Buchvorstellung der Autobiografie von Lutz Taufer – Lesung & Diskussion mit dem Autor

Am 17. Okto­ber um 19 Uhr fin­det im Alham­bra eine Buch­vor­stel­lung, Lesung und Dis­kus­si­on zum Buch »Über Gren­zen« von Lutz Tau­fer statt. Dazu wird der Autor Lutz Tau­fer anwe­send sein. Dazu der Text zu Ver­an­stal­tung:

Von der RAF in die Fave­la: Das Leben Lutz Tau­fers gleicht einer Such­be­we­gung, in der das Ter­rain der west­deut­schen radi­ka­len Lin­ken ver­mes­sen wird. Rebel­li­on gegen die ver­krus­te­ten Ver­hält­nis­se der Ade­nau­er­ä­ra in der badi­schen Pro­vinz, 1968 in Frei­burg, Basis­grup­pe Poli­ti­sche Psy­cho­lo­gie in Mann­heim, Sozia­lis­ti­sches Pati­en­ten­kol­lek­tiv in Hei­del­berg, Mit­glied des Kom­man­dos Hol­ger Meins der RAF, Beset­zung der deut­schen Bot­schaft in Stock­holm, mit­ver­ant­wort­lich für die Erschie­ßung von zwei Gei­seln, 20 Jah­re Haft, ein Dut­zend Hun­ger­streiks bis an den Rand des Todes, nach der Frei­las­sung ein Jahr­zehnt Basis­ar­beit in den Fave­las von Rio de Janei­ro, heu­te im Vor­stand des Welt­frie­dens­diens­tes. Die Bilanz sei­nes beweg­ten Lebens lau­tet: Ohne ent­schie­de­nes poli­ti­sches Han­deln las­sen sich die ver­stei­ner­ten Ver­hält­nis­se, die für die gro­ße Mas­se der Men­schen die­ses Pla­ne­ten kei­ne Per­spek­ti­ve bie­ten, nicht ver­än­dern. Genau­so gilt aber: Die Mit­tel des Wider­stands müs­sen am Ziel einer befrei­ten Gesell­schaft ori­en­tiert sein. Und: Befrei­ung fängt an der Basis an.

Im Anschluss an die Lesung aus der Auto­bio­gra­phie möch­ten wir mit euch und Lutz Tau­fer ger­ne dis­ku­tie­ren. Wir sind über­zeugt, dass eine Bewer­tung der Aktio­nen der RAF zunächst vor dem Hin­ter­grund der Unter­schie­de der bun­des­deut­schen Gesell­schaft und der links­ra­di­ka­len Bewe­gung Anfang der 70er Jah­re von der heu­ti­gen gesche­hen muss. Wor­in machen sich die­se Unter­schie­de fest? Wir wol­len auch dis­ku­tie­ren wor­in der eman­zi­pa­to­ri­sche Cha­rak­ter der Bewe­gung lag und an wel­chen Stel­len er ver­lo­ren ging. Was sind dabei die Fall­stri­cke bestimm­ter Akti­ons­kon­zep­te und wo sehen wir die mora­li­schen Gren­zen von Akti­ons­for­men? Wel­che Kon­se­quen­zen für die Bewe­gung für eine befrei­te Gesell­schaft zie­hen wir heu­te aus den Ereig­nis­sen und Erfah­run­gen der 70er bis 90er Jah­re? Nicht zuletzt lohnt sich vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Ver­schär­fun­gen des Straf­ge­setz­buchs eine Dis­kus­si­on über die Rück­kehr der Knast­stra­fe als Risi­ko für die lin­ke poli­ti­sche Arbeit.