Con­tra­punc­tus

Am 30. Mai liest der Autor Micha­el Göt­ting aus sei­nem poli­ti­schen Roman »Con­tra­punc­tus«. Es erwar­tet euch eine poly­pho­ne, wil­de Rei­se durch das Leben der afro-deut­schen Protagonist_innen und das kol­lek­ti­ve Bewusst­sein der Ber­li­ner Repu­blik. Die vom Info­la­den »roter strumpf« in Koope­ra­ti­on mit der Rosa Luxem­burg Stif­tung Nie­der­sach­sen ver­an­stal­te­te Lesung beginnt um 20 Uhr im Alham­bra.

Con­tra­punc­tus wirft einen scho­nungs­lo­sen Blick auf das Leben von Indi­go, Rutha-Pong, Habi­bi und Olau­dah. Vier Schwar­ze Deut­sche, die im Ber­lin der Jahr­tau­send­wen­de mit dem kolo­nia­len Erbe der Stadt, ihren Bezie­hun­gen und den Sym­pto­men ras­sis­ti­scher Ten­den­zen in der Gesell­schaft kämp­fen.

Indi­go lei­det seit ihrer Kind­heit unter den Sym­pto­men einer rätselhaften Krank­heit, deren Ursprung sich die Ärz­te nicht erklä­ren kön­nen: Sie fällt in Ohn­macht und jeder die­ser Anfäl­le ent­führt ihr Bewusst­sein in eine Welt, in der kol­lek­ti­ve Erin­ne­run­gen die Wirk­lich­keit bestim­men. Rutha-Pong steht vor einer schwe­ren Ent­schei­dung: Wird sie Olau­dah, den Vater ihres Sohns, nach des­sen Haftstrafe wie­der in ihr Leben auf­neh­men oder wird sie sich für ihren Freund Habi­bi ent­schei­den? Habi­bi hat eine beson­de­re Gabe: Im Schwei­gen der Ande­ren erkennt er, was die Men­schen zutiefst mit­ein­an­der ver­bin­det.

Die Form des Romans ori­en­tiert sich am musik­theo­re­ti­schen Kon­zept der kon­tra­punk­ti­schen Kom­po­si­ti­ons­wei­se. Johann Sebas­ti­an Bachs Kunst der Fuge wird zum zen­tra­len Bestand­teil der Hand­lung. Die The­men Ohn­macht, Gefan­gen-Sein, Ein­wan­de­rung, Hei­mat, Zuge­hö­rig­keit und Ver­bun­den­heit sind die Ton­ar­ten, auf deren Grund­la­ge sich die Melo­di­en im Text ent­wi­ckeln. Sie durch­lau­fen die ein­zel­nen Stim­men, wer­den in ihrer Umkeh­rung und auf immer neue Wei­se mit­ein­an­der verknüpft.

Zur Per­son: Micha­el Göt­ting ist Autor, Jour­na­list und Kura­tor. Er schreibt u.a. für ZEIT ONLINE, Deutsch­land­funk und den Tages­spie­gel. Am Thea­ter Ball­haus Naun­yn­stra­ße kura­tier­te er den The­men­schwer­punkt We are Tomor­row zur Ber­li­ner Kon­fe­renz von 1884 und insze­nier­te die inklu­si­ve Thea­ter­per­for­mance Deco­lo­ni­ze Bodies! Minds! Per­cep­ti­ons! Als Dozent unter­rich­tet er Schreib­work­shops für Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge, die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Archiv der Jugend­kul­tu­ren.


Micha­el Göt­ting:
Con­tra­punc­tus
92 Sei­ten, Unrast Ver­lag, 8,90 EUR
ISBN 978–3-89771–605-6

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