Fachschaft Philosophie gegen die Islamisierung des Abendlandes

Foto: Jasper Goslicki (CC BY-SA 4.0)

Die Fach­schaft Phi­lo­so­phie übt sich im Tabu­bruch – wohl frei nach dem AfD-Mot­to »Mut zur Wahr­heit« öff­net sie unter der Losung »Wenn›s kri­tisch wird, wird›s kri­tisch« ras­sis­ti­scher Dem­ago­gie die Pfor­ten der CvO-Uni­ver­si­tät. So soll am kom­men­den Mitt­woch Cle­mens Nacht­mann, Autor der Zeit­schrift Baha­mas, mit einem Vor­trag unter dem Titel »Ideo­lo­gie in Schwarz-Weiß. Zur Kri­tik des Anti­ras­sis­mus« Strei­chel­ein­hei­ten an die deut­sche Volks­see­le ver­tei­len. Schon der Ankün­di­gungs­text dürf­te den völ­ki­schen Mob zum Froh­lo­cken brin­gen: Mit Nacht­mann gehts auf in den Kampf gegen die »als ›Will­kom­mens­kul­tur‹ ver­mark­te­te Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung«, gegen die­se »Mischung aus isla­mo­phi­lem Kin­der­ge­burts­tag und anti­ras­sis­ti­scher Volks­front« und »alle jene Kapi­tu­lan­ten des Intel­lekts, die sich als Schön­red­ner die­ser kom­mu­ni­tä­ren Regres­si­on und der dar­in ein­be­grif­fe­nen Isla­mi­sie­rung betä­ti­gen“.

Nicht der Ras­sis­mus – nach Nacht­manns bestechen­den Ana­ly­sen »Frem­den­haß« – der deut­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft, nicht die bren­nen­den Unter­künf­te, die tau­send­fa­chen Abschie­bun­gen oder pater­na­lis­ti­sche Bevor­mun­dun­gen von Geflüch­te­ten sei­en zu pro­ble­ma­ti­sie­ren, son­dern die dro­hen­de »Isla­mi­sie­rung«, das »Umrüs­ten« Deutsch­lands zu einem »mul­ti­kul­tu­rel­len Stam­mes­ver­band« und natür­lich die Dumm­heit der Gut­men­schen:

›Ras­sis­mus‹ ist viel­mehr ein ideo­lo­gi­sches Stich­wort eines anti-ras­sis­ti­schen Rackets, das jeg­li­chen Rea­li­täts­be­zug ent­behrt, das sei­ne Mit­glie­der viel­mehr nur als Aus­weis von Gesin­nungs­fes­tig­keit und Ehr­bar­keit vor sich her­tra­gen und das ihnen als pro­ba­tes Mit­tel dient, um nach Will­kür und frei­em Ermes­sen fest­zu­le­gen, wer gera­de als „Ras­sist“ zu gel­ten hat. „Anti­ras­sis­mus“ ist die Ideo­lo­gie der fei­nen Gesell­schaft, die mit dem poli­ti­schen Islam kol­la­bo­riert und schon des­we­gen eine fle­xi­bel ein­setz­ba­re und über jeden Ver­dacht erha­be­ne, d. h. „anti­fa­schis­ti­sche“ Feinder­klä­rung gegen all jene benö­tigt, die die­se Kol­la­bo­ra­ti­on beim Namen nen­nen.

Glück­li­cher­wei­se gibt es da noch die Fach­schaft Phi­lo­so­phie, die als Ver­fech­te­rin der wah­ren Kri­tik den Ver­such unter­nimmt, aka­de­misch ver­bräm­ten PEGI­DA-Paro­len Gehör zu ver­schaf­fen. Es steht zu erwar­ten, dass die sich inzwi­schen zu einem Baha­mas-Lese­zir­kel ver­wan­del­te Fach­schaft dem­nächst auch noch Jus­tus Wert­mül­ler, den Chef­re­dak­teur und Flagg­schiff der Baha­mas nach Olden­burg bemü­hen wird, um den Femi­nis­tin­nen mal so rich­tig zu erklä­ren, dass sie nur eine »Gemein­schaft der Unbe­frie­dig­ten« sei­en.

Bleibt zu hof­fen, dass Nachtmann›s The­sen am Mitt­woch in Olden­burg der Applaus vor­ent­hal­ten bleibt, der ihm all­monta­g­lich in Dres­den gewiss wäre.

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Gerd

Sehr geehr­te Olden­bur­ger Rund­schau,
mal abge­se­hen davon, dass die­ser »Arti­kel« drin­gend eines Lek­to­rats bedürf­te: Die infa­men Behaup­tun­gen bekom­men straf­recht­li­che Rele­vanz, wenn geschrie­ben wird, dass Nacht­mann ein »ras­sis­ti­scher Dem­ago­ge« sei. Die­se Anschul­di­gung wird in kei­ner Wei­se her­ge­lei­tet oder begrün­det (eben­so­we­nig wie die Lüge, Nacht­mann kön­ne bei AfD-Anhän­gern in Dres­den auf Applaus hof­fen). Daher stellt sich die Fra­ge, war­um sie der­lei sub­stanz­lo­se und jus­ti­zia­ble Beschimp­fun­gen – übri­gens nicht ein­mal als Kom­men­tar, son­dern als »Nach­richt« im Lokal­teil – ver­öf­fent­li­chen. Die Mut­ma­ßung, dass ein Prak­ti­kant mit engen Ver­wand­schafts­be­zie­hun­gen zu ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen mal sei­nen Uni-Frust frei her­aus­schrei­ben durf­te, liegt jeden­falls nahe.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Gerd Jann­sen

tim nadel

lie­be redak­ti­on,

dan­ke für die kom­men­tie­rung die­ser häss­li­chen ver­an­stal­tung. Und ich wür­de auch unter­schrei­ben, dass Nacht­mann bei PEGIDA Applaus ern­ten wird. »Wenn ehe­ma­li­ge Lin­ke, neue Rech­te wer­den«, so der Titel das Lower­Class­Ma­ga­zin zu Jus­tus Wert­mül­lers Auf­tritt an der Uni Frank­furt, passt auch hier!

(…)

Der Link zum Arti­kel
http://lowerclassmag.com/2016/12/wenn-ehemalige-linke-neue-rechte-werden/

Hat sich denn eigent­lich mal jemand die Mühe gemacht und einen Text von Nacht­mann gele­sen? Anschei­nend nicht, denn die­ser »Arti­kel« ist kaum mehr als das übli­che lin­ke Geze­ter, gepaart mit dem fürch­ter­li­chen Paro­len­beiß­re­flex, den vor allem die Olden­bur­ger Lin­ke so gut beherrscht. Die unter­stell­te Quer­front zwi­schen Ideo­lo­gie­kri­ti­kern und Dresd­ner Pegi­da-Nazis ist nichts als die Pro­jek­ti­on der eige­nen Zustän­de, in denen sich Antio­na­tio­na­le, Anti­deut­sche, Anti­im­pe­ria­lis­tIn­nen, Queers usw. in der städ­ti­schen Pro­vinz Olden­burgs mit­ein­an­der arran­gie­ren müs­sen.

Hier ein Text von Nacht­mann:
http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web58‑3.html

@schaukel_kind

»Was heu­te fälsch­li­cher­wei­se „Ras­sis­mus“ genannt wird, hat mit die­sem nichts zu tun, son­dern ist ordi­nä­rer Frem­den­hass. (17)« Der Herr Nacht­mann weiß anschei­nend nicht im Ansatz, was Ras­sis­mus bedeu­tet. Und hat sich mit sämt­lich dazu exis­tie­ren­der For­schung ein­fach über­haupt nicht aus­ein­an­der­ge­setzt. Denn selbst in den 1990ern waren wir mit dem Begriff schon wei­ter und anti­deut­sche Kri­tik war noch was. Hier zum Ver­gleich eine Defi­ni­ti­on, die in der For­schung und von Aktivist*innen benutzt wird: »[…] Ras­sis­mus ist die Ver­knüp­fung von Vor­ur­teil mit insti­tu­tio­nel­ler Macht. Ras­sis­mus ist […] ein insti­tu­tio­na­li­sier­tes Sys­tem, in dem sozia­le, wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Bezie­hun­gen für wei­ßen Allein­herr­schafts­er­halt wir­ken.… Read more »

clara fall

Lie­ber Schorsch, du magst mit dem »Paro­len­beiß­re­flex« und der »Pro­jek­ti­on der eige­nen Zustän­de« vlt Recht haben, aller­dings muss auch gesagt wer­den, dass in der Ankün­di­gung der Ver­an­stal­tung in kei­ner Wei­se auf tie­fer­ge­hen­de Tex­te Nacht­manns ver­wie­sen wird. Damit steht die Ankün­di­gung wie sie ist. Mensch kann sie als ideo­lo­gie­kri­tisch bezeich­nen, als pro­vo­kant oder als ras­sis­tisch. Jeden­falls lese ich aus der Ankün­di­gung kei­ner­lei Abgren­zung zu Posi­tio­nen am rech­ten Rand. Die Wort­wahl, wie in der Ankün­di­gung »Anti­ras­sis­mus« kri­ti­siert wird, bedient sich zudem dem Wort­schatz rech­ter Popu­lis­ten. Ich bezwei­fel, das Nacht­mann wirk­lich hilf­reich für eine kon­tro­ver­se und pro­gres­si­ve lin­ke Debat­te um Migra­ti­ons- bzw. Flücht­lings­po­li­tik,… Read more »

Rosa

cla­ra fall: »Mensch kann sie als ideo­lo­gie­kri­tisch bezeich­nen, als pro­vo­kant oder als ras­sis­tisch.« made my day

Adrian

Lie­be Olden­bur­ger-Rund­schau,
ich glau­be sie soll­ten sich mit der anti­fa­schis­ti­schen Arbeit die Nacht­mann seit Jah­ren leis­tet befas­sen. Das sei­ne Kri­tik am Umgang mit dem Islam in Deutsch­land zwar den glei­chen Gegen­stand hat wie die Kri­tik von Rechts, aber auf etwas ande­ren hin­aus­will und auch anders argu­men­tiert über­ge­hen Sie lei­der geflis­sent­lich.

Hier etwa eine Kri­tik am Wahn der direk­ten Demo­kra­tie wie z.B AFD und co. ihn sich wün­schen:
https://www.youtube.com/watch?v=nv25_LXjz4c

http://www.clemensnachtmann.mur.at/files/PDFs/Gesellschaftstheoretische%20Aufsätze.pdf

Tom

Selbst wenn es einem gelin­gen wür­de, die fra­pie­ren­den Ähn­lich­kei­ten zwi­schen Nachtmann›s Wor­ten und den Paro­len von PEGIDA und co. aus­zu­blen­den und sei­nen Text ein­fach als pole­mi­sche Kri­tik zu bewer­ten, bleibt nach mei­ner Mei­nung fol­gen­de Haupt­aus­sa­ge ste­hen: Der heu­ti­ge »Anti­ras­sis­mus« sei schlecht, weil er die »Isla­mi­sie­rung« Deutsch­lands (»die post­na­zis­ti­sche Gesell­schaft«) schön­re­det. Bei­spie­le für eine tat­säch­li­che Isla­mi­sie­rung sind etwa die Fol­gen der ira­ni­schen Revo­lu­ti­on, die Macht­über­nah­me durch die Tali­ban in Afgha­ni­stan oder die AKP-Poli­tik in der Tür­kei, die Herr­schaft der soge­nann­ten »Rebel­len« in Syri­en oder die Hamas-Regie­rung in Gaza. Wer jedoch die Angst vor einer Isla­mi­sie­rung Deutsch­lands nicht als ras­sis­ti­schen Wahn anse­hen… Read more »

@schaukel_kind

Hier übri­gens eine alte Kri­tik aus der Baha­mas wohl­ge­son­ne­ner Per­spek­ti­ve, die sich zu lesen lohnt:
http://www.classless.org/2011/08/22/richtige-stellung-5-bahamas/

Und zu Nacht­manns »Isla­mi­sie­rung«
http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-islamisierung-faellt-aus-anmerkungen-zur-religionsdemografie-und-soziologie/