»Voneinander lernen«

© Das Gegenteil von Grau

Regis­seur Mat­thi­as Coers spricht über Wohn­kämp­fe und sei­nen neu­en Film »Das Gegen­teil von Grau«.

Zur Person:

In dem Film »Das Gegen­teil von Grau«, der am 13. Juli (22.00 Uhr) im Cine K gezeigt wird, stellt der Ber­li­ner Fil­me­ma­cher Mat­thi­as Coers Initia­ti­ven zum Wohn­kampf im Ruhr­ge­biet vor. Mit dem Regis­seur, der bei der Film­vor­füh­rung anwe­send ist, sprach Peter Nowak.

Wie haben Sie den Kontakt mit den Initiativen im Ruhrgebiet hergestellt?

Mit dem Film »Mietre­bel­len« habe ich Film­ver­an­stal­tun­gen im Ruhr­ge­biet gemacht. Dort bin ich in Kon­takt gekom­men mit Akti­ven von »Recht auf Stadt Ruhr«, die vom Film sehr ange­tan waren. Gemein­sam haben wir über­legt, wie man für das Ruhr­ge­biet eine Art Bewe­gungs­film für das Recht auf Stadt machen kann. 2015 haben wir mit den Dreh­ar­bei­ten begon­nen und der Kon­takt zu den ver­schie­de­nen Grup­pen ist dann über die Stadt­ak­ti­ven vor Ort ent­stan­den. Es gab zwar schon Ver­bin­dun­gen zu den Mie­tern vom Zink­hüt­ten­platz, aber so kam dann auch die Zusam­men­ar­beit mit Frei­raum- und Tran­si­ti­on-Town-Initia­ti­ven zustan­de. Mei­ne Idee vom doku­men­ta­ri­schen Fil­men ist, Fil­me nicht über ande­re zu machen, son­dern mit ihnen. Und das ist bei die­sem Pro­jekt gut gelun­gen, denn die Fähig­kei­ten und Talen­te lie­gen ja beson­ders vor Ort.

Der Film »Mietrebellen« handelte von Berlin, wo Sie selber in der Mieterbewegung aktiv sind. War es schwierig, in einer Region einen Film zu drehen, in der Sie nicht leben?

Da ich das Ruhr­ge­biet gut ken­ne, auch sel­ber dort schon gear­bei­tet habe, und dort zudem eine offen­her­zi­ge Men­ta­li­tät herrscht, war es eher ein­fach, in einen kom­mu­ni­ka­ti­ven und fil­mi­schen Pro­zess ein­zu­tre­ten. Es geht ja auch dar­um, Initia­ti­ven, die in den Nischen der Städ­te ihre Arbeit tun, zu sam­meln und in einem Film vor­zu­stel­len. Vor­aus­set­zung dafür ist natür­lich auch die Lust der Akti­ven, sich an die­sem Pro­zess zu betei­li­gen. Schließ­lich ist es das The­ma des Films, wie jen­seits des markt­wirt­schaft­li­chen Inter­es­ses ver­ste­tigt orga­ni­siert und gear­bei­tet wer­den kann.

Wo sind die Gemeinsamkeiten der im Film vorgestellten Projekte?

Die 20 vor­ge­stell­ten Pro­jek­te enga­gie­ren sich im Ruhr­ge­biet zwi­schen Frei­raum- und Wohn­kämp­fen, in nach­bar­schaft­li­chen Gär­ten und Soli­da­ri­scher Land­wirt­schaft. Sie alle leis­ten Pio­nier­ar­beit in einer Regi­on mit star­kem Struk­tur­wan­del. Das Ruhr­ge­biet ist ent­stan­den als eine Indus­trie­ge­sell­schaft und ist heu­te eine kri­sen­haf­te Dienst­leis­tungs- und Frei­zeit­ge­sell­schaft. In den so ent­stan­de­nen Stadt­struk­tu­ren herrscht eine gewis­se Ago­nie, der von den Städ­ten mit Event­kul­tur begeg­net wer­den soll.

Welches Projekt hat Sie besonders beeindruckt?

Per­sön­lich hal­te ich die Initia­ti­ve kitev oder Refu­gees‹ Kit­chen für bei­spiel­haft, da sie es kon­ti­nu­ier­lich und mit Sicht­bar­keit schaf­fen, zusam­men mit Geflüch­te­ten und Men­schen aus ganz Euro­pa auf loka­ler Ebe­ne tem­po­rä­re wie dau­er­haf­te Resi­dence- und Arbeits­for­men zu ent­wi­ckeln.

Was können die Zuschauer von der Arbeit der Initiativen im Ruhrgebiet mitnehmen?

Es muss von­ein­an­der gelernt wer­den, um auf Dau­er gemein­schaft­li­che Raum­nut­zung wie Urban Gar­de­ning, Wohn­for­men wie Genos­sen­schaf­ten und Wagen­plät­ze oder eman­zi­pa­ti­ves Zusam­men­le­ben mit geflüch­te­ten Men­schen kon­kret zu rea­li­sie­ren.

Inter­view: Peter Nowak