Katarina Taikon’s »Katitzi«

»Kat­it­zi! Kat­it­ziiii!« »Wo steckt die­ses Kind bloß wie­der? Ewig muß man hin­ter ihr her­lau­fen und sie suchen!« Fräu­lein Lar­son war sehr auf­ge­regt. Seit fünf­und­zwan­zig Jah­ren lei­te­te sie die­ses Kin­der­heim, aber noch nie hat­te sie solch ein unmög­li­ches Kind wie Kat­it­zi hier gehabt.

So fängt das Buch »Kat­it­zi« an, unschwer am „Fräu­lein“* ist das Alter der Geschich­te zu erken­nen, »Frö­ken« in der Ori­gi­nal­spra­che Schwe­disch. Die Olden­bur­ger KIBUM (Kin­der- und Jugend­buch­mes­se) mit dem The­ma »Schwe­den«, war der Anlass für den Freun­des­kreis für Sin­ti und Roma in Olden­burg e.V. über die schwe­di­sche Roma­ak­ti­vis­tin und Kin­der / Jugend­buch­au­torin Kata­ri­na Taikon zu berich­ten. Die Roman­fi­gur Kat­it­zi, zusam­men mit den inter­na­tio­nal bekann­ten wie Nils Hol­gers­son oder Pip­pi Lang­strumpf, war eine der wich­tigs­ten Figu­ren der schwe­di­schen Kin­der­li­te­ra­tur. Hun­dert­tau­sen­de von Kin­dern und Erwach­se­nen haben das Buch in Schwe­den gele­sen. Im Jahr 1980 zum Bei­spiel, wur­de das Buch 432.000 Mal aus den Biblio­the­ken aus­ge­lie­hen. Kata­ri­na Taikon hat neben ihren 13 Büchern alle mög­li­chen Medi­en (Schall­plat­te, 6 tei­li­ge Fern­seh­se­rie, (VHS, DVD), Comics, Bil­der­bü­cher usw.) und Über­set­zun­gen in Frank­reich, Deutsch­land, Nor­we­gen, Däne­mark, Ungarn und Rumä­ni­en her­aus­ge­bracht.

In Schwe­den gibt es seit eini­gen Jah­ren mehr Medi­en­öf­fent­lich­keit wegen der ver­stärk­ten »Frem­den­feind­lich­keit«: dar­un­ter auch das Erin­nern an die Bür­ger­rechts­ar­beit die­ser Frau. Im Herbst 2012 erreg­te Lawen Moh­tadis Buch über Kata­ri­na Taikon: »Der Tag, als ich frei wur­de«, sehr viel Auf­merk­sam­keit in den Medi­en. Es folg­te 2015 der Film „Taikon“, wo Moh­tadi Co-Autorin und -regis­seu­rin war. Er wird gera­de im schwe­di­schen Fern­se­hen und im Kino gezeigt und lief auch im Euro­päi­schen Par­la­ment. Taikons Bücher wer­den wie­der neu auf­ge­legt und haben für Pädagog_innen zahl­rei­che Hand­rei­chun­gen für den Unter­richt.

Kata­ri­na Taikon erfuhr im Jahr 1963 die ers­te Auf­merk­sam­keit mit ihrem ers­ten Buch „Zige­n­ers­ka‚ (Zigeu­ne­rin) in der schwe­di­schen Öffent­lich­keit. Mit ihrer poli­ti­schen und lite­ra­ri­schen Arbeit kämpf­te sie für die Rech­te der Roma in Schwe­den zusam­men mit ihrer Schwes­ter Rosa Taikon und vie­len ande­ren. Als Aus­druck der Dis­kri­mi­nie­rung durf­te sich  die Fami­lie sich an kei­nem Ort län­ger auf­hal­ten als drei Wochen, bevor die Poli­zei oder Nach­barn sie zwang den Ort zu ver­las­sen. Durch das erzwun­ge­ne, wenig roman­ti­sche Dau­er­rei­sen konn­ten die wenigs­ten schwe­di­schen Roma lesen und Schrei­ben. Auch wur­den sie in den Schu­len nicht gern gese­hen. Kata­ri­na hat auch erst mit 26 Jah­ren die­se wich­ti­gen Fer­tig­kei­ten erlernt und das so gut, dass neben den auto­bio­gra­fi­schen Büchern vie­le poli­ti­sche Pam­phle­te, Arti­kel und Bücher über die Lage der schwe­di­schen Roma (teil­wei­se in einem eige­nen Ver­lag) erschien.

Die Haupt­for­de­rung nach einer Schul­bil­dung und Recht auf eine Woh­nung ver­band damals vie­le Roma und Unter­stüt­zer aus Kul­tur und Poli­tik. Roma soll­ten end­lich als Teil der schwe­di­schen Gesell­schaft gel­ten.

Die Buch­rei­he »Kat­it­zi« war auch ein wich­ti­ges Bei­spiel für die neue Art der rea­lis­ti­schen Kin­der- und Jugend­li­te­ra­tur in den 1970er Jah­ren und hat eine weib­li­che Haupt­fi­gur, was nicht selbst­ver­ständ­lich war.

 

Aus­stel­lung vom 6. – 15. Novem­ber 2016
Täg­lich von 9.30 – 12.30 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr in der Katha­ri­nen­stra­ße 1

Sonn­tag, 6.11., Mitt­woch, 9.11., Don­ners­tag 10.11. und Frei­tag, 11.11. 2016
jeweils 15.00 Uhr Vor­le­sun­gen mit Puse Schrö­der aus den über­setz­ten Kat­it­zi Büchern

Don­ners­tag, 10.11., 19.00 Uhr, Kino­la­den, Wall­str. 24
»Kata­ri­na Taikon und ihre Kat­it­zi-Bücher« Vor­trag mit Film­clips von Ute Wol­ters, AG Jugend­li­te­ra­tur und Medi­en der GEW Ber­lin

Sams­tag, 12.11.2016, 15.00 Uhr
Thea­ter­Werk­statt Kalasa­hy (Puse Schrö­der, Julia Rit­ter­hoff) mit dem Stück »Ein wun­der­schö­nes Ei«. Das Huhn Gak­ki­ta kann kei­ne Eier legen und ihre Schwes­tern machen sich dar­über lus­tig. Eines Tages fin­det Gak­ki­ta ein ganz beson­de­res Ei. Als sie beschliesst es aus­zu­brü­ten, fängt das Aben­teu­er an…

* Hier erkämpf­te die Frau­en­be­we­gung eine Ände­rung: Am 16. 2. 1971 schafft die BRD die Anre­de „Fräu­lein“ im Amts­deutsch ab.