»Ewig kann’s nicht Winter sein“ – 85 Jahre „Lied der Moorsoldaten“

In die­sem Som­mer wird das „Lied der Moor­sol­da­ten“ 85 Jah­re alt. „Ewig kann’s nicht Win­ter sein“, heißt es dar­in in der letz­ten Stro­phe. Es ist zugleich der Titel einer Ver­an­stal­tung, mit der am Sonn­tag, den 12. August um 15 Uhr in der Gedenk­stät­te Ester­we­gen an die bewe­gen­de Geschich­te des berühm­ten KZ-Lieds erin­nert wer­den soll. Refe­rent ist Fiet­je Aus­län­der, Mit­ar­bei­ter des DIZ in der Gedenk­stät­te und Mit­au­tor einer aus­führ­li­chen CD-Edi­ti­on zum The­ma.

Kein ande­res der in den Lagern der Natio­nal­so­zia­lis­ten geschrie­be­nen Lie­der hat eine sol­che Popu­la­ri­tät und Ver­brei­tung erfah­ren wie die aus dem ems­lan­di­schen KZ Bör­ger­moor über­lie­fer­te Hym­ne. Nach­dem sie im August 1933 ihre „Urauf­füh­rung“ erlebt hat­te, gelang­te sie in den Jah­ren bis 1945 in vie­le wei­te­re Lager des NS-Regimes, u.a. in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen und Buchen­wald. Für vie­le Häft­lin­ge wur­de das Lied zu einem Sym­bol des Frei­heits­wil­lens und des Wider­stands­geis­tes. Gesun­gen wur­de es außer­dem von den Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg (1936–1939) oder in der fran­zö­si­schen Rési­s­tan­ce.

Ab 1945 gehör­te das „Moor­sol­da­ten­lied“ zum Reper­toire von Gedenk­ver­an­stal­tun­gen im In- und Aus­land. Dane­ben dien­te es je nach den poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Zwe­cken als Pro­test-, Volks-, Arbei­ter- oder Frie­dens­lied. Mit der Geschich­te des Lieds ver­wo­ben ist zugleich die Geschich­te der bei­den deut­schen Nach­kriegs­staa­ten. Gehör­te es in den Schu­len der DDR zum Pflicht­pro­gramm des Musik­un­ter­richts, führ­te es in der Bun­des­re­pu­blik lan­ge Jah­re ein Nischen­da­sein. Heu­te ist es Gegen­stand vie­ler Neu­be­ar­bei­tun­gen, wie­der­zu­fin­den etwa auch im Reper­toire der Band „Die Toten Hosen“.

Im Rah­men der Ver­an­stal­tung soll die wech­sel­vol­le Lied­ge­schich­te nach­er­zählt wer­den, ver­an­schau­licht durch Fotos, Doku­men­te und Lied­bei­spie­le aus den 1930er-Jah­ren bis heu­te. Der Ein­tritt beträgt fünf Euro für Erwach­se­ne und drei Euro für Jugend­li­che.