Die Stimme der Frauen der Welt muss bis hierher zu hören sein…

Bild: Leyla Cimen

Auf Ein­la­dung der kur­di­schen Frau­en­grup­pe »Koma Sara« (Oldbg./Aurich) berich­te­te die Bre­me­rin Ley­la Cimen am ver­gan­ge­nen Sams­tag im Frei­zeit­zen­trum Fris­bee über die 2. »Welt­frau­en­kon­fe­renz der Basis­frau­en« in Nepal vom 13. – 18. März d.J.

Die Geschich­te der »Welt­frau­en­kon­fe­renz der Basis­frau­en« begann vor 10 Jah­ren nach Abschluss der 4. UN-Frau­en­kon­fe­renz in Peking. Vie­le Frau­en hoff­ten hier zunächst noch auf einen gemein­sa­men Auf­bruch zuguns­ten von Frau­en- und Men­schen­rech­ten. Die Wirt­schafts­kri­sen in Asi­en, Bra­si­li­en und Russ­land zeig­ten hin­ge­gen, dass Frau­en wei­ter­hin die Ver­lie­re­rin­nen sind: Sie wer­den zuerst ent­las­sen und rut­schen in den infor­mel­len Sek­tor ab. Die Zahl der allein­er­zie­hen­den und des­halb in höchst pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen leben­den Frau­en wächst welt­weit, ohne dass die Regie­run­gen in Nord und Süd Anstren­gun­gen unter­näh­men, die­se Frau­en, die noch mehr als ande­re von den nega­ti­ven Wirt­schafts­ent­wick­lun­gen betrof­fen sind, abzu­si­chern und ihre Aus­stat­tung mit Rech­ten zu för­dern. Beson­de­re Aspek­te der Frau­en­men­schen­rech­te wie z.B. der zuneh­men­de Skla­vin­nen­han­del u.a. auch in Euro­pa, die Ver­ge­wal­ti­gung von Frau­en im Krieg und auf der Flucht und ande­re The­men hat­ten in der UN-Frau­en­kon­fe­renz nur einen gerin­gen Stel­len­wert. Stark kri­ti­siert wird zudem die Rol­le der NGO´s, der Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich für den Geschmack vie­ler all zu sehr als Lob­by­is­ten der Inter­es­sen ihrer Trä­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­ste­hen.

Dies alles führ­te letzt­end­lich zu Grün­dung der Bewe­gung der »Welt­frau­en­kon­fe­renz der Basis­frau­en« im März 2011 in Vene­zue­la. Basis­frau­en sind Frau­en, die kei­ne Macht habe – und trotz­dem etwas bewe­gen wol­len. Für die­se Gegen­ver­an­stal­tung zur UN-Frau­en­kon­fe­renz gel­ten die Prin­zi­pi­en der Über­par­tei­lich­keit, der Beschluss­fas­sung und Streit­kul­tur auf demo­kra­ti­sche Wei­se sowie der finan­zi­el­len Unab­hän­gig­keit. Die Kon­fe­ren­zen sol­len nur die Höhe­punk­te einer enge­ren inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit sein. Die wich­tigs­te Kri­te­ri­en sind, ob sie die Frau­en­be­we­gung in allen Län­dern stär­ken und eine nach­hal­ti­ge Koor­di­nie­rung für Infor­ma­ti­on, Zusam­men­ar­beit und gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung schaf­fen.

Die 2. Welt­frau­en­kon­fe­renz in Nepal stand unter dem star­ken Ein­druck des Erd­be­bens, dass im April 2015 gro­ße Schä­den ange­rich­tet und vie­le Todes­op­fer gefor­dert hat. Trotz­dem in der Haupt­stadt Kath­man­du auch ein  Jahr spä­ter noch vie­le Men­schen in Behelfs­un­ter­künf­ten leben, es nach wie vor an Nah­rung, Was­ser und ärzt­li­cher Ver­sor­gung man­gelt, konn­te mit Unter­stüt­zung vie­ler Men­schen die Ein­la­dung der nepa­le­si­schen Basis­frau­en ange­nom­men und die lan­ge vor­be­rei­te­te Kon­fe­renz abge­hal­ten wer­den. Über 2000 Frau­en aus 48 Län­dern sowie etli­che Män­ner nah­men an der Eröff­nungs­de­mons­tra­ti­on am 13. März teil. In den wei­te­ren Tagen dis­ku­tier­ten und arbei­te­ten 560 Teil­neh­me­rin­nen in ver­schie­de­nen Work­shops zu The­men wie »Frau­en­be­we­gung und Femi­nis­mus«, »Kapi­ta­lis­mus und Unter­drü­ckung von Frau­en«, »Frau­en in Frei­heits­kämp­fen«, »Jun­ge Frau­en und ihre Teil­nah­me an Frau­en­be­we­gung und Poli­tik« und »Bekämp­fung von sexu­el­ler Gewalt gegen Frau­en im Krieg und auf der Flucht«.

Die Welt­frau­en­kon­fe­renz will kämp­fe­ri­sche Basis­frau­en und ihre Orga­ni­sa­tio­nen aus der gan­zen Welt mobi­li­sie­ren, sich mit den Kämp­fen der Frau­en in allen Län­dern soli­da­ri­sie­ren und sich zu einer nach­hal­ti­gen inter­na­tio­na­len Bewe­gung ent­wi­ckeln. So haben sich die Basis­frau­en bereits auf drei gemein­sa­me Akti­ons- und Kampf­ta­ge geei­nigt – den 8. März (Inter­na­tio­na­ler Frau­en­tag), den 1. Mai (Inter­na­tio­na­ler Tag der Arbeiter_innenbewegung) und den 25. Novem­ber (Gedenk­tag für die Opfer von Gewalt an Frau­en und Mäd­chen).

Die Unter­stüt­zung der Kämp­fe in der kur­di­schen Regi­on Rojava/Syrien haben für die Welt­frau­en­kon­fe­renz ein beson­de­re Bedeu­tung, da dort nicht nur »ein Kampf gegen die Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung von Frau­en, son­dern ein Brenn­punkt des welt­wei­ten Kamp­fes für Frei­heit und Demo­kra­tie und für die Ver­wirk­li­chung der Befrei­ung der Frau war«. So wur­de auch auf der Ver­an­stal­tung im Fris­bee an die kur­di­schen Akti­vis­tin­nen Saki­ne Can­siz, Ley­la Söy­lemez und Fidan Dogan erin­nert, die im Janu­ar 2013 in Paris ermor­det wur­den.

2021 soll die nächs­te Welt­frau­en­kon­fe­renz statt­fin­den. Viel­leicht fin­den sich bis dahin ja auch noch ein paar Basis­frau­en aus Olden­burg, die sich in ihrem Kampf für welt­weit glei­che Rech­te und Mög­lich­kei­ten durch eine sol­che inter­na­tio­na­le Begeg­nung ermu­ti­gen las­sen möch­ten.