Negativpreis für ALDIs Michpreis-Dumping

Foto: ALSO

Am gest­ri­gen Diens­tag bekam der Dis­coun­ter ALDI in Olden­burg die Ver­är­ge­rung von Milchbäuer_innen und Verbraucher_innen zu spü­ren. Auf dem Schloss­platz in Olden­burg fand eine Kund­ge­bung zur Infor­ma­ti­on der Verbraucher_innen statt. Orga­ni­siert wur­de die­se von »Slow Food Youth Olden­burg«, mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Milchbäuer_innen des »Bun­des­ver­ban­des deut­scher Milch­vieh­hal­ter« (BDM), der »Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft« (AbL) und der »Arbeits­lo­sen­selbst­hil­fe Olden­burg« (ALSO).

Ein Ver­tre­ter des Dis­coun­ters soll­te danach bei der Filia­le in Ostern­burg für das mas­si­ve Milch­preis­dum­ping von ALDI einen »gol­de­nen Aas­gei­er« und einen offe­nen Brief ent­ge­gen neh­men. Der Lebens­mit­tel­rie­se woll­te jedoch nie­man­den emp­fan­gen und ver­wei­ger­te auch die Annah­me des offe­nen Brie­fes. Die Orga­ni­sa­tio­nen ver­lan­gen dar­in von ALDI, die Bil­lig­an­ge­bo­te der Mol­ke­rei­en zurück­zu­wei­sen und die­se statt des­sen auf­zu­for­dern, kurz­fris­tig einen Bonus zur Men­gen­brem­se ein­zu­füh­ren.

»Wir müs­sen run­ter vom Zuviel an Milch, das den Preis nach unten drückt. ALDI muss sei­nen Teil der Ver­ant­wor­tung dazu wahr­neh­men. Erhö­hen Sie den Milch­preis und stel­len Sie den Mehr­er­lös voll­stän­dig für einen Milch­fonds bereit, der den Höfen zu Gute kommt, die ihre Milch­men­ge redu­zie­ren und damit einen akti­ven Bei­trag zur Lösung der Kri­se leis­ten«, heißt es in dem offe­nen Brief.

Slow Food Youth beton­te: »ALDI steht sym­bo­lisch für alle Super­märk­te, die Milch zu solch nied­ri­gen Prei­sen ver­scher­beln und damit die Exis­tenz­grund­la­ge so vie­ler Bau­ern und Bäue­rin­nen gefähr­den. Die nied­ri­gen Prei­se müs­sen von den Höfen aus­ge­gli­chen wer­den – sie zah­len mehr als 10 Cent pro Liter drauf, den sie an die Mol­ke­rei­en lie­fern. Allein im Jahr 2015 muss­ten täg­lich 8 Milch­vieh­be­trie­be das Hand­tuch wer­fen und ihre Pro­duk­ti­on ein­stel­len. Die gro­ßen Mol­ke­rei­en expor­tie­ren einen Groß­teil ihrer Milch als Milch­pul­ver und rui­nie­ren damit Klein­bau­ern vor Ort. Als Slow Food Youth Grup­pe wol­len wir das nicht akzep­tie­ren. Wir wol­len gute Milch zu fai­ren Prei­sen!«

Ott­mar Ilch­mann von der AbL Niedersachsen/Bremen erklär­te: »46 Cent für einen Liter Trink­milch sind eine Far­ce. Der Hart­dis­coun­ter hat zudem ohne Not auch noch die Prei­se für Bio-Milch gesenkt. Zudem bie­tet er auch Wei­de­milch, die sich gera­de als Wert­schöp­fungs­schie­ne im Markt zu eta­blie­ren beginnt, zu abso­lu­ten Dum­ping­prei­sen an. ALDI ist Pro­fi im Preis­drü­cken und pro­fi­tiert jetzt auch noch von dem Export­wahn der Mol­ke­rei­en. Den Aas­gei­er ver­dient das Unter­neh­men, weil es damit vie­len bäu­er­li­chen Betrie­ben jede Hoff­nung nimmt und ver­sucht, von der Kri­se zu pro­fi­tie­ren.«

Die ALSO (Arbeits­lo­sen­selbst­hil­fe Olden­burg) wies dar­auf hin, wie nied­ri­ge Hartz-IV-Leis­tun­gen und Nied­rig­löh­ne den Absatz von Bil­ligst­nah­rung und damit die Markt­macht der gro­ßen Ein­zel­han­dels­ket­ten vor­an­trei­ben. Das mag – sie­he die Schaf­fung eines rie­si­gen Nied­rig­lohn­sek­tors in Deutsch­land –poli­tisch gewollt sein. Doch der wah­re Preis die­ser Bil­lig­nah­rung wird dort gezahlt, wo die Nah­rung ent­ste­hend her­ge­stellt wird: Bei den Bäuer_innen und Landarbeiter_innen, in den Böden und Gewäs­sern, im Trink­was­ser, bei den Tie­ren, die in den Fleisch­fa­bri­ken lei­den – und das alles fin­den wir welt­weit, von Süd-Olden­burg und dem Ems­land bis in (bei­na­he) alle Regio­nen die­ses Glo­bus.

Die ALSO sagt: »Statt wie der­zeit – mit dem sog. »Rechts­ver­ein­fa­chungs­ge­setz« – sei­tens des Bun­des­ta­ges noch mehr Druck auf die Men­schen im Hartz-IV-Sys­tem zu machen, machen wir Druck, damit sich alle fair erzeug­te Nah­rungs­mit­tel zu einem fai­ren Preis leis­ten kön­nen. Wie die heu­ti­ge Ver­an­stal­tung zeig­te, ste­hen wir damit nicht allein son­dern sind Teil eines brei­ten gesell­schaft­li­chen Bünd­nis­ses.«

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Matthias

Nun.…Sind es nicht gera­de die Bau­ern die den Kapi­ta­lis­mus das Recht auf Eigen­tum, den frei­en Han­del und Ange­bot und Nach­fra­ge immer ger­ne ver­tei­digt haben als die davon pro­fi­tier­ten? Haben sie nicht wil­lig und vol­ler Gier inves­tiert als der Milch­preis hoch lag? hat nicht ihre Lieb­lings­par­tei die Sank­tio­nen gegen Ruß­land ver­hängt und blei­ben sie nicht auch des­we­gen auf einem gro­ßen Teil er Milch sit­zen? Haben nicht gera­de die Bau­ern mit ange­se­hen als bil­li­ge Arbeits­kräf­te aus dem Aus­land impor­tiert wur­den? Da war es aber nicht so vil­le, mit deren Soli­da­ri­tät den deut­schen Arbei­tern gegen­über. Und jetzt soll Aldi die Prei­se erhö­hen, damit… Read more »

Hans

Nein, die Bäue­rin­nen und Bau­ern, die die­se Akti­on unter­stüt­zen, sind es gera­de NICHT! Seit Jah­ren for­dern AbL und BDM eine ande­re Agrar­po­li­tik, eine Land­wirt­schaft, die ohne Sub­ven­tio­nen aus­kommt, eine Land­wirt­schaft, die nicht auf Export setzt, die nicht davon pro­fi­tiert, dass Märk­te für Agrar­pord­uk­te in ande­ren Tei­len der Welt durch die EU-Sub­ven­tio­nen kaputt gemacht wer­den. Sie for­dern auch eine Poli­tik, die den Men­schen – auch denen, die HARTZ 4 etc. bezie­hen – genug Geld lässt um fai­re Prei­se für Agrar­pro­duk­te zah­len zu kön­nen. Die­se Bäue­rin­nen und Bau­ern in eine Topf mit dem »Deut­schen Bau­ern­ver­band« und sei­ner Poli­tik zu wer­fen wird den… Read more »