Ein Jahr nach Ahmet Agirs Tod in der Forensik: Demo und Mahnwache in Bremen

An die­sem Sonn­tag jährt sich des Tod Ach­met Agirs, der am 13. Mai 2017 in einer Iso­la­ti­ons­zel­le der Foren­sik in Bre­men-Ost ums Leben gekom­men ist. Aus die­sem trau­ri­gen Anlass wird am Sonn­tag um 14 Uhr eine »Demons­tra­ti­on und Mahn­wa­che« vor dem Haupt­ein­gang des Kli­ni­kums Bre­men-Ost (in der Züri­cher Stra­ße 40) statt­fin­den.

Im Fol­gen­den doku­men­tie­ren wir den Demo-Auf­ruf:

» (…) Er (Ahmet, O.R.) wur­de Opfer einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Gewalt­an­wen­dung des Per­so­nals und ver­starb drei Tage spä­ter. Aus­lö­ser war ein Dis­put mit dem Per­so­nal. Es kam zu einer Dis­kus­si­on. Ahmet wand­te sich ab, um in den Rau­cher­raum zu gehen. Obwohl er sich dees­ka­lie­rend ver­hielt, wur­de der Hausalarm aus­ge­löst, um ihn abzu­son­dern (Abson­de­rung im Beob­ach­tungs­zim­mer: Iso­lie­rung in einem spe­zi­el­len »Siche­rungs­raum“, in dem jeder­zeit das Per­so­nal rein­schau­en kann, meist mit ab gekleb­ten Fens­tern, ohne pri­va­te Gegen­stän­de, ohne Wech­sel­klei­dung, Hygie­ne­ar­ti­kel, häu­fig ohne Hof­gang, Gele­gen­heit zum Rau­chen und wei­te­ren Beschnei­dun­gen des Selbst).

Abson­de­run­gen als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men sind ver­bo­ten, sie sind nur in aku­ten Selbst- bzw. Fremd­ge­fähr­dungs­si­tua­tio­nen zuläs­sig. Dass, inner­halb der Foren­sik in Bre­men-Ost nach »belie­ben« abge­son­dert wird, kommt all­täg­lich vor. Hier­für gibt es zahl­rei­che Doku­men­ta­tio­nen von Inhaf­tier­ten. Ihre Hil­fe­schreie wer­den jedoch nicht erhört. Beschwer­den, die Inhaf­tier­te an das Gericht, an die Staats­an­walt­schaft und an die vom Senat gesteu­er­te Besuchs­kom­mis­si­on rich­ten, blie­ben in der Ver­gan­gen­heit häu­fig ent­we­der unbe­ant­wor­tet oder wur­den zurück­ge­wie­sen. Auch wur­den Inhaf­tier­te inner­halb der Kli­nik schi­ka­niert und unter Druck gesetzt, nach­dem sie sich beschwer­ten.

2017 gab es einen öffent­li­chen Auf­schrei, wie kata­stro­phal die Bedin­gun­gen im Kli­ni­kum Bre­men-Ost sind. Mas­si­ge Fixie­run­gen, Zwangs­be­hand­lun­gen, feh­len­de The­ra­pi­en, inkom­pe­ten­ter Umgang mit den Patient/innen, feh­len­des Per­so­nal, unzu­rei­chen­de Qua­li­fi­zie­run­gen in dees­ka­lie­ren­dem Umgang usw. .

Die Foren­sik wur­de aus die­sem Fokus erfolg­reich her­aus gehal­ten. Dabei ist die­ser hoch­ge­si­cher­te Bereich, der sei­ne Arbeit damit legi­ti­miert, ver­meint­lich »kran­ke« und »gefähr­li­che« Men­schen zu »behan­deln« und zu »reso­zia­li­sie­ren«, beson­ders geprägt von Gewalt, Zwang, Macht­miss­brauch, Ver­ab­rei­chung von hoch­do­sier­ten schä­di­gen­den Psy­cho­phar­ma­ka, will­kür­li­chen Abson­de­run­gen im Beob­ach­tungs­raum etc. .

Den Insti­tu­tio­nen und Staats­or­ga­ne, die die »Gesund­heit“ ver­wal­ten, blind zu ver­trau­en ist gefähr­lich. Über 10.000 Men­schen wer­den bun­des­weit (häu­fig lang­fris­tig und ohne Ver­hält­nis­mä­ßig­kei­ten) unter Zusam­men­spiel von Gerich­ten und Kli­ni­ken foren­sisch weg­ge­sperrt. Gutachter/innen lie­fern mit kon­stru­ier­ten patho­lo­gisch-defi­zi­tä­ren Lebens­läu­fen die Grund­la­ge dafür.

Es ist nicht hin­nehm­bar, wie Pro­fit unter dem Vor­wand von »Hil­fe« und »Für­sor­ge« gemacht wird und Men­schen dabei gebro­chen wer­den.

Ein Jahr ist seit Ahmets Tod ver­gan­gen. Eine Auf­ar­bei­tung und Kon­se­quen­zen unter­blie­ben bis dato. Das betei­lig­te Per­so­nal wur­de weder beur­laubt noch sus­pen­diert. Auch wird wei­ter­hin unge­recht­fer­tigt und bru­tal gegen Inhaf­tier­te vor­ge­gan­gen, als »Reso­zia­li­sie­rung« und »The­ra­pie« dekla­riert. Von Poli­zei, Staats­an­walt­schaft, Foren­sik-Refe­rat des Senats, Besuchs­kom­mis­si­on und Gesund­heits­se­na­to­rin (die gleich­sam auch Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der GENO-Nord ist) wird gemein­schaft­lich geschwie­gen.

Die Fami­lie wur­de nicht ein­mal von Poli­zei und Kli­nik, erst über Ahmets Koma, dann über sei­nen Tod infor­miert, sie muss­ten es von der Pres­se erfah­ren.

Dass, bis heu­te nicht ein­mal Zeu­gen­aus­sa­gen von Mit-Inhaf­tier­ten auf­ge­nom­men wur­den, mahnt, dass kein Inter­es­se für eine gerech­te Auf­ar­bei­tung vor­han­den ist.

Ahmet wur­de Opfer von rechts­staat­lich abge­si­cher­ter Gewalt und bezahl­te mit sei­nem Leben. Wir möch­ten mit die­ser Demons­tra­ti­on das kol­lek­ti­ve Schwei­gen auf­bre­chen und for­dern, dass für Ahmets Tod Ver­ant­wor­tung über­nom­men wird. Wir sind soli­da­risch mit den Inhaf­tier­ten, die wei­ter­hin unter die­sen Bedin­gun­gen zwangs­un­ter­ge­bracht wer­den.

Es kann Jede/n tref­fen. Seid soli­da­risch, kommt vor­bei, lei­tet die­sen Auf­ruf wei­ter. Unter­stützt die Fami­lie. Spe­zi­ell die Mut­ter. Unter die­sen Umstän­den das eige­ne Kind zu ver­lie­ren, kann mit Wor­ten nicht beschrie­ben wer­den.

!!! Kein Ver­ge­ben – kein Ver­ges­sen !!!

Fami­lie und Freun­de

wei­te­re Infor­ma­tio­nen: demofuergerechtigkeit@yahoo.com«

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