. Es ist noch ein sehr wei­ter Weg, den wir gemein­sam gehen müs­sen.

Heu­te ist der Inter­na­tio­na­le femi­nis­ti­sche Kampf­tag. Schon seit über 100 Jah­ren strei­ken, strei­ten und kämp­fen wir für unse­re Rech­te und gegen jede Unter­drü­ckung. Die­se Ver­samm­lung soll vor allem dazu die­nen, einen Aus­tausch zu schaf­fen und unse­ren Zusam­men­halt von innen zu stär­ken. Des­we­gen möch­te ich euch dazu auf­ru­fen, das heu­ti­ge Ereig­nis zu nut­zen, um euch zu ver­net­zen und gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen. Wir haben einen Tag bekom­men, um ernst genom­men, respek­tiert und aner­kannt zu wer­den, nicht län­ger unter­drückt zu wer­den – doch wir kämp­fen JEDEN Tag dafür. Des­halb for­de­re ich nicht einen Tag son­dern ein gan­zes Leben – für uns alle.

Nein, wir möch­ten kei­ne Rosen, wir for­dern Gleich­be­rech­ti­gung. Und ich wer­de strei­ken und demons­trie­ren bis ALLE die glei­chen Chan­cen im Leben bekom­men.

Wir wol­len demons­trie­ren,

… weil wir in einer Welt leben wol­len, in der jede Arbeit wert­ge­schätzt wird.

… weil wir uns nicht län­ger aus­beu­ten las­sen, weder zu Hau­se, noch auf der Lohn­ar­beit.

… weil unse­re Zeit uns gehört und wir selbst bestim­men wol­len, wann und wie wir arbei­ten.

… weil wir das Ende des Pfle­ge­not­stands, des Man­gels an kos­ten­lo­ser Kin­der­be­treu­ung, die Auf­wer­tung der Heb­am­men- und der Rei­ni­gungs­ar­beit ver­lan­gen.

… weil wir selbst über unse­re Kör­per bestim­men wol­len und ob und wann wir schwan­ger wer­den oder wann wir eine unge­woll­te Schwan­ger­schaft been­den.

… weil wir kei­ne star­re Ein­tei­lung in Frau und Mann brau­chen, son­dern eine Aner­ken­nung und Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit für trans-Män­ner, ‑Frau­en, nicht-binä­re und Inter­per­so­nen.

… weil wir selbst ent­schei­den wol­len, wen wir lie­ben, ob, wann und mit wem wir Sex haben.

… weil wir uns nicht län­ger vor­schrei­ben las­sen, was oder wen wir schön fin­den, wie wir aus­zu­se­hen oder uns zu klei­den haben.

… weil wir klar machen wol­len, dass Gewalt nicht erst bei Schlä­gen anfängt, son­dern bei ver­ba­len Ver­let­zun­gen, Bevor­mun­dun­gen jeg­li­cher Art oder Iso­lie­rung von der Außen­welt.

… weil wir kei­nen Schutz vor Män­nern brau­chen, son­dern ein Ende jeder Gewalt. Jeder Angriff auf eine Frau ist ein Angriff auf uns alle!

… weil wir alle das glei­che Recht auf Gesund­heits­ver­sor­gung, Bil­dung und Wohn­raum haben.

… weil wir uns gegen rech­te Poli­tik und den Auf­stieg rech­ter Par­tei­en und Bewe­gun­gen stel­len.

… weil wir uns gegen Geset­ze weh­ren, die uns ungleich machen, tren­nen und kri­mi­na­li­sie­ren.«