Bericht über die Gedenkstättenfahrt des VfB für Alle nach Auschwitz

Bewe­gen­de Gedenk­stät­ten­fahrt

Vom 2. bis zum 6. Juni ver­an­stal­te­te die Anti-Dis­kri­mi­nie­rungs­in­itia­ti­ve „Ver­eins­fuß­Ball für Alle e.V.“ eine Gedenk­stät­ten­fahrt in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz. Mit dabei war auch ein Ange­hö­ri­ger von Leo­nard Hirsch­tick, der einst zu den Gründer*innen vom VfB Olden­burg gehör­te und wegen sei­ner jüdi­schen Her­kunft von den Nationalsozialist*innen ermor­det wur­de.

Für sein her­aus­ra­gen­des Enga­ge­ment gegen Dis­kri­mi­nie­rung im Umfeld von Deutsch­lands belieb­tes­ter Sport­art Fuß­ball erhielt der Ver­ein „Ver­eins­fuß­ball für Alle e.V.“ (VfA) im Okto­ber 2015 neben zwei ande­ren Initia­ti­ven den mit 7.000 Euro dotier­ten Juli­us-Hirsch-Preis vom Deut­schen Fuß­ball-Bund. Mit­hil­fe die­ses Preis­gel­des konn­te der VfA jetzt eine ver­güns­tig­te Gedenk­stät­ten­fahrt in Koope­ra­ti­on mit Bil­dungs­rei­sen Zie­sing in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz (KZ) anbie­ten, das sich an Men­schen aus dem Umfeld des VfB Olden­burg sowie an alle ande­ren Inter­es­sier­te rich­te­te. Letzt­lich nah­men fast 30 Per­so­nen das Ange­bot wahr. Dar­un­ter befand sich auch ein Ange­hö­ri­ger von Leo­nard Hirsch­tick, der in den 1920er Jah­ren zu den Gründer*innen des VfB Olden­burg gehör­te und spä­ter im KZ Ausch­witz ums Leben kam.

Ent­set­zen­de Ein­bli­cke

Bevor die Grup­pe Hirsch­ticks ver­mut­li­chen Todes­ort besich­tig­te, stand eine Stadt­füh­rung durch die namens­ge­ben­de süd­polni­sche Klein­stadt, die auf Pol­nisch Oświęcim genannt wird. Dabei wur­de über die Geschich­te der Stadt berich­tet, deren Bevöl­ke­rung vor 1945 zur Hälf­te aus jüdi­schen Einwohner*innen bestand. Neben der frü­he­ren „Juden­gas­se“ wur­de unter ande­ren auch der jüdi­sche Fried­hof besucht. Fort­ge­setzt wur­de das Pro­gramm im soge­nann­ten Stamm­la­ger KZ Ausch­witz I. Hier gab es inter­es­san­te Ein­bli­cke dar­über, wie peni­bel die Nationalsozialist*innen ihre Ver­bre­chen doku­men­tier­ten. Bewe­gend und bedrü­ckend zudem die Anbli­cke von Orten wie der ers­ten Gas­kam­mer oder auch per­sön­li­chen Gegen­stän­den der Opfer. In einer Auf­lis­tung aller nament­lich bekann­ten Ermor­de­ten konn­te auch der Name von VfB-Mit­be­grün­der Hirsch­tick gefun­den wer­den. Mit dem Besuch des Ver­nich­tungs­la­gers in Bir­ken­au am nächs­ten Tag wur­den die Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit und die Schre­ckens­herr­schaft der Nationalsozialist*innen in ihrem unfass­ba­ren Aus­ma­ße vor Augen geführt: Es wur­de deut­lich welch erbärm­li­chen Bedin­gun­gen die KZ-Inhaf­tier­ten aus­ge­setzt waren, bevor sie getö­tet wur­den. Dar­über hin­aus wur­den auch die Umstän­de der eigent­li­chen Tötungs­ma­schi­ne­rie greif­ba­rer und sorg­ten für all­ge­mei­nes Ent­set­zen und Fas­sungs­lo­sig­keit.

Gegen das Ver­ges­sen

Den Abschluss die­ser Geden­kenstät­ten­fahrt bil­de­te dann eine Kranz­nie­der­le­gung an der sog. „schwar­zen Wand“ inner­halb des Stamm­la­gers zum Geden­ken wider dem Ver­ges­sen. Gedacht wur­de dabei den von Natio­nal­so­zia­lis­ten ermor­de­ten Mitglieder*innen des VfB Olden­burgs und allen ande­ren, die durch das Hit­ler-Regime ihr Leben ver­lo­ren. Eben­so wur­de noch das nahe gele­ge­ne Kra­kau besucht, mit einer Füh­rung durch das jüdi­sche Vier­tel, dem Besuch der Syn­ago­ge und das ehe­ma­li­ge Kra­kau­er Ghet­to in der Besat­zungs­zeit der Nationalsozialist*innen. Letzt­lich folg­te dann der Abschluss der gemein­sa­men Rei­se vor der Fabrik, in der sich Oskar Schind­ler einst dar­um bemüh­te das Leben vie­ler, jüdi­scher Mitbürger*innen zu ret­ten.