Geflüchtete aus Blankenburg zwangstransferiert

Demo während des Streiks von Geflüchteten aus Blankenburg 2006

Die Grup­pe Geflüch­te­te aus Blan­ken­burg und Freun­din­nen und Freun­de aus Olden­burg berich­ten, dass in den letz­ten zwei Wochen über zehn Geflüch­te­te aus der Sam­mel­un­ter­kunft Blan­ken­burg zwangs­trans­fe­riert wur­den. Mit­te Sep­tem­ber waren sie bei der Aus­stel­lung we will rise in der Kul­tur­eta­ge gewe­sen und hat­ten sich am 11.09.2016 mit Freund_innen aus Olden­burg in Blan­ken­burg getrof­fen. Als bei einer Besu­che­rin ein Fly­er für die Aus­stel­lung gefun­den wur­de, drang die Secu­ri­ty unge­fragt ins pri­va­te Zim­mer ein, in dem Men­schen aus Blan­ken­burg und Olden­burg zusam­men­sa­ßen. Die Besucher_innen wur­den unter Andro­hung von Gewalt raus­ge­wor­fen.

In den fol­gen­den vier Wochen wur­den nahe­zu alle betei­lig­ten Per­so­nen aus Blan­ken­burg trans­fe­riert; alle an Orte, die am ande­ren Ende Nie­der­sach­sens lie­gen und extre­me Iso­la­ti­on bedeu­ten. Fri­da Schulz sag­te dazu: »Wir haben uns als Freun­din­nen und Freun­de aus Blan­ken­burg und aus der Stadt getrof­fen und uns auch über die Lebens­si­tua­ti­on der Men­schen in Blan­ken­burg aus­ge­tauscht. Wir alle emp­fin­den die Zwangs­trans­fers als einen Ver­such, die­sen Aus­tausch früh­zei­tig zu unter­bin­den.«

Die Geflüch­te­ten hat­ten in Gesprä­chen gefor­dert, dass sich die Miss­stän­de in Blan­ken­burg ändern müs­sen. Sie kri­ti­sier­ten unter ande­rem das Ver­bot elek­tro­ni­scher Gerä­te (wie Fern­se­her, Koch­plat­ten etc.)und das Ver­bot sel­ber zu kochen; die feh­len­de Ach­tung der Pri­vat­sphä­re, da die Secu­ri­ty jeder­zeit unge­fragt die Zim­mer betritt; das Arbeits­ver­bot; die Ungleich­be­hand­lung der Men­schen beim Trans­fer auf­grund ihrer Her­kunft; und eine unzu­rei­chen­de Gesund­heits­ver­sor­gung.

»Jetzt wer­den wir gegen unse­ren Wil­len trans­fe­riert. Natür­lich wol­len wir raus aus Blan­ken­burg, aber nicht ans ande­re Ende von Nie­der­sach­sen, aufs Land, in die Iso­la­ti­on. Dau­ernd wird uns gesagt, wir sol­len uns inte­grie­ren. Und gleich­zei­tig ver­hin­dert die Aus­län­der­be­hör­de jede Mög­lich­keit der Teil­ha­be. Das nennt man Dop­pel­mo­ral«, so Antoi­ne Kou­a­mé*.

Oli­vi­er Dio­man­de* ergänzt: »Es gibt vie­le Pro­ble­me im Lager. Am schlimms­ten ist die stän­di­ge Angst, mit der wir jeden Tag leben müs­sen; und jede Nacht, weil es sein kann, dass sie dich holen, um dich abzu­schie­ben. Die­se stän­di­ge Bedro­hung macht einen krank. Das muss sich ändern!«

*Name aus Angst vor Repres­si­on geän­dert