Wenn das Land zur Ware wird – Filmreihe zu Landraub und solidarischer Ökonomie

Mit der Veranstaltungsreihe "Wenn das Land zur Ware wird" vom 16. bis 30. März im städtischen Kulturzentrum PFL wollen wir die Folgen von Landraub und Lebensmittelproduktion unter der Logik von Agrarkonzernen und Anlagefonds zeigen. Wir stellen außerdem Bewegungen vor, die sich diesen Verhältnissen entgegen stellen.

"Kaufen Sie Land. Es wird keines mehr gemacht" Mark Twain.

"Jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist ... zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit" Karl Marx, MEW 23, S.529

 
„Landgrabbing“ bedeutet großflächige Landnahme durch Investoren, um Bodenschätze zu gewinnen oder Lebensmittel für den Export anzubauen - oft in Ländern mit ernsthaften Hungerproblemen. In Afrika landen laut Oxfam noch nicht einmal 1% dieser Erträge auf den lokalen Märkten. Täglich gehen 7000 Hektar Land (10 000 Fußballfelder) an die Agrarindustrie. Kleinbauern und indigene Bevölkerung werden von den Ländereien mit Gewalt vertrieben oder mit geringen Abfindungen abgespeist. Wenn sie nicht in die Armutsbevölkerung der Städte abwandern, erhalten sie ein mageres Stück Land, von dem sie sich kaum ernähren können. Daher sind sie auf Jobs in der Agrarindustrie angewiesen, wo sie sich mit Hungerlöhnen unterhalb des Existenzminimums abfinden müssen.

Im Unterschied zur direkten Ausbeutung zur Zeit des Kolonialismus arbeitet der heutige Kolonialismus 2.0 mit den Mitteln des Finanzmarktes, der Freihandelsabkommen und der sklavenartigen Schuldknechtschaft. Auch die Mengen-Förderpolitik innerhalb der EU lockt die Investoren an, wie die riesigen Monokulturen von Agrarmultis auf den fruchtbaren Schwarzerdeböden Rumäniens zeigen oder die Massentierhaltung in Deutschland, die das Soja von den brandgerodeten Urwaldböden Brasiliens verfüttert. Die industrielle Landwirtschaft ist mit ihrem Verbrauch an fossilen Brennstoffen und Düngemitteln dabei keineswegs effektiv: Ohne Berücksichtigung der schädlichen Folgen für das Klima, die Böden und das Grundwasser, führt jede hier eingesetzte Energieeinheit (EE) nur zu drei EE in der Ernte, während bei der kleinbäuerlichen Landwirtschaft eine für die Aussaat eingesetzte EE zu 23 Energieeinheiten bei der Ernte führt.

Weltweit haben sich Bewegungen gebildet, die der neoliberalen Logik von Agrarmultis, Investmentfonds und Lebensmittelspekulation die Stirn bieten. In Brasilien hat sich bereits 1984 die MST-Bewegung der Landlosen gegründet. Sie besetzt Land und bewirtschaftet es dann in Form von Produktionsgemeinschaften. „La Via Campesina“ ist ein weltweites Bündnis von KleinbäuerInnen und LandarbeiterInen mit Sitz in Harare, Zimbawe, das sich für Ernährungssouveränität einsetzt und für eine ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnik. In Deutschland ist die „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ angeschlossen. In Mexiko hat der zapatistische Aufstand und die Bewegung „Las Abejas“ unter der Forderung „Land und Freiheit“ Land in Selbstverwaltung erkämpft. In vielen Ländern Afrikas gilt das Prinzip des „Ubuntu“. Dies bedeutet gegenseitiger Respekt, Gemeinsinn und Teilen.

Auch in den Metropolen des Nordens gibt es viele alternative Ansätze: Lokale Netzwerke zwischen VerbraucherInnen und ökologischen ProduzentInnen, solidarische Landwirtschaft, Kollektivküchen, Reclaim-the-Fields, kommunale Gärten. Gemeinsam ist diesen Bewegungen, dass sie egalitäre Beziehungen praktizieren und eben nicht vormoderne Formen patriarchaler Familienwirschaft reproduzieren, wo lediglich der männliche Haushaltsvorstand an der geschlechtlichen Arbeitsteilung profitierte. Es geht vielmehr um Formen kollektiver Produktion und eine solidarische Ökonomie. Um Selbstermächtigung in allen unmittelbaren Fragen des „Buen Vivir“, des „Guten Lebens“, nicht nur in der Produktion von Lebensmitteln. Es geht um Formen der Allmende, des Commons, Lebensbereiche und öffentliche Güter also, die den Marktgesetzen entzogen werden.

 

Do. 09. März - Do. 30. März 2017 Ausstellung in den Foyers des PFL: "Landraub am Beispiel Chiapas" * Ölpalmen-Monokulturen * Umsiedlungsprogramme in „nachhaltige Landstädte“ * Tourismusprojekte und ihre Folgen * Aufbau solidarisch-ökologischer Alternativen

 

Donnerstag, 16. März 2017, 19.30 Uhr Film: "Wenn das Land zur Ware wird" Mex/BRD 2013, 71 Min., Regie: D. Siemers, L. Kerkeling

Der Dokumentarfilm thematisiert die Bedrohung der indigenen Gemeinden in Chiapas-Südmexiko durch Monokulturen, Infrastrukturausbau, Tourismusprojekte und Repression. Die kleinbäuerlichen Dorfgemeinschaften funktionieren bis heute auf der Basis von traditioneller Versammlungs- kultur, Selbstorganisation, Gemeinschaftsarbeit und Subsistenzwirtschaft. Ölpalmenplantagen, Autobahnen, touristische Ausflugsorte und die unter großem Druck erzwungene Zusammenfassung von Dörfern in so genannte „Landstädte“ sind nur einige Beispiele für neoliberale und technikgläubige „Entwicklungsprojekte“, die direkt oder indirekt die Lebensgrundlagen und Existenzweisen der Menschen angreifen und die Umwelt schädigen. Neben dem Widerstand der betroffenen Bevölkerungsgruppen, die für ein selbstbestimmtes Leben in Würde und im Einklang mit der Natur kämpfen und solidarische und ökologische Alternativen aufbauen, thematisiert der Film auch die Verbindungslinien zu urbanen Regionen und den KonsumentInnen im reichen Norden, denn der Hunger nach Palmfett, Agrosprit und komfortabel-exotischem Tourismus wächst weiterhin. Zu Gast: Dorit Siemers, Luz Kerkeling

 

Donnerstag, 23. März 2017, 19.30 Uhr Film: "Landraub" Österreich 2015, 90 Min. Regie: Kurt Langbein

Nach der Finanzkrise 2008 hat das globale Finanzkapital die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt. Mit dem Landraub wollen die Reichsten der Welt sich Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Welt sichern. Statt Bauern bestimmen dann Profitinteressen über die Böden. LANDRAUB portraitiert die Investoren und ihre Opfer. Ihr Selbstbild könnte unterschiedlicher nicht sein. Die einen sprechen von gesundem Wirtschaften, Sicherung der Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle. Die anderen erzählen von Vertreibung, Versklavung und vom Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen. Die Böden werden für GPS-gesteuerte Maschinen im großen Stil eingeebnet, der Verbrauch an Wasser, Chemie und Energie ist in der Agrarindustrie enorm. Eine Fläche halb so groß wie Europa wurde bereits aufgekauft, die Bauern und indigenen Völker mussten weichen. Statt Nahrung für die Region anzupflanzen, wird im großen Stil für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert. Es sind Programme der EU, die zu Megaplantagen für die Agrosprit-Erzeugung und zur Zuckerproduktion führen. Einführung: Attac - Oldenburg

 

Donnerstag, 30. März 2017, 19.30 Uhr Film: "Von Bananenbäumen träumen" D 2016, 92 Min. Regie: Antje Hubert

Drei Jahre begleitete Antje Hubert ein Dorf, das sich mit viel persönlichem Einsatz und innovativen Ideen gegen seinen schleichenden Untergang wehrt. Die Bewohner von Oberndorf wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie ihr Dorf immer mehr verwaist. Ein ehrenamtlich betriebenes Café macht den Anfang. Als jedoch die Schule geschlossen werden soll, erkennen Einheimische und Zugereiste, dass sie vor einer viel größeren Herausforderung stehen: Das Dorf muss Geld verdienen, damit die jungen Familien nicht abwandern. Mithilfe eines Projektentwicklers schmieden sie einen kühnen Plan und gründen eine Aktiengesellschaft. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Gülle, die im Überfluss vorhanden ist. Mit ihr soll eine Biogasanlage betrieben werden, die die Aufzucht afrikanischer Welse – einer wohlschmeckenden Speisefischart – und den Betrieb von Treibhäusern für exotische Früchte wie Bananen in einem abfallfreien Kreislauf möglich macht. Die Idee zündet. Doch bis die ersten Fische kommen, ist es ein weiter Weg. Zu Gast: Barbara Schubert aus Oberndorf

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