»Es wäre das Schlimmste, was passieren könnte…«

 Zum kom­men­den Refe­ren­dum und dem bewaff­ne­ten Kon­flikt in Kolum­bi­en

Kolum­bi­en steht vor einem Refe­ren­dum zu den Frie­dens­ver­hand­lun­gen zwi­schen der FARC-EP und der Regie­rung San­tos. Es steht nichts weni­ger auf dem Spiel, als eine poli­ti­sche Per­spek­ti­ve jen­seits des seit Jahr­zehn­ten bru­tal aus­ge­tra­ge­nen bewaff­ne­ten Kon­flikts, der sei­ne Ursprün­ge bis weit in das frü­he 20. Jahr­hun­dert hat. Seit Novem­ber 2012 ver­han­del­ten die mar­xis­ti­sche Gue­ril­la und die kon­ser­va­ti­ve Regie­rung um eine poli­ti­sche Lösung für den andau­ern­den bewaff­ne­ten Kon­flikt. Die Frie­dens­de­le­ga­ti­on, die neben Mit­glie­dern der Gue­ril­la, auch aus Akti­vis­tIn­nen der sozia­len Bewe­gun­gen bestand, leg­te ein 100-Punk­te Pro­gramm zur Lösung eines der Kern­an­lie­gen der aus Bau­ern­auf­stän­den ent­stan­de­nen Gue­ril­la vor: Der Land­fra­ge1.

Zur Geschich­te des bewaff­ne­ten Kon­flikts
Der bewaff­ne­te Kon­flikt datiert zurück auf die 1960er Jah­re2, in denen inspi­riert durch die kuba­ni­sche Revo­lu­ti­on eine Viel­zahl von Gue­ril­la­grup­pen in Kolum­bi­en ent­stand. Die Band­brei­te reich­te von der gue­va­ris­tisch-befrei­ungs­theo­lo­gi­schen ELN, über die mao­is­ti­sche EPL, der fokis­ti­schen Stadt­gue­ril­la M-19, bis hin eben zur FARC-EP, die sich anläss­lich eines blu­ti­gen Feld­zugs der dama­li­gen Fren­te Nacio­nal (his­to­ri­sche Ein­heits­re­gie­rung der Kon­ser­va­ti­ven und Libe­ra­len nach dem Bür­ger­krieg) gegen die auto­no­me Bau­ern­be­we­gung 1964 als bewaff­ne­te Selbst­ver­tei­di­gungs­mi­liz grün­de­te. Der Fokus der kolum­bia­ni­schen Lin­ken auf den bewaff­ne­ten Kampf hat dabei sei­nen Aus­gangs­punkt in einer ganz spe­zi­fisch latein­ame­ri­ka­ni­schen poli­ti­schen Kon­stel­la­ti­on: Die Exis­tenz einer in Dynas­ti­en das Land beherr­schen­den in der Regel wei­ßen, spa­nisch-stäm­mi­gen und im Wes­ten aus­ge­bil­de­ten Olig­ar­chie, die ihre Fort­set­zung in Groß­grund­be­sit­zern auf dem Land fin­det. Die tra­di­tio­nell vor­han­de­ne Sche­re zwi­schen Olig­ar­chie und brei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung – ins­be­son­de­re der Land­ar­bei­ter­schaft – wur­de umso immenser aus­ein­an­der­ge­trie­ben durch die rigo­ro­se Imple­men­tie­rung der Chi­ca­go-School-Poli­tik3 und zahl­rei­che Frei­han­dels­ab­kom­men, die die Märk­te mit US-ame­ri­ka­ni­schen Expor­ten flu­ten und eine eigen­stän­di­ge öko­no­mi­sche Ent­wick­lung unter­gra­ben. Der Grad der sozia­len Ungleich­heit ist in Kolum­bi­en so hoch wie in weni­gen Län­dern der Welt und eine gewerk­schaft­li­che Ver­tre­tung der zahl­rei­chen Nied­rig­lohn­sek­to­ren durch jah­re­lan­ge Tötungs- und Repres­si­ons­po­li­tik gegen­über jeder gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sie­rung fak­tisch non-exis­tent. Die Opfer des soge­nann­ten Schmut­zi­gen Krie­ges, die die kolum­bia­ni­sche Olig­ar­chie seit den 80er Jah­ren mit Hil­fe von Para­mi­li­tärs gegen die Gue­ril­las, aber auch gegen jeder ande­ren Art lin­ker Orga­ni­sie­rung führ­te, waren in aller Regel arme Land­ar­bei­te­rIn­nen, die von Para­mi­li­tärs mit Mas­sa­kern und Gräu­el­ta­ten sys­te­ma­tisch ver­trie­ben wur­den. Pro­fi­tiert haben die tra­di­tio­nel­len Land-Eli­ten, die nun­mehr einen Groß­teil des bäu­er­li­chen Land­be­sit­zes kon­trol­lie­ren und eng mit den mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen in deren Nut­zung kol­la­bo­rie­ren, d.h. die­se vor­ran­gig auf den Export nach Wes­ten aus­rich­ten, statt einer eigen­stän­di­gen Land­ent­wick­lungs­po­li­tik nach­zu­ge­hen. Zu den gra­vie­ren­den sozia­len Ver­hee­run­gen, die die kolum­bia­ni­sche Olig­ar­chie damit zu ver­ant­wor­ten hat, kommt ihre his­to­ri­sche und aktu­el­le enge Kol­la­bo­ra­ti­on mit den USA als de fac­to Satel­lit. Sei es in punc­to his­to­ri­schem Anti­kom­mu­nis­mus, in der Kolum­bi­en immer wie­der zum Aus­gangs­punkt und Pilot-Pro­jekt für Coun­ter-Insur­gen­cy-Pro­gram­me gegen jede Form lin­ker Bewe­gun­gen wur­de, oder aber heut­zu­ta­ge als mili­tä­ri­scher und poli­ti­scher Brü­cken­kopf gegen die lin­ken Regie­run­gen in Vene­zue­la, Ecua­dor und Boli­vi­en.

Inter­ven­tio­nis­mus und Para­mi­li­ta­ris­mus
Der schil­lern­de Namen die­ser Inter­ven­ti­ons­po­li­tik lau­te­te in neue­rer Zeit Plan Colom­bia (2000), in dem eine ver­stärk­te Finan­zie­rung und Auf­rüs­tung des kolum­bia­ni­schen Mili­tärs vor­ge­se­hen war – neben einer seit 2009 aus­ge­bau­ten mili­tä­ri­schen Prä­senz der US-Armee im Land selbst mit 7 Mili­tär­ba­sen. Unlängst ist bekannt, dass ins­be­son­de­re ex-Prä­si­dent Alva­ro Uri­be in der Zeit sei­ner Regie­rung mit die­sen Gel­dern den Para­mi­li­ta­ris­mus der AUC um den Grund­be­sit­zer Car­los Casta­no finan­zier­te und orga­ni­sier­te. Es gehört zu den Bin­sen­weis­hei­ten bür­ger­lich-reak­tio­nä­rer Poli­tik die­se Art von faschis­ti­schen Todes­schwa­dro­nen nach belie­ben auf und abzu­rüs­ten – die Hydra zu päp­peln und ihr zu gege­be­ner Zeit mal einen ihrer unzäh­li­gen Köp­fe abzu­schla­gen, um sich mit blan­ker Wes­te vor die Öffent­lich­keit stel­len zu kön­nen. So behaup­te­te Uri­be nach dem rät­sel­haf­ten Tod Casta­nos und der »offi­zi­el­len Demo­bi­li­sie­rung« der AUC 2006, den Para­mi­li­ta­ris­mus erfolg­reich bekämpft und das Pro­blem beho­ben zu haben. Mit­nich­ten, wie die kolum­bia­ni­sche Lin­ke wei­ter­hin schmerz­voll erfah­ren muss. Die tra­di­tio­nell mit dem Dro­gen­han­del4 in Kolum­bi­en eng ver­bun­de­nen para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pie­run­gen – nach der Auf­lö­sung der AUC zu einer unüber­sicht­li­chen Gemenge­la­ge an Klein­grup­pen und Ban­den gewor­den – sind nach wie vor ent­ge­gen der Beteue­run­gen im Regie­rungs­la­ger als poli­ti­sche Todes­schwa­dro­ne aktiv und sind per­so­nell und poli­tisch eng mit der kolum­bia­ni­schen Ultra-Derecha5 ver­floch­ten.

Dies zeigt sich nicht zuletzt an den aktu­el­le­ren Ent­wick­lun­gen: Nach­dem im Mai 2016 die Ver­hand­lungs­par­tei­en in Havan­na schließ­lich eine Eini­gung in den Frie­dens­ver­hand­lun­gen erzie­len konn­ten, begann die Ultra-Rech­te um den ex-Prä­si­den­ten Alva­ro Uri­be mit mas­sen­haf­ter Mobi­li­sie­rung für ein Nein im anste­hen­den Refe­ren­dums-Wahl­kampf. Flan­kiert wur­den die­se Mobi­li­sie­run­gen mit einer wie­der ver­schärft ein­set­zen­den Tötungs­pra­xis gegen­über sozia­len Bewe­gun­gen und lin­ken Grup­pie­run­gen durch para­mi­li­tä­ri­sche Grup­pie­run­gen. So zähl­ten enga­gier­te Oppo­si­tio­nel­le bereits bis April die­sen Jah­res 115 poli­tisch moti­vier­te Mor­de an orga­ni­sier­ten Akti­vis­tin­nen in den letz­ten Jah­ren. Die Stra­te­gie hin­ter die­ser Pra­xis bleibt iden­tisch mit ihrem his­to­ri­schen Auf­tre­ten: Es soll ver­hin­dert wer­den, dass die Gue­ril­la oder ande­re lin­ke und popu­lä­re Akteu­re gestal­tend auf die Gesell­schaft ein­wir­ken und damit eine poli­ti­sche Ver­än­de­rung ins­be­son­de­re im öko­no­mi­schen und mili­tä­ri­schen Sek­tor her­bei­füh­ren könn­ten. Ergo sind es bestimm­te Tei­le der in Kolum­bi­en herr­schen­den Olig­ar­chie, die kein Inter­es­se an einem Frie­den haben, da er ihre tra­di­tio­nel­len Pri­vi­le­gi­en gefähr­den könn­te. Eben die­se Kräf­te ste­hen tra­di­tio­nell im Bünd­nis mit den para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pen – finan­zie­ren und bewaff­nen sie – schaf­fen eine poli­ti­sche Lob­by für ihre mör­de­ri­sche Pra­xis.

Die Inter­es­sen hin­ter den Frie­dens­ver­hand­lun­gen
Dass ein ande­rer Teil der Olig­ar­chie, um die Libe­ra­len und den kon­ser­va­ti­ven Prä­si­den­ten San­tos offen ist für Frie­dens­ver­hand­lun­gen, hat sei­nen Grund in einer ver­än­der­ten Hal­tung der USA und der mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne gegen­über dem bewaff­ne­ten Kampf. Die Hoff­nung der Regie­rung, der USA und der Mul­tis sind deckungs­gleich und betref­fen einen mög­li­chen Zugriff auf bis­lang auf­stän­di­sche Gebie­te und deren öko­no­mi­scher Erschlie­ßung. Bis­lang sind von der Gue­ril­la kon­trol­lier­te Gebie­te in Kolum­bi­en Risi­ko­ka­pi­tal, da die FARC-EP, umso stär­ker noch die klei­ne­re Gue­ril­la-Orga­ni­sa­ti­on ELN regel­mä­ßig Öl-Pipe­lines sabo­tie­ren, Anla­gen angrei­fen und Füh­rungs­kräf­te der Mul­ti-Unter­neh­men ent­füh­ren. Eine mög­li­che Ent­waff­nung der Rebel­len­grup­pen wäre aus die­ser Per­spek­ti­ve ein win-win: Ein Ende des bewaff­ne­ten Kon­flikts mit einem mög­li­chen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung durch den mas­si­ven Aus­bau bestimm­ter Indus­trie­sek­to­ren. Natür­lich hat auch die­ser Teil der Olig­ar­chie kein Inter­es­se an einer Ver­än­de­rung der herr­schen­den Ver­hält­nis­se. Dies zeigt sich nicht zuletzt dar­an, dass San­tos den natio­na­len Streik der Cam­pe­si­nos6 vor eini­gen Mona­ten blu­tig mit unzäh­li­gen Toten von den bewaff­ne­ten Poli­zei­ein­hei­ten der ESMAD nie­der­schla­gen ließ, nach­dem deren Orga­ni­sa­tio­nen mit der Regie­rung ver­ein­bar­te aber von die­ser nie umge­setz­te Refor­men ein­for­der­ten.

Si a la Paz oder Fort­set­zung der bewaff­ne­ten Kam­pa­gne?
So hin­ter­las­sen die Ergeb­nis­se der Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Havan­na – trotz ihrer Erfol­ge, beson­ders in punc­to Frau­en- und LGBTI-Rech­te – einen faden Bei­geschmack. Nicht weni­ge Lin­ke im Land befürch­ten die Wie­der­ho­lung eines Phä­no­mens, das bei meh­re­ren his­to­ri­schen Frie­dens­pro­zes­sen immer wie­der ein­setz­te: Eine Ent­waff­nung der Gue­ril­la, ein Mas­sa­ker durch Para­mi­li­tärs an ihren lega­len Struk­tu­ren und damit ihre Neu­tra­li­sie­rung und/oder Inte­gra­ti­on in den neo-libe­ra­len Kon­sens des poli­ti­schen Main­streams. Ers­te­res geschah his­to­risch im Zuge der Frie­dens­ver­hand­lun­gen zwi­schen FARC-EP und der Regie­rung Betan­cur in den 80er Jah­ren mit dem lega­len poli­ti­schen Arm der Gue­ril­la Uni­on Patrio­ti­ca (UP), deren Mit­glie­der mas­sen­haft von Todes­schwa­dro­nen hin­ge­rich­tet wur­den7. Die his­to­ri­sche Auf­lö­sung und Demo­bi­li­sie­rung der EPL und M-19 dahin­ge­gen führ­te zu einer Inte­gra­ti­on die­ser Grup­pen in ver­schie­de­ne Tei­le des Estab­lish­ments und Staats­ap­pa­rats8. So ist es kaum ver­wun­der­lich, dass die klei­ne­re Gue­ril­la-Grup­pe ELN sich bis­lang aus den Frie­dens­ver­hand­lun­gen her­aus­hält und eine skep­ti­sche­re Posi­ti­on gegen­über dem kolum­bia­ni­schen Staat ein­nimmt.

So bekun­det auch die ELN in einem kürz­lich via You­tube ver­öf­fent­lich­ten Kom­mu­ni­qué Inter­es­se an einem Frie­dens­pro­zess, poin­tiert jedoch glei­cher­ma­ßen her­aus: »Ein Ende des Krie­ges in Kolum­bi­en wird dann erreicht, wenn die Regie­rung San­tos gewillt ist, einen struk­tu­rel­len Wan­del vor­zu­neh­men (…)« Ihrer Mei­nung nach steht eine poli­ti­sche Lösung wei­ter­hin aus, da kei­ne Basis für eine sol­che gege­ben ist. Coman­dan­te Nico­las Rodri­guez Bau­tis­ta führt aus: »Ers­tens hält die kolum­bia­ni­sche Regie­rung eine Hal­tung der Gewalt gegen­über popu­lä­ren Kämp­fen auf­recht. (…) Zwei­tens erkennt die kolum­bia­ni­sche Regie­rung die Vor­schlä­ge die­ser Kämp­fe nicht an. (…) Drit­tens ist das Phä­no­men des Para­mi­li­ta­ris­mus nicht ver­schwun­den, son­dern exis­tiert unver­än­dert mit star­ker Prä­senz fort (…) Vier­tens ist das kolum­bia­ni­sche Wahl­sys­tem (…) kor­rupt und kli­en­te­lis­tisch (…) es ist ein Sys­tem des Zwangs und der Waf­fen, dass der Lin­ken und der popu­lä­ren Klas­se den Zugang ver­wei­gert (…) Die gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen heu­te blei­ben die glei­chen, die den bewaff­ne­ten Auf­stand von Anbe­ginn an moti­vier­ten»9.

Dem­ge­gen­über setzt die FARC-EP, der Polo Demo­cra­ti­co Alter­na­tivo, Mar­cha Patrio­ti­ca und ein gro­ßer Teil der sozia­len Bewe­gun­gen, Gewerk­schaf­ten und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen in Kolum­bi­en auf den Frie­dens­pro­zess als einen mög­li­chen ers­ten Schritt einer sozia­len Trans­for­ma­ti­on der Ver­hält­nis­se oder zumin­dest als einen Aus­gangs­punkt für einen zu füh­ren­den poli­ti­schen Kampf, den der bewaff­ne­te Kon­flikt in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren zuneh­mend ver­un­mög­licht hat. Ein wei­te­rer Punkt dürf­te sein, dass die para­mi­li­tä­ri­sche Auf­stands­be­kämp­fungs­stra­te­gie unter Uri­be der Gue­ril­la mas­si­ven Scha­den zuge­fügt und die­se zurück­ge­drängt hat, sodass Olig­ar­chie und Gue­ril­la heu­te in einer Art mili­tä­ri­schen Patt-Situa­ti­on am Ver­hand­lungs­tisch sit­zen. Trotz der Gefah­ren sieht man sei­tens der FARC-EP das Poten­zi­al in einer mög­li­chen mas­sen­haf­ten Mobi­li­sie­rung der Bevöl­ke­rung, den Ein­be­zug eines gro­ßen Teils der Bevöl­ke­rung in den Frie­dens­pro­zess und einer mög­li­chen Post-Kon­flikt-Pha­se. Ein mög­li­ches schei­tern des Frie­dens­pro­zes­ses wird dahin­ge­gen von dem ein­fluss­rei­chen FARC-Gue­ril­le­ro Car­los Anto­nio Soza­da fol­gen­der­ma­ßen kom­men­tiert: »Es wäre das Schlimms­te, was pas­sie­ren könn­te. Ich will mir gar nicht vor­stel­len, was das mit unse­rem Volk anrich­ten wür­de. Wer ver­han­delt, dem ist es erlaubt, den Krieg aus einem ande­ren Blick­win­kel zu sehen und zu erken­nen, dass wir unse­re Anstren­gun­gen ver­viel­fa­chen müs­sen, um ihn zu been­den. Kei­ne der kom­men­den Genera­tio­nen von Kolum­bia­nern soll einen sol­chen Krieg noch ein­mal durch­lei­den müs­sen»10.

Zuerst erschie­nen auf www.lowerclassmag.com.


  1. Die For­de­run­gen in Spa­nisch im Genau­en ein­seh­bar: http://www.pazfarc-ep.org/index.php/pages/desarrollo-agrario-integral↩
  2. Eini­ge Ana­lys­ten gehen noch wei­ter zurück in der kolum­bia­ni­schen Geschich­te und bezie­hen den his­to­ri­schen Kon­flikt der Libe­ra­len und Kon­ser­va­ti­ven (die soge­nann­te Vio­len­cia), der in den 40er Jah­ren des 20. Jhts. eben­falls in Form eines Gue­ril­la­krie­ges aus­ge­tra­gen wur­de und zur Grün­dung unab­hän­gi­ger Bau­ern­re­pu­bli­ken führ­te, in den heu­ti­gen bewaff­ne­ten Kon­flikt mit ein, da die blu­ti­ge Nie­der­schla­gung eben die­ser Bau­ern­re­pu­bli­ken mit Hil­fe des US-Impe­ria­lis­mus die Grün­dung der FARC zei­tig­te.↩
  3. Chi­ca­go-School bezeich­net der wis­sen­schaft­li­che Think-Tank um den Öko­no­men Mil­ton Fried­man, der ver­ant­wort­lich zeigt für die neo­li­be­ra­le Wirt­schafts­agen­da: »In der wirt­schafts­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on meint ‚Chi­ca­go‘ die Über­zeu­gung von der Effi­zi­enz frei­er Märk­te im Hin­blick auf Res­sour­cen­al­lo­ka­ti­on, Skep­sis gegen­über Staats­ein­grif­fen in die Wirt­schaft und die Beto­nung der Quan­ti­täts­theo­rie des Gel­des für die Infla­ti­on« (Fried­man 1974). Imple­men­tiert wur­de die­se Agen­da unter star­ker Mit­wir­kung der USA in gesamt Latein­ame­ri­ka, am bru­tals­ten aber im faschis­ti­schen Pino­chet-Regime in Chi­le.↩
  4. Grund­sätz­lich haben sämt­li­che poli­ti­sche For­ma­tio­nen in Kolum­bi­en in irgend­ei­ner Form Kon­tak­te zum Dro­gen­han­del und sei es nur auf nied­rigs­ter Ebe­ne in Form von Ein­zel­per­so­nen, da es sich um eines der lukra­tivs­ten Geschäf­te han­delt, wes­halb z.B. ein Teil der Land­ar­bei­ter­schaft bevor­zugt Koka zum Lebens­un­ter­halt anbaut. Es han­delt sich hier­bei um kei­ne Nega­tiv­wer­tung durch den Autor, son­dern um ein Teil der Ana­ly­se: In sys­te­ma­ti­scher Wei­se und auf höchs­ter Ebe­ne haben im Beson­de­ren der Para­mi­li­ta­ris­mus und sei­ne Anhän­ger eine enge Geschich­te mit den Nar­cos um das Medel­lin- und Cali-Kar­tell und ihren heu­ti­gen Nach­fol­gern. Die Dro­gen­bos­se waren in den ver­gan­ge­nen 3 Jahr­zehn­ten an der Ermor­dung und den Kampf gegen die Gue­ril­las an vor­ders­ter Front invol­viert. (Sie­he: Zelik, Raul / Azzel­li­ni, Dario (1999) »Kolum­bi­en – Gro­ße Geschäf­te, staat­li­cher Ter­ror und Auf­stands­be­we­gung«)↩
  5. Ultra-Derecha ist die in Kolum­bi­en übli­che Bezeich­nung für die dem Para­mi­li­ta­ris­mus nahe­ste­hen­den Grup­pie­run­gen und Par­tei­en. Ihrer Funk­ti­on nach neh­men sie die Rol­le faschis­ti­scher Grup­pie­run­gen und Par­tei­en ein, sind jedoch was ideo­lo­gi­sche Tra­di­ti­on und Aus­druck angeht grund­sätz­lich ver­schie­den von der euro­päi­schen Tra­di­ti­on. Sie wird in Kolum­bi­en maß­geb­lich reprä­sen­tiert von Uri­bes Cen­tro Demo­cra­ti­co.↩
  6. Cam­pe­si­no ist die in Kolum­bi­en übli­che Bezeich­nung für die Ein­woh­ner der länd­li­chen Gebie­te Kolum­bi­ens und nicht not­wen­di­ger­wei­se der kolum­bia­ni­schen Land­ar­bei­ter. Im Bezug zum paro nacio­nal ist die Land­ar­bei­ter­schaft gemeint.↩
  7. Je nach Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen und poli­ti­scher Aus­rich­tung der Ana­lys­ten geht man von 3000 – 5000 umge­brach­ten Polit-Akti­vis­tIn­nen bis Ende der 80er Jah­re aus. Sogar bür­ger­li­che, men­schen­rechts­po­li­ti­sche Ana­ly­sen (die in einer extre­mis­mus­theo­re­ti­schen Art und Wei­se den Kon­flikt betrach­ten) gehen davon aus, dass 58% der Mas­sa­ker im Kon­flikt von para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pie­run­gen, d.h. de fac­to vom kolum­bia­ni­schen Staat, began­gen wur­den; In die­ser kon­ser­va­ti­ven Zahl sind die­sem Nar­ra­tiv fol­gend noch nicht die offi­zi­el­len Mas­sa­ker des Staa­tes ent­hal­ten. (Sie­he: »Bas­ta Ya! Colom­bia: Memo­ri­as de Guer­ra y Digni­dad« (2013) Cen­tro Nacio­nal de Memo­ria His­to­ri­ca)↩
  8. Nach­ge­zeich­net in Zelik, Raul / Azzel­li­ni, Dario (1999) »Kolum­bi­en – Gro­ße Geschäf­te, staat­li­cher Ter­ror und Auf­stands­be­we­gung«↩
  9. https://www.youtube.com/watch?v=6eIg7w1IAJs (ver­öf­fent­licht am 17.07.2016). Wie­der­ge­ge­ben in sinn­ge­mä­ßer Über­set­zung.↩
  10. Zuerst im Frei­tag ver­öf­fent­lich­tes und von Kolum­bien­in­fo doku­men­tier­tes Inter­view. https://kolumbieninfo.noblogs.org/post/2016/08/04/interview-mit-carlos-antonio-lozada/↩