Ein Pinguin, der in Oldenburg zur Reformation aufrief

 

Am vor­ver­gan­ge­nen Diens­tag, den 31.10.2017, jähr­te sich das Anschla­gen der 95 The­sen durch Mar­tin Luther zum fünf­hun­der­s­ten Male. Die Ver­öf­fent­li­chung Luthers brach­te die Refor­ma­ti­on der christ­li­chen Kir­che ins Rol­len, deren Aus­wir­kun­gen noch heu­te wei­te Tei­le Euro­pas prä­gen.
Doch in die­sem Text soll es nicht um die Refor­ma­ti­on, Luthers The­sen oder sei­ne men­schen­feind­li­chen Posi­tio­nen gehen. Denn am fünf­hun­der­s­ten Refor­ma­ti­ons­tag kam es wie­der zu dem Auf­ruf zu einer Refor­ma­ti­on – und zwar in Olden­burg!
Ein Pin­gu­in (!) ver­sam­mel­te, um die Mit­tags­zeit, auf dem Olden­bur­ger Schloss­platz eine Schar Jün­ger, Schau­lus­ti­ge und ande­re Vaga­bun­den, um der Welt (oder zumin­dest einem Teil von Olden­burg) sei­ne The­sen zu ver­kün­den. Er begann sei­ne Anspra­che durch ein Mega­fon und for­der­te den „gemei­nen Pöbel“ auf, ihm zur evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Lam­ber­ti-Kir­che zu fol­gen. Dort nagel­te er sei­ne 12 The­sen an die Ein­gangs­pfor­te und ver­las die­se vor einem immer grö­ßer wer­den­den Publi­kum.
Zwei ange­rück­te Strei­fen­po­li­zis­ten ver­such­ten ihn zunächst am Ver­le­sen sei­ner The­sen zu hin­dern. Sie schie­nen dann aber doch von den Wor­ten des Refor­ma­tor-Pin­gu­ins berührt zu wer­den und lie­ßen ihn gewäh­ren. Kurz nach dem Been­den sei­ner Pro­kla­ma­tio­nen kamen jedoch wei­te­re Ein­satz­kräf­te der Poli­zei hin­zu, um den, nun offen­bar für vogel­frei erklär­ten, Pin­gu­in durch die Innen­stadt zu jagen. Ob der selbst ernann­te Refor­ma­tor mitt­ler­wei­le Unter­schlupf in der Wart­burg gefun­den hat oder die Ord­nungs­hü­ter ihn stel­len konn­ten, konn­ten Beobachter*nnen der Sze­ne­rie nicht berich­ten.
Sei­ne The­sen konn­ten jedoch auf­ge­schnappt wer­den und sol­len Euch „glück­li­chen, von Gott verlassene[n] Men­schen“ im Fol­gen­den zu einem kur­zen Inne­hal­ten ver­an­las­sen 😉

Die The­sen des Pin­gu­ins:
»1. Wer heu­te noch an die Drei­fal­tig­keit, bestehend aus Wirt­schaft, sozi­al han­deln­dem Staat und gutem Volk, glaubt, dem kann nur noch Gott hel­fen.
2. Die Lie­be des Mark­tes fin­det nicht vor, son­dern schafft sich das Recht, in dem sie aus­beu­ten kann.
3. Was zur Sün­de rei­zen soll, das muss schön sein. Ja und ein jede Sexu­al­mo­ral ist ver­gäng­lich. Also las­set uns genie­ßen.
4. Die Welt will betrü­gen oder betro­gen wer­den – dar­um hat die Welt mit der Wahr­heit nichts zu schaf­fen.
5. Die Wer­ke der Gerech­ten wären Tod­sün­de, wür­de die Kir­che heu­te das Sagen haben.
6. Jene Men­schen, die Mau­ern zie­hen, wäh­rend sie Fei­ern, dass vor einem Vier­tel­jahr­hun­dert ihre eige­ne gefal­len ist, sol­len kei­ne Trä­nen um ihre Autos ver­gie­ßen. Denn sie wis­sen um das Mit­tel­meer und sei­ne unzäh­li­gen roten Trä­nen.
7. Ein Land, dem vor mehr als 70 Jah­ren die Demo­kra­tie auf­ge­zwun­gen wer­den muss­te, soll sich heu­te nicht als ihr Ver­tei­di­ger auf­spie­len.
8. Wer den Brow­ser­ver­lauf eines Ande­ren ken­nen will, soll sei­ne Akten­or­der der Welt öff­nen, als wären sie nie geschred­dert wor­den. Denn ihrer waren so vie­le, wie ihr Inhalt, sträf­lich vor jedem Gericht, dass es kei­ne gött­li­che Fügung wart.
9. Du sollst die welt­wei­te Kon­kur­renz nicht Glo­ba­li­sie­rung nen­nen, um Dich als ihr Opfer aus­zu­ge­ben. Du bist ihr Pro­fi­teur und nichts als ihr Pro­fi­teur.
10. Wer um die Gleich­heit der Men­schen weiß, soll ihnen weder Blau noch Rosa auf­zwin­gen! Denn ein jeder Mensch muss selbst ent­schei­den, wel­chen Rol­len er sich hin­gibt und aus wel­chen er aus­bre­chen muss, weil sie sein Gefäng­nis sind.
11. Über­all, in jedem dunk­lem Tal, wo ihr den Frem­den­fein­den gewahr wer­det – lasst es nicht zu, dass ihr auch die ande­re Backe hin­hal­tet. Denn sie sind schlecht und ihre Bos­haf­tig­keit kennt kei­ne Glei­chen.
12. Ver­gib den Pro­phe­ten wie den Hei­li­gen, ihren ver­wirr­ten wie verTwit­ter­ten.«

 

 

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