Vor 22 Jahren wurde Halim Dener erschossen

Halim Dener muss­te 1994 vor dem Krieg in sei­ner Hei­mat flie­hen. Das tür­ki­sche Mili­tär zer­stör­te Anfang der 1990er Jah­re in Nord­kur­di­stan über 4000 Dör­fer, 17000 »Mor­de unbe­kann­ter Täter« wur­den zumeist an kur­di­schen Zivilist*innen began­gen, das »Ver­schwin­den­las­sen« von Per­so­nen und Fol­ter waren gän­gi­ge Pra­xis von Mili­tär, Poli­zei, Geheim­dienst und Para­mi­li­tärs. Halim selbst wur­de vor sei­ner Flucht in Poli­zei­haft gefol­tert, sein Dorf zer­stört.

Als »unbe­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­ling« kam der 16-Jäh­ri­ge in die BRD. Um sei­ne Fami­lie in der Hei­mat nicht zu gefähr­den, muss­te er unter fal­schem Namen Asyl bean­tra­gen. Kurz zuvor gip­fel­ten deutsch­land­weit öffent­li­che Het­ze und ein gesell­schaft­lich weit ver­brei­te­ter Ras­sis­mus in Pogro­men gegen Flücht­lin­ge und Migrant*innen, wie in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen, Mölln und Solin­gen. In der Fol­ge ver­schärf­te die Bun­des­re­gie­rung das Asyl­recht.

Gegen die kur­di­sche Bevöl­ke­rung in der BRD gab es eine regel­rech­te Hetz­kam­pa­gne, die im Novem­ber 1993 zum Ver­bot der Arbei­ter­par­tei Kur­di­stans (PKK) und ihr nahe­ste­hen­der Orga­ni­sa­tio­nen führ­te. Die simp­le Glei­chung »Kurd*innen = PKK = Terrorist*innen« soll­te die staat­li­che Repres­si­on gegen Kurd*innen recht­fer­ti­gen, mit der die BRD ihre wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Inter­es­sen wah­ren woll­te. In der BRD setz­te sich Halim wei­ter für die kur­di­sche Bewe­gung ein. Am 30. Juni 1994 wur­de er in Han­no­ver beim Kle­ben von Pla­ka­ten mit dem Emblem der ERNK, des (dama­li­gen) poli­ti­schen Arms der PKK, von SEK-Poli­zis­ten in Zivil über­rascht und bei der Fest­nah­me aus kür­zes­ter Ent­fer­nung in den Rücken geschos­sen. An die­ser Schuss­ver­let­zung starb er wenig spä­ter. Der Poli­zist wur­de von sei­nen Kolleg*innen gedeckt, sodass die Tat nie ange­mes­sen auf­ge­klärt wer­den konn­te.

Seit Jah­ren for­dert die Kam­pan­ge Halim Dener ein wür­di­ges Geden­ken an Halim, immer wie­der ver­sucht die Stadt Han­no­ver dies zu ver­hin­dern. Letz­tes Jahr etwa wur­de ein Gedenk­stein für Halim Dener prompt von der Stadt ent­fernt.