Die deutschen Mörder…

Bild: Bernd Schwabe in Hannover (CC BY-SA 3.0)

Am sel­ben Abend erreich­ten wir, unweit von Wei­mar, dem Sym­bol und Inbe­griff deut­scher Kul­tur, das Lager Buchen­wald. Hier, in einem Umkreis von weni­gen Kilo­me­tern und im Schat­ten des Todes­ge­ruchs, offen­bar­te sich die gan­ze deut­sche Geschich­te. Zwi­schen Wei­mar und Buchen­wald erfüll­te sich das Schick­sal der Deut­schen. Zwi­schen Wei­mar und Buchen­wald führ­te der Weg von der Wis­sen­schaft zur Bar­ba­rei, zur wis­sen­schaft­lich betrie­be­nen Bar­ba­rei. (…)

Rings­um Akten­schrän­ke mit Kar­tei­kar­ten sämt­li­cher Lager­in­sas­sen, aller Gefol­ter­ten, Ver­hun­ger­ten, Ermor­de­ten und Ein­ge­äscher­ten. Die ver­schie­den­far­bi­gen Kar­ten tru­gen, je nach Natio­na­li­tät, einen Buch­sta­ben – »J« für Jude, »P« für Pole, »F« für Fran­zo­se. Ver­zeich­net waren: Name, Alter, Kon­fes­si­on, Staats­an­ge­hö­rig­keit, Ras­se, Gewicht, Kör­per­grö­ße sowie Haar­far­be. Rechts oben in der Ecke stand »Todes­ur­sa­che: Lun­gen­ent­zün­dung« bezie­hungs­wei­se »Herz­schwä­che«. Es gab nur die­se bei­den Mög­lich­kei­ten.

Wäh­rend ich die Kar­tei­kar­ten durch­ging, war mir, als berühr­te ich den Tod. Ich las die Namen von Män­nern und Frau­en aller euro­päi­schen Natio­nen und Ras­sen. Ihr ein­zi­ges Ver­bre­chen hat­te dar­in bestan­den, dass sie kei­ne Deut­schen waren.

Die Kar­ten befan­den sich in einer so tadel­lo­sen Ord­nung, daß mir bei dem Gedan­ken an die­se teuf­li­sche, kalt­blü­ti­ge Mord­ma­schi­ne­rie ein Schau­der über den Rücken lief. Die deut­schen Mör­der waren sol­che Ord­nungs­fa­na­ti­ker, daß sie die­se Unter­la­gen nicht ver­nich­te­ten, bevor sie die Flucht ergrif­fen. Deut­sche den­ken sich nichts dabei, Men­schen umzu­brin­gen, aber mit Doku­men­ten wer­den sie stets sorg­sam und kor­rekt umge­hen.

 

Aus­zug aus dem Buch »Lügen­de­tek­tor – Ver­neh­mun­gen im besieg­ten Deutsch­land 1944/45« von Saul K. Pado­ver; anläss­lich des 72. Jah­res­ta­ges der Befrei­ung der letz­ten Gefan­ge­nen des Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz-Bir­ken­au durch die Rote Armee.