- Oldenburger Rundschau - https://www.oldenburger-rundschau.de -

Ehemalige Gaststätte »Steffmann« kurzfristig besetzt

Am Abend des 2. Sep­tem­ber wur­de die ehe­ma­li­ge Gast­stät­te »Steff­mann« besetzt. Das in der Kur­wick­stra­ße gele­ge­ne Haus wur­de schon vor drei Jah­ren kurz­zei­tig besetzt, die Besit­ze­rin erklär­te dar­auf­hin das Gebäu­de teil­wei­se sanie­ren und ver­mie­ten zu wol­len. Dies ist bis heu­te nicht gesche­hen und war Anlass für die erneu­te Beset­zung.
In den spä­ten Abend­stun­den wur­de das Gebäu­de von der Poli­zei geräumt.

Hier nun die Erklä­rung der Besetzer_innen:

Moin, Moin, Eure freund­li­chen Hausbesetzer_innen von neben an mel­den sich mal wie­der. Und wir sind ver­dammt sau­er!

Wir sind sau­er dar­über, dass es nicht ver­hin­dert wer­den konn­te, dass alter­na­ti­ve Wohn- und Kul­tur­pro­jek­te in Olden­burg die letz­ten Jah­re sys­te­ma­tisch aus dem Stadtin­ne­ren ver­drängt oder wie im Fall des „Haus Frie­dens­bruch“ kom­plett zer­stört wur­den.
Wir sind sau­er dar­über, dass trotz einer Fül­le an lee­ren Häu­sern in Olden­burg die Mie­ten für vie­le kaum be- oder unbe­zahl­bar sind.

Wir sind sau­er, weil es neben dem Wohn­raum­man­gel, auch an Räu­men für Kul­tur für den klei­nen Geld­beu­tel fehlt, für Ver­an­stal­tun­gen ohne gro­ßes Bud­get. An Räu­men, in denen sich Men­schen tref­fen und selbst ver­wirk­li­chen kön­nen, abseits von Leis­tungs­zwang und kapi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tungs­lo­gik. In denen Träu­me geträumt und aus­pro­biert wer­den dür­fen und kön­nen.

Die­se Pro­ble­me fin­den sich nicht nur in Olden­burg. Auch in vie­len ande­ren Städ­ten sind unkom­mer­zi­el­le und alter­na­ti­ve Wohn- und Kul­tur­pro­jek­te von einer ver­fehl­ten Stadt­po­li­tik betrof­fen und in ihrer Exis­tenz bedroht. Sei es das Haupt­zoll­amt in Müns­ter, die Kadt­er­schmie­de in Ber­lin oder das Alte Sport­amt in Bre­men. Daher haben wir uns ent­schie­den nach drei Jah­ren erneut die ehe­ma­li­ge Gast­stät­te Steff­manns zu beset­zen und das Gebäu­de wie­der mit Leben zu fül­len.

Nach sechs jäh­ri­gem Leer­stand und Ver­fall des Gebäu­des gab die Eigen­tü­me­rin gegen­über der NWZ nach der letz­ten Beset­zung bekannt, sie wol­le „[d]ie Wohn­räu­me im Ober­ge­schoss […] reno­vie­ren und für eine Stu­den­ten-Wohn­ge­mein­schaft zur Ver­fü­gung stel­len“ (NWZ 05.11.2013).

Dies ist bis heu­te — wei­te­re drei Jah­re spä­ter — nicht gesche­hen. Auch sonst ist mit dem Gebäu­de nichts gesche­hen, was auf eine sinn­vol­le Nut­zung hin­wei­sen wür­de. Dadurch erweist sich die Eigen­tü­me­rin in unse­ren Augen nicht als geeig­net, die­ses Gebäu­de zu ver­wal­ten.

»Wo Häu­ser leer ste­hen, obwohl sie von den Bürger_innen einer Stadt gebraucht wer­den, kann kein Haus­frie­den gebro­chen wer­den. Denn wo kein Leben ist, kann es auch kei­nen Frie­den geben.«

 

steffmanns_02