Das »Schlüssige Konzept« ist in Oldenburg offenbar vom Tisch

Ein seltenes Bild: heute immerhin eine "angemessene" 1-Personen-Wohnung in den nwz-Annoncen, 28.11.2017

Laut einer Pres­se­er­klä­rung der Olden­bur­ger Frak­ti­ons­grup­pe Die Linke/Piratenpartei vom 03. Juli ist die Absicht der Sen­kung der Miet­ober­gren­ze für Sozialleistungsbezieher*innen angeb­lich durch Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Krog­mann (SPD) wider­ru­fen wor­den. In einer Email habe Krog­mann unter ande­rem zuge­si­chert, »dass die Miet­ober­gren­zen nicht abge­senkt wer­den son­dern bis zu einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung unver­än­dert blei­ben«, so der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hans-Hen­ning Adler (Die Lin­ke).

Die­se Zusi­che­rung des OBs been­det nun eine Angst, die vie­le Oldenburger*innen, die bei der Zah­lung ihrer Wohn­kos­ten auf Unter­stüt­zung durch Sozi­al­amt oder Job­cen­ter ange­wie­sen sind, seit der Bekannt­ga­be des soge­nann­ten »Schlüs­si­gen Kon­zepts« umtrieb. Das so beti­tel­te Gut­ach­ten der Bera­tungs­fir­ma »Ana­ly­se & Kon­zep­te« hat­te Ende 2017 der Olden­bur­ger Poli­tik und Ver­wal­tung emp­foh­len, die Ober­gren­zen für die­se Sozi­al­leis­tun­gen dras­tisch zu redu­zie­ren – ange­sichts der dra­ma­ti­schen Situa­ti­on auf dem Olden­bur­ger Woh­nungs­markt hät­te die Umset­zung die­ses Kon­zepts womög­lich unzäh­li­ge arme Haus­hal­te in die Woh­nungs­not getrie­ben (die OR berich­te­te).

In Olden­burg war es vor allem die ALSO, die das Gut­ach­ten aus­ein­an­der nahm und eini­gen ver­ant­wort­li­chen Politiker*innen im Sozi­al­aus­schuss ver­mit­teln konn­te, dass die sta­tis­ti­sche Grund­la­ge sowie die Metho­de, die durch »Ana­ly­se & Kon­zep­te« ver­wen­det wur­de, in Olden­burg nur zu fal­schen Ergeb­nis­sen füh­ren konn­te. Das soge­nann­te »schlüs­si­ge Kon­zept« wäre weder gerichts­fest gewe­sen, noch wären sei­ne Fol­gen für die Betrof­fe­nen ver­ant­wort­bar gewe­sen. Doch auch vor­lie­gen­de Gerichts­ur­tei­le aus ande­ren Städ­ten, die die Män­gel der ange­wen­de­ten Metho­de attes­tier­ten, hat­ten bis zuletzt nicht zu einem Ein­len­ken sei­tens der Stadt­ver­wal­tung geführt.

Im Rah­men der Ver­hand­lun­gen über eine mög­li­che Zustim­mung zur Wie­der­wahl der der­zeit amtie­ren­den Sozi­al­de­zer­nen­tin Dag­mar Sach­se hat­te die Frak­ti­on Die Linke/Piratenpartei zuletzt die Beer­di­gung des »Schlüs­si­gen Kon­zepts« gefor­dert.

Soll­te Herr Krog­mann sei­ne Zusi­che­rung ein­hal­ten, wären bis zu einer Geset­zes­än­de­rung (des Sozi­al­ge­setz­bu­ches II) auf Bun­des­ebe­ne wei­ter­hin die Miet­ober­gren­zen des Wohn­gel­des plus 10 Pro­zent der Maß­stab.