Erinnerungspolitik beim VfB Oldenburg

Foto: VfB für Alle e.V.

Liest man in den Medi­en von Fuß­ball­fans wird oft über Gewalt und Pyro­tech­nik und somit über nega­ti­ve Erschei­nungs­for­men berich­tet. Nicht sel­ten wer­den Fans als »Chao­ten« stig­ma­ti­siert. Sozia­les Enga­ge­ment und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ar­beit hin­ge­gen ist nur sel­ten ein The­ma und das, obwohl vie­le orga­ni­sier­te Fan- und Ultra­grup­pie­run­gen maß­geb­li­chen Anteil dar­an haben, dass es im Ver­gleich zu den 1980er und 1990er Jah­ren in deut­schen Sta­di­en nur noch sel­ten zu ras­sis­ti­schen Vor­komm­nis­sen kommt.

Eine die­ser Grup­pen ist der Olden­bur­ger Fan­ver­ein VfB für Alle e.V. Hier­bei han­delt es sich um einen 2012 gegrün­de­ten Zusam­men­schluss ver­schie­de­ner Fans, der es sich zur Auf­ga­be gemacht hat im Umfeld »des VfB Olden­burg ein gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der zu schaf­fen, das frei ist von jeg­li­cher Form von Gewalt und Dis­kri­mi­nie­rung: unab­hän­gig von Natio­na­li­tät, eth­ni­scher und kul­tu­rel­ler Her­kunft, Reli­gi­on und sexu­el­ler Iden­ti­tät soll jedem Fan des VfB Olden­burg das glei­che, hohe Maß an Akzep­tanz ent­ge­gen­ge­bracht werden«(Zitat aus der Selbst­dar­stel­lung des Ver­eins).

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­wi­ckel­ten die Mit­glie­der des Ver­eins u.a. einen Maß­nah­me­ka­ta­log gegen Rechts­ex­tre­mis­mus, sie enga­gier­ten sich gegen Homo­pho­bie und mach­ten sich für eine Tri­bü­ne für Roll­stuhl fah­ren­de Men­schen stark. Außer­dem tru­gen sie maß­geb­lich zur Inte­gra­ti­on Geflüch­te­ter beim VfB bei, indem sie die­se regel­mä­ßig zu Spie­len und gemein­sa­men Ver­an­stal­tun­gen ein­lu­den. An Schu­len hal­ten die Mit­glie­der zudem regel­mä­ßig Vor­trä­ge. Für ihr Enga­ge­ment wur­den die Fans im Jahr 2015 vom Deut­schen Fuß­ball­bund mit dem Juli­us Hirsch Preis aus­ge­zeich­net. Es han­delt sich um die höchs­te Aus­zeich­nung für Anti­dis­kri­mi­nie­runs­ar­beit im Deut­schen Fuß­ball. Der Preis ist nach einem jüdi­schen Natio­nal­spie­ler benannt, der 1943 im KZ Ausch­witz von den Nazis ermor­det wur­de.

In Okto­ber und Novem­ber die­sen Jah­res setz­ten sich die Mit­glie­der des Ver­eins viel­fäl­tig mit dem The­ma Anti­se­mi­tis­mus aus­ein­an­der und orga­ni­sier­ten hier­zu eine Akti­ons­wo­che, die unter dem Mot­to »Never for­get« stand. In der Jüdi­schen Gemein­de zu Olden­burg wur­de an zwei Ter­mi­nen ein Film über die Fuß­bal­li­ga im KZ The­re­si­en­stadt (»Liga Tere­zin«) gezeigt und sich anschlie­ßend mit den Mit­glie­dern der Gemein­de aus­ge­tauscht. Außer­dem nah­men die Fans an einem his­to­ri­schen Rund­gang über jüdi­sches Leben in Olden­burg teil sowie am Erin­ne­rungs­gang, der an die Novem­ber­po­gro­me 1938 erin­nert. Damit ein­her­ge­hend wur­de im Marsch­weg­sta­di­on eine Chroeo­gra­fie prä­sen­tiert (»VfB Fans gegen Anti­se­mi­tis­mus«).

Für das kom­men­de Jahr haben sich die Fans vor­ge­nom­men, sich inten­si­ver mit der Rol­le des VfB Olden­burg im Natio­nal­so­zia­lis­mus aus­ein­an­der­set­zen. Nach der Mach­über­nah­me durch die Nazis for­der­ten eini­ge Ver­eins­mit­glie­der des VfB Olden­burg den Aus­schluss des Ver­eins­grün­ders Leo­nard Hirsch­tick. Es kam zu einer hit­zi­gen Debat­te. Da sich der dama­li­ge Ver­eins­prä­si­dent vom VfB für Hirsch­tick aus­sprach, konn­te die­ser zunächst wei­ter für Olden­burg spie­len. Unbe­kannt bleibt jedoch bis heu­te, wel­ches Schick­sal ihn sowie den ande­ren jüdi­schen Mit­glie­dern anschlie­ßend ereil­te. Über Hirsch­tick ist bekannt, dass er 1943 von den Nazis in Ausch­witz ermor­det wur­de.

In Anbe­tracht des­sen ist unter ande­rem eine Gedenk­stät­ten­fahrt nach Ausch­witz vor­ge­se­hen. Hier­für bit­ten die Ver­eins­mit­glie­der gegen­wär­tig um Spen­den, um die Fahrt auch jün­ge­ren Fans zu ermög­li­chen. Hier­bei gibt es zwei Mög­lich­kei­ten den Ver­ein zu unter­stüt­zen: Es kann ein Fest­be­trag in Höhe von 150 Euro über­wie­sen wer­den, um eine Per­son unter 18 Jah­ren bzw. mit gerin­gen Ein­kom­men zu unter­stüt­zen (Betreff: Unter­stüt­zung Gedenk­stät­ten­fahrt) oder ein Betrag nach Wahl (Betreff: För­de­rung Gedenk­stät­ten­fahrt). Auf Wunsch kön­nen Zuwen­dungs­be­schei­ni­gun­gen aus­ge­stellt wer­den, wenn dies per Mail (info@vfbfueralle.de) mit­ge­teilt wird.

Spen­den kön­nen auf das fol­gen­de Kon­to über­wie­sen wer­den:
Ver­eins­fuß­Ball für Alle e.V. IBAN:DE91 2806 1822 3886 0988 00 BIC: GENODEF1EDE