Situation im Lager Blankenburg kommt auf den Tisch

Am Sams­tag, 29. Okto­ber, fand in Blan­ken­burg eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung zur aktu­el­len Situa­ti­on im Klos­ter Blan­ken­burg statt. Eini­ge der Gebäu­de dort waren im Novem­ber 2015 als Auf­nah­me­ein­rich­tung des »Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge« wie­der in Betrieb genom­men wor­den und beher­ber­gen zeit­wei­se bis zu 600 Geflüch­te­te.

Von der Stadt Olden­burg weit abge­schie­den, blie­ben die von büro­kra­ti­schen Schi­ka­nen bestimm­ten Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen, die teil­wei­se mona­te­lang in Blan­ken­burg unter­ge­bracht sind, von der Öffent­lich­keit bis­her weit­ge­hend unbe­ach­tet.

Wie groß das Inter­es­se der Behör­de ist, dass die­ses Unwis­sen dar­über andau­ert, zeig­te sich im Sep­tem­ber, als eini­ge Bewohner*innen der Ein­rich­tung eine Hand­voll Oldenburger*innen zu sich ein­lu­den, um ihnen ihre Unter­kunft zu zei­gen und sich aus­zu­tau­schen: als die Sicher­heits­kräf­te des Lagers den Besuch bemerk­ten, stürm­ten sie in das pri­va­te Zim­mer, in dem sie sich befan­den und war­fen die Besucher*innen »unter Andro­hung von Gewalt« vom Gelän­de.

Die Lei­tung der Sam­mel­un­ter­kunft bzw. das Bun­des­amt ging danach noch wei­ter: wohl wegen der Befürch­tung, es hät­te sich Pro­test gegen die Bedin­gun­gen in Blan­ken­burg ent­wi­ckeln kön­nen, wur­den in den nächs­ten drei Wochen nahe­zu sämt­li­che Per­so­nen, die sich mit den Oldenburger*innen getrof­fen hat­ten, in ent­le­gends­te Ort­schaf­ten Nie­der­sach­sens zwangs­trans­fe­riert, d.h. sie erhiel­ten die Auf­for­de­rung, inner­halb von weni­gen Tagen in bestimm­te Geflüch­te­ten­un­ter­künf­te im Süd­os­ten Nie­der­sach­sens umzu­zie­hen.

 

Aus­tausch über die Bedin­gun­gen in Blan­ken­burg

Um nun sowohl die­sen in hohem Maße men­schen­ver­ach­ten­den Umgang der Behör­de mit den Per­so­nen, die ledig­lich ver­sucht hat­ten, sich mit ande­ren über ihre eige­nen Lebens­um­stän­de zu ver­stän­di­gen, öffent­lich zu machen und um einen Raum zu schaf­fen, an dem schließ­lich über die Rea­li­tät in Blan­ken­burg gespro­chen wer­den konn­te, luden eini­ge Geflüch­te­te sowie Unterstützer*innen am letz­ten Sams­tag spon­tan zu einer Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung in unmit­tel­ba­rer Nähe der Unter­kunft ein. Aus berech­tig­ter Angst vor wei­te­ren Repres­sio­nen war es ihnen aller­dings nicht mög­lich, die Ver­an­stal­tung im Vor­hin­ein zu bewer­ben.

Nach­dem die Band »Revo­lu­ti­on R« und die Artist*innen Jol­ly & Ron­ja ein unter­halt­sa­mes Nach­mit­tags­pro­gramm gelie­fert hat­ten, zu dem etwa 100 Men­schen erschie­nen waren, die nun mit Kaf­fee, Tee und war­men Spei­sen einen nahe­zu fei­er­lich-soli­da­ri­schen Nach­mit­tag ver­brach­ten, konn­te gegen Abend ein Ple­num zu den Bedin­gun­gen und Per­spek­ti­ven der Bewohner*innen statt­fin­den.

 

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Und da durch die Anwe­sen­heit von ver­schie­de­nen Übersetzer*innen sicher­ge­stellt war, dass sich alle Inter­es­sier­ten an der Dis­kus­si­on betei­li­gen konn­ten, wur­den ein­an­der vie­le ver­schie­de­ne und ein­drucks­vol­le Per­spek­ti­ven berich­tet und dis­ku­tiert. Dabei ging es vor allem um Erfah­run­gen der Men­schen mit dem Asyl­sys­tem und ins­be­son­de­re um die Lage der Men­schen in Blan­ken­burg.

Dass es drin­gen­den Hand­lungs­be­darf sei­tens der Betreiber*innen der Unter­kunft gibt, war den Geflüch­te­ten in die­ser Run­de bereits mehr als klar. Die im fol­gen­den Bild doku­men­tier­ten For­de­run­gen, die in der Run­de um noch wei­te­re For­de­run­gen ergänzt wur­den, wer­den am heu­ti­gen Mitt­woch an die Olden­bur­ger Landespolitiker*innen Susan­ne Men­ge und Filiz Polat (bei­de: Grü­ne) sowie an den Lei­ter der Auf­nah­me­ein­rich­tung, Herrn Siems, über­ge­ben.

Neben der The­ma­ti­sie­rung der For­de­run­gen bleibt nun zu erwar­ten, dass bei die­sem Tref­fen auch deut­lich gemacht wird, dass die tota­le Über­wa­chung sowie über­zo­ge­ne, wie sub­ti­le For­men der Repres­si­on gegen­über Bewohner*innen – und auch Zwangs­trans­fe­rie­run­gen – in Blan­ken­burg und über­all sofort been­det wer­den müs­sen.

 

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wei­te­re Ver­öf­fent­li­chun­gen zu die­sem The­ma:

 

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kori

wie schön dass sich end­lich wie­der etwas bewegt!
nicht über­ra­schend aber trotz­dem erwäh­nens­wert ist die ähn­lich­keit der gegen­wär­ti­gen for­de­run­gen der bewohner*innen blan­ken­burgs mit denen von vor 10 jah­ren. eigent­lich ziem­lich deckungs­gleich zumin­dest in mei­nen erin­ne­run­gen…