Argumente, warum man gegen das G20-Treffen protestieren sollte [Teil 3]

Bild: Hendrike via Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Das Tref­fen der G20 rückt mit gro­ßen Schrit­ten näher. Aber auch die Vor­be­rei­tun­gen von Pro­tes­ten sind in vol­lem Gan­ge.
Für alle, die sich fra­gen, war­um der Pro­test gegen das Tref­fen der G20 eigent­lich sinn­voll sein kann, möch­ten wir noch ein paar Argu­men­te lie­fern.
Die Argu­men­te wur­den von einem Mit­glied des Lin­ken Forums Olden­burg erar­bei­tet und im Rah­men einer Mobi­li­sie­rungs­ver­an­stal­tung bereits vor­ge­tra­gen:

War­um soll­te man in Ham­burg auch gegen die deut­sche Regie­rung demons­trie­ren?

Z. B., weil Deutsch­land einen der größ­ten Nied­rig­lohn­sek­to­ren in Euro­pa hat. Jeder Sechs­te ist in Deutsch­land arm oder von Armut bedroht. Das belegt der gera­de ver­ab­schie­de­te Armuts- und Reich­tums­be­richt, den die Bun­des­re­gie­rung in jeder Legis­la­tur­pe­ri­ode vor­le­gen muss. Der ins­ge­samt wach­sen­de Wohl­stand geht an gro­ßen Tei­len der Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer vor­bei. Der Bericht zeigt, dass Erwerbs­lo­se (59 Pro­zent), Allein­er­zie­hen­de (43,8 Pro­zent), aus­schließ­lich gering­fü­gig Beschäf­tig­te (25,7 Pro­zent) und Leih­ar­bei­ter (17,7 Pro­zent) beson­ders häu­fig von Armut betrof­fen sind. Er belegt also auch, dass vie­le Men­schen arm sind, obwohl sie in Lohn­ar­beit sind.

Dazu passt, dass die 40 % in Deutsch­land leben­den Men­schen mit dem nied­rigs­ten Ein­kom­men seit 1990 kei­ner­lei Zuwachs an Kauf­kraft haben – trotz des viel­fach geprie­se­nen Wirt­schafts­wachs­tums.

Auch spielt die sozia­le Her­kunft in Deutsch­land eine grö­ße­re Rol­le für die gesell­schaft­li­chen Chan­cen als in den meis­ten ande­ren Län­dern. So haben sich beim Wett­lauf um die höhe­ren Bil­dungs­ab­schlüs­se die Chan­cen­ab­stän­de zwi­schen pri­vi­le­gier­ten und benach­tei­lig­ten Grup­pen seit den 80er Jah­ren ver­grö­ßert. Die Kin­der von ein­fa­chen Dienst­leis­tern und der Arbei­ter­eli­te und ins­be­son­de­re die Arbei­ter­kin­der haben trotz gestie­ge­ner Chan­cen gegen­über allen ande­ren Grup­pen an Boden ver­lo­ren. Die uni­ver­si­tä­ren Stu­di­en­chan­cen der Kin­der von Selbst­stän­di­gen mit Abitur lie­gen um das 14fache höher als die­je­ni­gen der Kin­der aus Fach­ar­bei­ter­fa­mi­li­en und sogar um das 41fache (!) höher als die­je­ni­gen der Kin­der von Unge­lern­ten. Deren Bil­dungs­kar­rie­re endet häu­fi­ger auf einer Son­der­schu­le (7 %) als auf einer Fach­hoch­schu­le oder Uni­ver­si­tät (jeweils 2 %).

Und – in Deutsch­land ent­wi­ckelt sich eine mas­si­ve Alters­ar­mut. Bereits heu­te leben die Durch­schnitts­rent­ne­rin­nen unter der Armuts­gren­ze (z.Zt. 890,- €), die Durch­schnitts­rent­ner knapp dar­über. Da die Prei­se fast jedes Jahr stär­ker stei­gen als die Ren­ten, holt die Alters­ar­mut frü­her oder spä­ter immer mehr Rentner_innen ein. Trotz der amt­li­chen fest­ge­stell­ten Alters­ar­mut mei­nen die Regie­rungs­par­tei­en, die Zahl der Armutsrentner_innen sei kein nen­nens­wer­tes Pro­blem, weil nur sehr weni­ge von die­sen die „Grund­si­che­rung im Alter“ bezie­hen. Dies liegt jedoch zum Groß­teil an der Scham der Armutsrentner_innen, Grund­si­che­rung zu bean­tra­gen. Zudem wis­sen vie­le Men­schen nichts von der Mög­lich­keit, durch die Grund­si­che­rung auf das Armuts­ni­veau von Hartz IV auf­zu­sto­cken. Das The­ma Ren­te jetzt auf ein­mal als The­ma der der­zei­ti­gen Regie­rungs­par­tei­en zu fin­den, ist mehr der anste­hen­den Bun­des­tags­wahl geschul­det als einem plötz­li­chen Erkennt­nis­ge­winn.