Nicht alle lieben die Bundeswehr-Big-Band

Bild: Anubis85_KH via Wikimedia Commons (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Schon fast zur Tra­di­ti­on gewor­den ist das jähr­li­che Kon­zert der Bun­des­wehr-Big-Band auf dem Rat­haus­markt. So ver­sam­mel­ten sich auch am 15. Mai Bun­des­wehr-Fans vor einer Büh­ne im Fes­ti­val­for­mat und schau­kel­ten zu Big-Band-Inter­pre­ta­tio­nen ver­schie­de­ner Musik­sti­le, wäh­rend Reser­vis­ten­ver­bän­de, Bun­des­wehr­in­sti­tu­ti­on und Schirm­herr Tho­mas Kos­sen­dey Kugel­schrei­ber ver­teil­ten oder Spen­den ein­sam­mel­ten. Unüber­seh­bar: Zahl­rei­che Feld­jä­ger auf dem Rat­haus­markt und Bereit­schafts­po­li­zei an den Zugän­gen.

Wäh­rend Eilert Free­se auf NWZon­line gar nicht mehr mit dem Jubeln auf­hö­ren konn­te und eine „gewal­ti­ge Sze­ne­rie“ beschrieb, in der bekann­te Lie­der „fan­tas­tisch inter­pre­tiert“ wur­den, der Rat­haus­platz „einer hei­ßen Dis­co­sze­ne“ glich, wäh­rend „Tau­sen­de san­gen, jubel­ten, applau­dier­ten und tanz­ten“, freu­te sich auch Bür­ger­meis­te­rin Ger­maid Eilers-Dörf­le: „Wir sind stolz, dass die­se Ver­an­stal­tung Tra­di­ti­on in Olden­burg hat.“

Dass die­ses „wir“ nicht alle ein­schließt, zeigt der Ver­ein für Kino & Kul­tur in Olden­burg Film­riß e.V.. Mit einem Auf­ruf zum Fly­er­ver­tei­len und zur „Gegen­in­for­ma­ti­on zur Mili­tär­pro­pa­gan­da“ vor dem Big-Band-Kon­zert zeig­ten eini­ge Oldenburger*innen, dass sie nicht damit ein­ver­stan­den sind, dass mili­tä­ri­sche Streit­kräf­te auf dem Rat­haus­markt Wohl­tä­tig­keits­kon­zer­te geben.

Ein Drit­tel der Spen­den des Big-Band-Kon­zerts gin­gen übri­gens an den Ver­ein „Die Bun­des­wehr hilft Kin­dern in der Drit­ten Welt e.V.“. „Blan­ker Zynis­mus“, wie Film­riß e.V. pas­send bemerkt, wenn man bedenkt, dass Hin­ter­blie­be­ne von zivi­len Opfern von Bun­des­wehr­ein­sät­zen in Afgha­ni­stan noch immer auf ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gun­gen war­ten.

Mit schein­ba­rer Selbst­ver­ständ­lich­keit ver­an­stal­tet die Bun­des­wehr seit Jah­ren teil­wei­se mehr­mals pro Jahr Musik­ver­an­stal­tun­gen aller Art in Olden­burg. Das Big-Band-Kon­zert fin­det inzwi­schen jähr­lich statt. Am 07. März spiel­te bereits das Luft­waf­fen­mu­sik­korps Müns­ter im Staats­thea­ter ein Wohl­tä­tig­keits­kon­zert.

So wie die Kon­zer­te haben jedoch auch die Pro­tes­te dage­gen eine lan­ge Tra­di­ti­on. Immer wie­der wur­den Bun­des­wehr­kon­zer­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gestört: Am 08. Mai 2011 erreich­te der Pro­test einen Höhe­punkt. Ein Kon­zert des Hee­res­mu­sik­korps aus Han­no­ver im Schloss­gar­ten wur­de von meh­re­ren hun­dert Demonstrant*innen mit Press­luft­hör­nern, Sam­b­a­bands und Zwi­schen­ru­fen mit Ankün­di­gung „zum Desas­ter“ gemacht und sorg­te für nach­hal­ti­gen Unmut bei Bun­des­wehr­fans und Marschmusikhörer*innen.
Im sel­ben Jahr stör­ten Antimilitarist*innen am 20. Juli ein Kon­zert der Big-Band mit Ban­nern und lau­ten Feu­er­werks­kör­pern. Am 06. Mai 2012 wur­de die Neu­auf­la­ge des Schloss­gar­ten-Kon­zert des Hee­res­mu­sik­korps – dies­mal auf dem Rat­haus­markt – mit Hil­fe eines lär­men­den Vogel­häus­chens unter­bro­chen.
In den letz­ten Jah­ren ebb­te der Pro­test ange­sichts gro­ßer Poli­zei­auf­ge­bo­te wie­der ab – ob dies auch für den Unmut gegen­über der star­ken Prä­senz der Bun­des­wehr im öffent­li­chen Raum gilt, ist jedoch unge­wiss.

 

Film­riß e.V. ver­an­stal­tet am 23. Mai um 19.30 Uhr im Kul­tur­zen­trum PFL den 4. Olden­bur­ger Film­tag gegen den Krieg und zeigt den Film „Haus ohne Dach“.