Zwischen Stadtrat und Zerfall – die AfD in Oldenburg

Künftig für die AfD im Oldenburger Stadtrat: Lidia Bernhardt und Christoph Brederlow Bild: recherche-nord //CC BY-NC-ND 2.0

Nach der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des neu­ge­wähl­ten Olden­bur­ger Stadt­ra­tes ist nun die AfD offi­zi­ell mit zwei Vertreter_innen in dem kom­mu­na­len Par­la­ment ver­tre­ten. Bei der Wahl am 11. Sep­tem­ber hat­ten die Rechtspopulist_innen, wel­che wegen feh­len­der Unter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten nur in vier von sechs Wahl­krei­sen antre­ten konn­te, 4,71 % der abge­ge­be­nen Stim­men erhal­ten. In abso­lu­ten Zah­len waren es 9.768 Stim­men. Bei bis zu drei Stim­men pro Wähler_in haben also min­des­tens 3.256 Oldenburger_innen ihr Kreuz bei den Nationalist_innen gemacht. Die AfD zeig­te sich den­noch ent­täuscht und kon­sta­tier­te, dass Olden­burg für die Par­tei ein schwie­ri­ges Pflas­ter sei.

Die zwei auf die AfD ent­fal­le­nen Sit­ze wer­den von der Ver­käu­fe­rin Lidia Bern­hardt und dem Natur­wis­sen­schafts­stu­den­ten Chris­toph Bre­der­low wahr­ge­nom­men. Nach der nie­der­säch­si­schen Gemein­de­ord­nung rei­chen die­se zwei Sit­ze für den Sta­tus einer Frak­ti­on, wel­cher den zwei AfD’ler_innen eben­falls den Zugang zu fünf der Stadt­rats­aus­schüs­se ermög­lich­te. Wäh­rend Chris­toph Bre­der­low bei der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung die Aus­schüs­se »Ver­kehr« sowie »Stadt­grün und Umwelt« wähl­te, ist Lidia Bern­hardt künf­tig Mit­glied der Aus­schüs­se »Pla­nen und Bau­en«, »All­ge­mei­ne Ange­le­gen­hei­ten« und – als beson­de­res Schman­kerl – im Aus­schuss »Inte­gra­ti­on« ver­tre­ten.

Dass die AfD-Ver­tre­ter_in­nen ein beson­de­res Enga­ge­ment im Rat ent­fal­ten wer­den, kann indes bezwei­felt wer­den. Bern­hardt und Bre­der­low sind poli­ti­sche Neu­lin­ge, deren Fähig­kei­ten zu stra­te­gi­schen Vor­ge­hen Vie­ler­orts in Zwei­fel gezo­gen wer­den. Gleich­zei­tig macht es den Anschein, als wenn sich der AfD-Kreis­ver­band »Stadt Olden­burg / Ammer­land« im Zer­fall befin­det. Nach­dem sich im Juni mit dem Ras­teder Mario Ols­son, wel­cher als einer der Spre­cher im Vor­stand der AfD fun­gier­te, die Nach­wuchs­hoff­nung der Olden­bur­ger AfD nach Ham­burg ver­ab­schie­de­te, kam es vor Kur­zem zum gro­ßen Krach in den Rei­hen der Nationalist_innen. An des­sen Ende stand der Abgang des Par­tei­spre­chers Ger­hard Vier­fuß, wel­cher durch die Hof­be­richt­erstat­tung der NWZ im Vor­feld der Kom­mu­nal­wahl zumin­dest eine gewis­se Bekannt­heit in der Stadt erlan­gen konn­te und so zum loka­len Gesicht der Par­tei gewor­den war. Übrig geblie­ben ist nun­mehr ein stark dezi­mier­ter Par­tei­vor­stand, der neben Bern­hardt als Schatz­meis­te­rin und Bre­der­low als Schrift­füh­rer mit Jens Ahrends und Jörg Weiß nun­mehr nur noch zwei Ammer­län­der als Spre­cher umfasst.

Die Kom­bi­na­ti­on von inter­nen Strei­tig­kei­ten, begrenzt fähi­gem Per­so­nal und ste­ti­gem anti­fa­schis­ti­schen Enga­ge­ments, wel­ches des AfD in der Regi­on ent­ge­gen­tritt, spre­chen trotz des kom­mu­na­len Wahl­er­fol­ges nicht für einen Höhen­flug der Olden­bur­ger AfD. Einen ers­ten Erfolg konn­te die AfD-Frak­ti­on den­noch schon vor Beginn der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung am 1. Novem­ber für sich ver­bu­chen – die Zeit wur­de um eine Stun­de zurück­ge­stellt.