Diakonie Niedersachsen – Gute Arbeit nicht nur für Gotteslohn

Die­ser Arti­kel ist der Auf­takt einer Rei­he zum The­ma loka­le Arbeits­kämp­fe. In loser Fol­ge möch­te ich in der Olden­bur­ger Rund­schau Arti­kel ver­öf­fent­li­chen, die über aktu­el­le Ereig­nis­se in die­sem Feld berich­ten und dar­über hin­aus zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis von Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Arbeits­welt bei­tra­gen sol­len. Ich wür­de mich freu­en, wenn Leser_innen zukünf­tig Hin­wei­se und eige­ne Bei­trä­ge bei­steu­ern, damit kri­ti­sche, aktu­el­le und sub­jek­ti­ve Bezü­ge stär­ke­re Berück­sich­ti­gung in die­ser Rei­he fin­den.

Tarif­aus­ein­an­der­set­zung bei der Dia­ko­nie

Mitarbeiter_innen dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen haben es natür­lich längst mit gekriegt – heu­te, am 6. Sep­tem­ber, begin­nen die Ver­hand­lun­gen znm Tarif­ver­trag der Dia­ko­nie Nie­der­sach­sen. Mitarbeiter_innen der Dia­ko­nie arbei­ten im Olden­bur­ger Land z.B. im Bereich der Jugend­hil­fe, in Kin­der­ta­ges­stät­ten, päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­schen Ein­rich­tun­gen, in Kran­ken­häu­sern, Alten-, Woh­nungs­lo­sen- und Behin­der­ten­hil­feein­rich­tun­gen oder in einer der vie­len Bera­tungs­stel­len des dia­ko­ni­schen Wer­kes im Olden­bur­ger Land.

Der evan­ge­li­sche Wohl­fahrts­ver­band Dia­ko­nie Nie­der­sach­sen hat 2014 mit der Gewerk­schaft ver.di erst­mals einen Tarif­ver­trag abge­schlos­sen. Er regelt die Arbeits­be­din­gun­gen, also die Fra­gen der Arbeits­zeit, des Urlaubs, des Ent­gelts und der Zula­gen. Das Zustan­de­kom­men die­ses Tarif­ver­tra­ges gilt inner­halb der Gewerk­schaft als klei­ne Sen­sa­ti­on, war es doch bis dahin inner­halb kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen üblich, im Umgang mit den Mitarbeiter_innen einen sog. „drit­ten Weg“ zu gehen – arbeits­ver­trag­li­che Bedin­gun­gen wer­den in arbeits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen beschlos­sen, in denen sowohl Arbeit­ge­ber- und Arbeitnehmervertreter_innen sit­zen. Ein Streik­recht kennt man dort nicht. Statt­des­sen wer­den soge­nann­te „koope­ra­ti­ve“ Kon­flikt­lö­sungs­ver­fah­ren ein­ge­setzt, in die die Gewerk­schaf­ten ein­ge­bun­den wer­den müs­sen. Auch der neue Tarif­ver­trag hat erst ein­mal mit dem Streik­recht nichts zu tun. Er ist auf Kon­sens hin ori­en­tiert. In Streit­fäl­len will man zunächst auf die sog. Schlich­tung set­zen, die Beleg­schaft kann jedoch im Extrem­fall auf Streik set­zen.

Es ist im Arbeits­le­ben üblich, dass alle Arbeitnehmer_innen – auch die, die nicht in einer Gewerk­schaft sind – tarif­lich ver­ein­bar­te Leis­tun­gen bekom­men. Trotz­dem müs­sen die­se natür­lich erst erstrit­ten, also z.B. in Arbeits­kämp­fen durch­ge­setzt wer­den. Außer­dem gilt: Wer nicht Mit­glied der Gewerk­schaft ist, hat kei­nen Rechts­an­spruch auf Leis­tun­gen aus dem Tarif­ver­trag.

So weit – so gut: Für die ca. 32.000 nie­der­säch­si­schen Beschäf­tig­ten gilt der aktu­el­le Tarif­ver­trag bis zum 30. Sep­tem­ber d.J. (Lauf­zeit). In der nun anste­hen­den Tarif­run­de geht es dar­um, die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten deut­lich zu ver­tre­ten. Von ver.di als Ver­tre­te­rin der Beschäf­tig­ten wer­den zunächst fol­gen­de For­de­run­gen auf­ge­stellt: 6 % mehr Gehalt, die Erhö­hung der Ver­gü­tung für Aus­zu­bil­den­de um 80,- €, die Erhö­hung des Nacht­zu­schla­ges auf 25 % je Stun­de sowie die Anhe­bung des Ent­gel­tes für Berufseinsteiger_innen, um die Attrak­ti­vi­tät der Beru­fe zu erhö­hen.

Nun ist die For­de­rung nach einer 6 %igen Stei­ge­rung der Gehäl­ter nicht über­trie­ben mutig für den Anfang – könn­ten doch die sozi­al-pfle­ge­ri­schen Beru­fe alle­samt eine Erhö­hung ihrer Attrak­ti­vi­tät durch kräf­ti­ge Lohn­stei­ge­run­gen gebrau­chen. Bedenkt man dazu noch, dass im Bereich der dia­ko­ni­schen Tarif­aus­ein­an­der­set­zung Kon­flik­te lie­ber geschlich­tet als aus­ge­tra­gen wer­den, ist bei den Vor­her­sa­gen über den Aus­gang der anste­hen­den Ver­hand­lun­gen kein über­trie­be­ner Opti­mis­mus ange­bracht. Und doch – noch ist nicht aller Tage Abend! Es liegt auch an den Beschäf­tig­ten, das ihre zu tun, den For­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen. Beob­ach­ten wir den Pro­zess also wei­ter, ich blei­be dran am The­ma – und freue mich über Zuschrif­ten und Bei­trä­ge, die die­se Aus­ein­an­der­set­zung aus den unter­schied­lichs­ten Per­spek­ti­ven beleuch­ten und ver­ständ­lich machen.

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