Schwarzbuch sozial: So gemein ist Niedersachsen

Han­no­ver (kobi­net) »Schwarz­buch sozi­al« Nr. 2: Auch 2017 bringt der Sozi­al­ver­band SoVD in Nie­der­sach­sen die hane­bü­chens­ten Unge­rech­tig­kei­ten aus sei­nem Bera­tungs­all­tag ans Licht. Da drän­gen Kran­ken­kas­sen Ver­si­cher­te zur Kün­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses, um kein Kran­ken­geld zah­len zu müs­sen, Klin­ken ver­wei­gern Behand­lun­gen, die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) treibt jun­ge Fami­li­en in den Ruin, heißt es in einer Pres­se­infor­ma­ti­on des Sozi­al­ver­bands Deutsch­land (SoVD) Nie­der­sach­sen.

Recht haben und Recht bekom­men sind zwei ver­schie­de­ne Paar Schu­he; dass das vor allem für Men­schen zum Pro­blem wird, denen es nicht gut geht, zie­he sich wie ein roter Faden durch die 2017er Auf­la­ge des »Schwarz­buchs sozi­al«. »Wir stel­len immer häu­fi­ger fest, dass für Kran­ken- oder Pfle­ge­kas­sen nicht die Inter­es­sen der Mit­glie­der im Vor­der­grund ste­hen, son­dern deren wirt­schaft­li­che Inter­es­sen«, kri­ti­siert der 2. SoVD-Lan­des­vor­sit­zen­de Bern­hard Sack­ar­endt. Oft wer­de sys­te­ma­tisch auf Zeit gespielt. 20 sol­cher Fäl­le aus der SoVD-Bera­tung aus allen 60 Bera­tungs­zen­tren in ganz Nie­der­sach­sen doku­men­tie­ren die Unge­rech­tig­kei­ten, die täg­lich auf den Schreib­ti­schen der SoVD-Bera­te­rIn­nen lan­den. »Im Schwarz­buch fin­den Sie die schlimms­ten Fäl­le. Wir sind froh, dass wir Mit­glie­der gefun­den haben, die ihre Geschich­te ver­öf­fent­li­chen las­sen möch­ten. So kön­nen wir noch deut­li­cher auf die Miss­stän­de hin­wei­sen«, betont Sack­ar­endt.

SoVD-Lan­des­ge­schäfts­füh­rer Dirk Swin­ke mach­te die Auf­ga­be von Nie­der­sach­sens mit Abstand größ­tem Sozi­al­ver­band deut­lich, gegen­über der Poli­tik für die Inter­es­se sei­ner Mit­glie­der zu kämp­fen. »In den lau­fen­den Koali­ti­ons­run­den auf Lan­des­ebe­ne haben wir den Ver­hand­lungs­füh­rern gute Argu­men­te für ein sozia­les Nie­der­sach­sen an die Hand gege­ben«, so Swin­ke. Dabei sei dem Ver­band vor allem die Inklu­si­on wich­tig. Der Geschäfts­füh­rer: »Wir könn­ten nicht deut­li­cher machen, dass uns die Umset­zung der voll­stän­di­gen und gleich­be­rech­tig­ten gesell­schaft­li­chen Teil­ha­be aller am Leben immer noch zu lang­sam geht.« Soll­te sich das im Koali­ti­ons­ver­trag nicht abbil­den, wer­de der Ver­band auch nach der Wahl sehr laut wahr­nehm­bar sein – gemein­sam mit sei­nem Netz­werk, für das er in ver­schie­de­nen Bünd­nis­sen Ver­ant­wor­tung über­nom­men habe.

Dass es den Nie­der­sach­sen in vie­len Berei­chen nicht gut geht, mach­te er auch anhand ver­schie­de­ner Zah­len deut­lich: »Vie­le Men­schen kön­nen bestimm­te Din­ge nicht mehr allei­ne. Sie brau­chen Bera­tung und kom­men des­halb zu uns.« Dies zei­ge zum Bei­spiel der Anstieg an Mit­glie­dern. Am 31. Okto­ber 2016 waren es fast 285.000 Mit­glie­der – ein Plus von 0,4 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr. Für sei­ne Mit­glie­der hat der SoVD durch Wider­sprü­che und Kla­gen auch 2017 hohe Sum­men erstrit­ten. Das waren mehr als 27 Mil­lio­nen an ein­ma­li­gen und mehr als 7 Mil­lio­nen Euro an lau­fen­den Zah­lun­gen.

Zuneh­mend ärgert sich Swin­ke über die Anzahl der fal­schen Gut­ach­ten des Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­kas­sen (MDK) – fast die Hälf­te hat­te kei­nen Bestand, nach­dem der SoVD Wider­spruch ein­ge­legt hat­te. »Immer wie­der meckern wir die­se Situa­ti­on an. Was müs­sen wir noch tun?« fragt er. Die­sem struk­tu­rel­len Pro­blem müs­se sich die Poli­tik drin­gend anneh­men. Über­haupt neh­me die Anzahl der Anträ­ge im Bereich Pfle­ge­ver­si­che­rung kon­stant zu. Ende des Jah­res wer­den sie in 2017 bei 633 lie­gen, wäh­rend es 2016 474 waren. Auch die Wider­sprü­che stie­gen von 349 in 2016 auf 424 bis zum Ende 2017, heißt es von­sei­ten des SoVD Nie­der­sach­sen.

 

zuerst erschie­nen: 14. Novem­ber 2017 bei kobinet-nachrichten.org