Schweigekartell: NWZ verheimlicht Kritik des »Vereins von Richtern und Staatsanwälten«

Faksimile der NWZ vom 26.05.2016

Die skru­pel­lo­se Art der Bericht­erstat­tung der NWZ über die Ver­ge­wal­ti­gung eines neun­jäh­ri­gen Kin­des hat eine Wel­le der Empö­rung aus­ge­löst. Durch »Ver­heim­li­chen« und »Ver­tu­schen« ver­sucht nun die NWZ jeg­li­che Kri­tik an ihrem jour­na­lis­ti­schen Hand­werk aus der öffent­li­chen Dis­kus­si­on zu ver­ban­nen. Selbst ein Leser­brief von Dr. Dirk Dunk­ha­se, dem Vor­sit­zen­den der Bezirks­grup­pe Olden­burg des Nie­der­säch­si­schen Rich­ter­bunds im Namen des »Ver­eins von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten im Bezirk des Land­ge­richts Olden­burg e.V.« fiel dem »Schwei­ge­kar­tell« der Mono­pol­zei­tung zum Opfer. Als klei­nen Gegen­pol ver­öf­fent­li­chen wir den Leser­brief nun an die­ser Stel­le:

Leser­brief zu der Bericht­erstat­tung über einen Kin­des­miss­brauchs­fall in einer Flücht­lings­un­ter­kunft sowie zu dem zuge­hö­ri­gen Kom­men­tar »Schwei­ge­kar­tell«:

In den Berich­ten über einen Kin­des­miss­brauchs­fall in einer Olden­bur­ger Flücht­lings­un­ter­kunft sowie dem zuge­hö­ri­gen Kom­men­tar »Schwei­ge­kar­tell« in der NWZ vom 26. Mai 2016 wird ohne trag­fä­hi­ge Begrün­dung der Ein­druck erweckt, Poli­zei, Jus­tiz und Stadt hät­ten einen »Kin­des­miss­brauch ver­heim­licht«. Wie die NWZ zu die­ser Deu­tung gelangt, erschließt sich nicht; ins­be­son­de­re beruht der schwer­wie­gen­de Vor­wurf eines »Schwei­ge­kar­tells« ersicht­lich auf rei­ner Spe­ku­la­ti­on. Zwei­fel­los han­delt es sich um eine beson­ders schlim­me Straf­tat. Bei Sexu­al­de­lik­ten zum Nach­teil von Kin­dern ist es jedoch der Regel­fall, dass Infor­ma­tio­nen nicht unauf­ge­for­dert an die Öffent­lich­keit gege­ben wer­den; dabei spielt es kei­ne Rol­le, wel­cher Natio­na­li­tät oder Her­kunft die Beschul­dig­ten und Geschä­dig­ten sind. Eine ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Zurück­hal­tung der Ermitt­lungs­be­hör­den ist ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Opfer­schutz gebo­ten: Das Schick­sal des­sen, der eine Sexu­al­straf­tat erlit­ten hat und mög­li­cher­wei­se trau­ma­ti­siert ist, soll nicht auch noch der Öffent­lich­keit preis­ge­ge­ben wer­den. Die pole­mi­sche Fra­ge, war­um nach »jedem Kon­to­kar­ten­dieb« öffent­lich gefahn­det wer­de, ein Sexu­al­de­likt an einem neun Jah­re alten Kind die Öffent­lich­keit aber angeb­lich »nicht zu inter­es­sie­ren« habe, ist damit zu beant­wor­ten, dass eine öffent­li­che Fahn­dung u.a. dann ver­an­lasst wird, wenn der Täter oder sein Auf­ent­halts­ort unbe­kannt ist. Hier wur­den jedoch bereits zwei Ver­däch­ti­ge ermit­telt und in Unter­su­chungs­haft genom­men. Auch für die­se gilt übri­gens – wie für jeden Beschul­dig­ten – die Unschulds­ver­mu­tung. Hier­auf ein­mal hin­zu­wei­sen, wäre Auf­ga­be einer seriö­sen Bericht­erstat­tung gewe­sen.

Anschei­nend ver­sucht die NWZ, an die Empö­rung über die Straf­ta­ten in der Sil­ves­ter­nacht in Köln anzu­knüp­fen, über­sieht dabei aber, dass es sich um grund­ver­schie­de­ne Vor­gän­ge han­delt. Wäh­rend dort die Poli­zei eine Viel­zahl von Straf­ta­ten nicht ver­hin­dern konn­te und hin­ter­her den Ein­druck erweck­te, es sei nichts gesche­hen, sind hier Tat­ver­däch­ti­ge rasch ermit­telt und in Unter­su­chungs­haft genom­men wor­den; über­dies han­delt es sich offen­bar um einen – schreck­li­chen – Ein­zel­fall und gera­de nicht um ein Mas­sen­phä­no­men wie in Köln.

Mit ihren durch nichts begrün­de­ten Vor­wür­fen, ein »Schwei­ge­kar­tell« habe ein Sexu­al­de­likt »bewusst ver­tuscht« bzw. »sys­te­ma­tisch ver­heim­licht«, hat die NWZ Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern und Fein­den unse­res Rechts­staats reich­lich Fut­ter gege­ben.

Dr. Dirk Dunk­ha­se
Vor­sit­zen­der der Bezirks­grup­pe Olden­burg des Nie­der­säch­si­schen Rich­ter­bunds; Ver­ein von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten im Bezirk des Land­ge­richts Olden­burg e.V., Bezirks­grup­pe Olden­burg des Nie­der­säch­si­schen Rich­ter­bun­des

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olfjkdl

Sehr dif­fe­ren­zier­te Dar­stel­lung. So wie man es von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gem Jour­na­lis­mus erwar­ten wür­de. Dass die NWZ sowas nich leis­ten kann, hat sie bereits mehr­fach bewie­sen