Partisan Fernando Cavazzini »Toni« ist gestorben

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In der Nacht von Don­ners­tag, den 27. Okto­ber, auf Frei­tag ist Fer­nan­do Cavazz­i­ni in Reg­gio Emi­lia im Alter von 93 Jah­ren gestor­ben.
Fer­nan­do Cavazz­i­ni wur­de am ­23. Sep­tem­ber 1923 in Reg­gio Emi­lia gebo­ren. Sein Vater war Schus­ter, sei­ne Mut­ter Haus­frau und Tage­löhnerin. Sei­ne Schul­zeit beschränk­te sich auf 5 Jah­re, fort­an ver­such­te er zu arbei­ten. Mit 14 stand er jeden Mor­gen vor dem Arbeits­amt, um einen Job bei »Reg­gia­ne« zu ergat­tern. Sei­ne Hart­nä­ckig­keit zahl­te sich aus, er wur­de ein begeis­ter­ter und tech­nisch inter­es­sier­ter Arbei­ter der wich­tigs­ten Waf­fen­fa­brik der Regi­on. »Ehr­lich gesagt, ich war katho­lisch und ging in die Kir­che. Arbei­ten und Kir­che, das war alles für mich, ich war nie an Poli­tik inter­es­siert.«
Dann begann der Krieg. Im Früh­jahr gab es Streiks bei der »Reg­gia­ne«, Freun­de von Cavazz­i­ni wur­den dabei fest­ge­nom­men. »Von da an begann ich nach­zu­den­ken: Was mach­te ich da wirk­lich? Ich arbei­te­te Tag und Nacht dar­an, die Kriegs­pro­duk­ti­on zu stei­gern, wäh­rend der Krieg Men­schen töte­te.«
Als Anfang März 1944 bekannt wur­de, dass sich eine Par­ti­sa­nen­for­ma­ti­on in der Gegend auf­hielt, zogen Fer­nan­do Cavazz­i­ni, sein Freund Coc­chi und fünf wei­te­re los in die Ber­ge und schlos­sen sich den Partisan_innen an. Sie leg­ten sich Deck­na­men zu: Cavazz­i­ni war fort­an ›Toni‹, ande­re nann­ten sich ›Lupo‹, ›Pol­ve­re‹ oder ver­wen­de­ten abge­wan­del­te Namen ihrer Freun­din­nen.
Spä­ter wur­de Toni Lei­ter der Sabo­ta­ge­ein­heit »Demo­nio«. Die Grup­pe sabo­tier­te sämt­li­che Bahn­stre­cken im Reg­gia­no und spreng­te vie­le Brü­cken in der Ebe­ne und in der Berg­re­gi­on.
Im Früh­ling 1945 war in Ita­li­en der Krieg vor­bei. Ein­ein­halb Jah­re ­Wider­stand in den Ber­gen hat­ten Tonis Leben ver­än­dert. Er woll­te sich wei­ter für eine ande­re Gesell­schaft ein­set­zen. So lern­te er das Bau­hand­werk und grün­de­te eine Koope­ra­ti­ve. Für die­ses Vor­ha­ben ern­te­te er erst ein­mal viel Spott, schließ­lich lag die Wirt­schaft am Boden und vie­le waren arbeits­los. Aber sein Maurer­kollektiv setz­te sich durch. Als er in Ren­te ging, umfass­te es über 600 Arbeiter_innen und Ange­stell­te.

Toni war auch seit mehr als zwan­zig Jah­ren eng mit dem isto­re­co, dem Insti­tut zur Erfor­schung und Doku­men­ta­ti­on der Resis­ten­za in der Regi­on Reg­gio Emi­lia, ver­bun­den. Er wirk­te als Zeit­zu­ge und beglei­te­te u.a. Men­schen aus Deutsch­land auf Wan­de­run­gen, den Sen­tie­ri Par­ti­gia­ni.

Mat­thi­as Durch­feld und Nico Gui­det­ti dreh­ten 2013 einen Film über Tonis Leben und die Sen­tie­ri Par­ti­gia­ni, Sabo­ta­to­ri. Wei­te­re Infos zu dem Film fin­den sich auf resistenza.de. Einen Trai­ler des Films gibt’s hier:

Der Film kann im Info­la­den roter strumpf aus­ge­lie­hen wer­den.

Mit Mate­ri­al von www.resistenza.de