Aktion massenhaften zivilen Ungehorsams gegen Gasförderung in Groningen

Gro­nin­gen ist eine Pro­vinz mit der gleich­na­mi­gem Haupt­stadt im Nor­den der Nie­der­lan­de. Bekannt ist Gro­nin­gen unter ande­rem für die schö­ne Haupt­stadt und die beson­de­re Kul­tur­land­schaft drum­her­um. Doch hat die Pro­vinz auch eine ande­re Sei­te, dort befin­det sich nur weni­ge Kilo­me­ter unter der Erde das größ­te euro­päi­sche Erd­gas­vor­kom­men. Seit der Ent­de­ckung, Anfang der 1960er, wird dort von dem Unter­neh­men NAM das Gas geför­dert, einem Unter­neh­men von Shell und Eccon­Mo­bil. Das Erd­gas­vor­kom­men gehört dem Staat, die Abbau­rech­te wur­den aber an NAM ver­pach­tet. Die Nie­der­lan­de sind der größ­te euro­päi­sche Gas­ex­por­teur. Deutsch­land gehört zu einem der größ­ten Abneh­mer­län­der, rund 30 Pro­zent des hier ver­wen­de­ten Erd­ga­ses kom­men aus den Nie­der­lan­den.1,2

Der Abbau bleibt nicht ohne Kon­se­quen­zen: Der Boden wird zuneh­mend insta­bil, seit Ende der 1980er kommt es zu Erd­be­ben-in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten über 1000. Auch wird der Erd­bo­den durch den Abbau abge­senkt, teil­wei­se um etwa einen Meter. Geför­dert wird in einer gerin­gen Tie­fe, so dass die Erd­stö­ße schon bei einer rela­tiv gerin­gen Stär­ke deut­lich zu spü­ren sind. Das alles führt zu Schä­den an den Gebäu­den in und um Gro­nin­gen, eini­ge Häu­ser sind nicht mehr bewohn­bar. 2,3,

Nach jah­re­lan­gen Pro­tes­ten aus der zivi­len Bevöl­ke­rung und immer wie­der­keh­ren­den Beben redu­zier­te die nie­der­län­di­sche Regie­rung die För­der­men­ge 2012 um die Hälf­te. Zunächst schien sich damit die Erd­be­ben­pro­ble­ma­tik zu ent­schär­fen, bis Anfang die­sen Jah­res ein Beben der Stär­ke 3.4 die Erde erneut zum Wackeln brach­te.4,5 In den dar­auf fol­gen­den Mona­ten kam es erneut zu mas­si­ven Pro­tes­ten. Im April die­ses Jah­res gab dann der nie­der­län­di­sche Minis­ter­prä­si­dent Mark Rut­te bekannt, dass die För­der­men­ge aber­mals gesenkt wird und leg­te das Ende der För­de­rung auf 2030 fest.6

Doch mit die­ser Lösung geben sich vie­le Anwohner_Innen nicht zufrie­den. Es fehlt die Zusa­ge zu einer ange­mes­se­nen finan­zi­el­len Ent­schä­di­gung von Betrof­fe­nen.7,4 Auch ist nicht klar, ob das Ende der För­de­run­gen die Beben über­haupt stop­pen kann, denn der Boden hat mas­si­ve Schä­den davon getra­gen und ist insta­bil gewor­den. Anwohner_innen for­dern ein sofor­ti­ges Been­den der För­de­rung, um den Scha­den auf das Kleinst­mög­li­che zu begren­zen.8

Aber auch Klimaschützer_Innen sehen die Ent­schei­dung skep­tisch. Die Nie­der­lan­de wol­len die Gas­fö­de­rung inner­halb der natio­na­len Gren­zen been­den, aber nicht aus der Abhän­gig­keit von fos­si­len Ener­gie­stoff­trä­gern aus­stei­gen. Die ent­ste­hen­de Lücke in der Ver­sor­gung soll durch Impor­te geschlos­sen wer­den.6 Dies führt nur zu einer Ver­schie­bung der Pro­ble­ma­tik in ande­re Tei­le der Welt. Um selbst das Ende des fos­si­len Zeit­al­ters ein­zu­lei­ten, wer­den sich Ende August tau­sen­de Klimaaktivist_Innen in Gro­nin­gen ver­sam­meln. Gemein­sam wer­den sie die Uto­pie einer bes­se­ren Welt für alle in die Tat umset­zen.

Vom 24. August bis zum 31. August fin­det in der Pro­vinz Gro­nin­gen das nie­der­län­di­sche Kli­ma­camp statt. Es geht um das Erpro­ben einer zukunfts­fä­hi­gen Gesell­schaft, aber auch um eine direk­tes Signal gegen die Aus­beu­tung von Mensch und Umwelt und eine Unter­bre­chung der Gas­för­de­rung durch eine Akti­on des mas­sen­haf­ten zivi­len Unge­hor­sams. Das Akti­ons­bünd­nis »Code Rood« ruft für den 28.8. zu einer Mas­sen­blo­cka­de einer Zufahrts­stra­ße der Gas­in­dus­trie.

Die Aktivist_Innen von »Code Rood« wol­len die herr­schen­den Ver­hält­nis­sen nicht mehr hin­neh­men und sich von der Poli­tik nicht mit hal­ben Ver­spre­chen abspei­sen las­sen, son­dern die Ver­än­de­run­gen selbst in die Hand neh­men. Zu den For­de­run­gen des Bünd­nis­ses gehö­ren neben dem sofor­ti­gen Aus­stieg aus dem Gas­ab­bau und dem damit ver­bun­de­nen Umstieg auf 100% erneu­er­ba­re Ener­gi­en, eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung der ent­stan­de­nen Schä­den, sowie ein Struk­tur­wan­del­fond für die Beschäf­tig­ten von NAM. Um in Zukunft Kapi­tal­ak­ku­mu­la­ti­on und die Abhän­gig­keit von gro­ßen Ener­gie­kon­zer­nen zu ver­hin­dern, set­zen sich die Aktivist_Innen für eine dezen­tra­le und demo­kra­ti­sche Ener­gie­ver­sor­gung in den Nie­der­lan­den ein.9

Es wer­den Unterstützer_Innen aus ver­schie­dens­ten Gebie­ten der Welt erwar­tet. Auch aus Olden­burg wird es eine gemein­sa­me, bun­te und kli­ma­neu­tra­le Anrei­se geben. Am Frei­tag den 24. August star­tet eine Rad­tour von Olden­burg über Leer nach Gro­nin­gen zum Camp. Los geht es am Frei­tag um 9.30 Uhr am Bahn­hof Olden­burg, in Leer wird es eine Über­nach­tung auf einem Cam­ping­platz geben. Auch am Sams­tag kann sich der Tour noch um 8.30 Uhr am Bahn­hof Leer ange­schlos­sen wer­den. Zur­Fahr­rad­tour rufen das Kli­ma­kol­lek­tiv Olden­burg und die Rythms of Resis­tan­ce Olden­burg gemein­sam auf.

Nachfragen/Anmeldungen zur Rad­tour unter: klimakollektivol@posteo.de

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu Code Rood: https://code-rood.org/index.php/de/hier-ist-code-rood-gegen-den-klimawandel/

1) https://www.zeit.de/wirtschaft/2018–05/niederlande-lieferant-erdgas-deutschland-preissteigerung/seite-2

2) https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft/niederlande-beenden-die-foerderung-von-erdgas/

3)https://www.waz.de/wirtschaft/beben-in-niederlanden-laesst-deutsche-gaswirtschaft-erzittern-id213397825.html

4)http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/niederlande-die-erde-bebt-100.html

5)https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_83477838/gasfoerderung-in-den-niederlanden-eingestellt.html

6) https://industriemagazin.at/a/niederlande-wollen-die-produktion-von-erdgas-drastisch-reduzieren

7) https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/aktuelles/archiv/2018/januar/0117Schadensverguetung_Erdbeben.html

8)https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/aktuelles/archiv/2018/januar/0109Groningen_Erdbeben.html

9) https://code-rood.org/index.php/de/aktionsaufruf-code-rood-2018/