Wir sind unverhandelbar!
22. Christopher-Street-Day Nordwest

Das Mot­to 2016 ist ein Appell und eine War­nung zugleich. Es rich­tet sich eben­so nach Außen an die Poli­tik, als auch nach Innen an die Sze­ne selbst. Als Olden­bur­ger bli­cke ich vor­aus auf drei Wah­len. Drei Mög­lich­kei­ten, Ein­fluss zu neh­men. 2016 in der Stadt, 2017 im Bund und 2018 im Land.

Seit Jah­ren schon haben die eta­blier­ten Par­tei­en SPD, FPD, Lin­ke und Grü­ne in ihren Pro­gram­men kla­re Aus­sa­gen und For­de­run­gen zu unse­ren Guns­ten. Doch egal, wel­che Kon­stel­la­ti­on regier­te, Fort­schrit­te waren zäh und müh­sam und nicht zuletzt den Ver­fas­sungs­rich­tern zu ver­dan­ken. Auch 15 Jah­re nach der Ein­füh­rung des „Geset­zes über die ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft“ ist es bis zur voll­stän­di­gen recht­li­chen Gleichstel­lung noch weit. CDU und CSU ste­hen wei­ter­hin auf der Brem­se. Auch in der Stadt Olden­burg. Egal, wie libe­ral sich der letz­te OB-Kan­di­dat vom kon­ser­va­ti­ven Ufer auch gege­ben hat. Zusätz­lich ist mit der AfD in den letz­ten Wochen ein Spie­ler am rech­ten Rand dazu gekom­men, der zum The­ma Homo- und Trans­se­xua­li­tät, sowie Gen­der fast schon alter­tüm­li­che The­sen ver­tritt.

„Wir sind unver­han­del­bar“ – die­ses Mot­to hat sich der CSD Nord­west für 2016 gege­ben. Es ist ein Appell und eine War­nung an die poli­ti­schen Ver­ant­wor­tungs­trä­ger, unse­re Rech­te nicht auf dem Weg zur Macht zur opfern. Es ist jedoch auch ein Auf­ruf an alle Schwu­len, Les­ben, Transmen­schen, Bise­xu­el­len und unse­re hete­ro­nor­ma­ti­ven Unter­stüt­zer auf unse­ren Rech­ten zu bestehen und die­se laut­stark ein­zu­for­dern. Tole­ranz und Akzep­tanz hat nichts mit Gleich­ma­che­rei zu tun, wie uns zuletzt Gui­do Wolf – geschei­ter­ter CDU-Spit­zen­kan­di­dat in Baden-Würt­tem­berg – weiss machen möch­te. Die kon­ser­va­ti­ven Krei­se fol­gen hier zuneh­mend den vor­ge­ge­be­nen Paro­len der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land.

 

3. CSD Gala zur Eröff­nung

Für uns geht damit zwin­gend ein­her, dass wir uns sicht­bar machen. Das nie­mand an uns vorbei­schauen und uns wie­der an den Rand der Öffent­lichkeit drän­gen kann. Davon ist auch erneut das Rah­men­pro­gramm des CSD Nord­west geprägt.

Den Auf­takt macht die 3. CSD-Gala, die erneut im Staats­thea­ter Olden­burg und unter der Schirm­herrschaft des Ober­bür­ger­meis­ters statt­fin­det. Am 28. Mai um 20 Uhr hebt sich der Vor­hand zu ei­nem ganz beson­de­ren Abend unter dem Regen­bogen. Felix Schrö­din­ger, bekannt aus der Sca­ry Ope­ra, wird durch den Abend füh­ren. Vanes­sa Lee begeis­tert am Tra­pez, das Opern­en­sem­ble mit sei­nen Stim­men und Sweet Sugar Swing mit Tem­po und Witz. Mit einem abso­lu­ten Top-Act ste­hen wir der­zeit noch in Ver­hand­lun­gen. Mehr dazu dann lei­der erst im Inter­net. Kar­ten sind bereits jetzt für 15 Euro an der Thea­ter­kas­se erhält­lich. Ein Sekt­emp­fang und ein After-Show-Buf­fet sind dabei im Preis ent­hal­ten. Alle Ein­nah­men flie­ßen dank Spon­so­ren an den CSD Nord­west.

 

Film­rol­le, Reli­gi­on & Poli­tik

Auch die CSD Film­rol­le wird es wie­der geben. Vom 04. bis 11. Juni ist das CineK Anlauf­punkt für alle Freun­de und Freun­din­nen des quee­ren Films. Vier Fil­me hat das Team von Rollenwech­sel mit sei­nen Koope­ra­ti­ons­part­ner aus­ge­sucht. Die Erfah­run­gen der Vor­jah­re zeigt: es lohnt sich rein­zu­schau­en. Die 4er-Kar­te macht es sogar beson­ders güns­tig!

Unbe­dingt vor­mer­ken soll­ten sich alle Christ_in­nen den 12. Juni. Dann fin­det in der St. Lamber­tikirche wie­der der Got­tes­dienst zum CSD Nord­west statt. Es gilt, ein klei­nes Jubi­lä­um zu fei­ern. Bereits zum 5. Mal lädt die Kir­chen­ge­mein­de zu die­sem Ereig­nis ein. Unter dem Mot­to „Und Sie fin­gen an, fröh­lich zu sein“ betei­li­gen sich erneut vie­le Grup­pen und Künstler*innen an der Gestal­tung.

Vor­mer­ken soll­te sich Jeder und Jede auch den 15. Juni. Dann ist es wie­der Zeit für die politi­sche Podi­ums­dis­kus­si­on. Da in die­sem Herbst Wah­len zum Stadt­rat anste­hen, wer­den wir den Ver­ant­wort­li­chen in Poli­tik und Ver­wal­tung kri­tisch auf den Zahn füh­len. Für Alle, für die der CSD mehr als nur Par­ty und nack­te Haut ist, ein Pflicht­ter­min. Ab 18 Uhr geht es los. Lei­der ist das PFL an dem Tag bereits aus­ge­bucht, so dass wir uns der­zeit auf der Suche nach einem ande­ren Ver­an­stal­tungs­ort befin­den. Details dazu fol­gen auf unse­rer Web­sei­te und im Lepo­rel­lo.

 

3. Diver­si­ty-Tag in Olden­burg

Ein tol­ler Erfolg war der letzt­jäh­ri­ge Diver­si­ty Tag, der maß­geb­lich vom Völk­lin­ger Kreis orga­ni­siert wur­de. Ein Dut­zend Fir­men und Betrie­be konn­ten über­zeugt wer­den, sich im Rah­men des CSD klar zu Viel­falt zu beken­nen und haben die Char­ta der Viel­falt unter­schrie­ben. Hier blei­ben wir am Ball. Was ist seit­dem pas­siert und wer zeigt noch offen Flag­ge? Am 7. Juni wird das Staats­thea­ter Olden­burg Gast­ge­ber sein. Die Ver­an­stal­tung ist nur mit Anmel­dung besuch­bar. Alle Infor­ma­tio­nen dazu unter www.stadt-oldenburg.de/inklusion.

 

Nacht der klei­nen Küns­te

Schon Kult­sta­tus hat die »Nacht der klei­nen Küns­te«. Zum nun­mehr 19. Mal eröff­net sie das CSD Wochen­en­de am 17. Juni. Um 19:30 Uhr heisst es Licht aus, Spot an und Büh­ne frei für wahn­sin­nig tol­le Künstler_innen. Doni­al Kalex jon­gliert, Sascha Korf impro­vi­siert, Vanes­sa Mauri­schat kom­po­niert und das Lum­pen­pack into­niert. Der Vor­ver­kauf soll­te unbe­dingt genutzt wer­den, denn die Plät­ze sind begehrt. Tickets für die­sen gro­ßen Abend klei­ner Kunst gibt es wie gewohnt bei der Kul­tur­eta­ge und bei Hori­zont Rei­sen. Wer früh zuschlägt, zahlt außer­dem nur 16 Euro (gege­be­nen­falls zuzüg­lich Sys­tem­ge­büh­ren). An der Abend­kas­se ste­hen die Rest­kar­ten dann für 21 Euro zum Ver­kauf.

 

Demons­tra­ti­on und Kund­ge­bung

Nur weni­ge Stun­den blei­ben nach die­sem tol­len Auf­takt, um sich bereit zu machen, für das Wich­tigste: die Demons­tra­ti­on! Der CSD ist seit Jah­ren eine Mischung aus For­dern und Fei­ern. Fei­ern dür­fen wir, was wir erreicht haben. Jedoch soll­ten wir nie ver­ges­sen, dass wir eine Min­der­heit sind. Einer­seits ist es noch ein Stück des Weges zu 100% recht­li­cher Gleich­stel­lung. Dane­ben ist es jedoch auch ein stän­di­ges Erfor­der­nis, das Erreich­te zu sichern. Auf uns auf­merk­sam zu machen und zu zei­gen, dass wir Vie­le sind. Die Demons­tra­ti­on ist dabei ein, wenn nicht der wich­tigs­te Bau­stein. Denn die öffent­li­che und die poli­ti­sche Mei­nung beein­flusst man nicht durch Liken und Tei­len. Es gilt Flag­ge zu zei­gen, auf die Stra­ße zu gehen und sich ein­zu­brin­gen. Ich kann für Men­schen kämp­fen, die nicht für sich kämp­fen kön­nen. So wie in Russ­land, Ugan­da oder im Nahen Osten. Doch in mei­nen Augen kann ich mich nicht zurück leh­nen und erwar­ten, dass in unse­rem Land Ande­re für mei­ne Rech­te kämp­fen. Also run­ter vom Sofa und raus auf die Stra­ße. Set­zen wir ein Zei­chen dafür, dass wir uns nicht ver­trei­ben las­sen. Zei­gen wir, dass wir da sind. Anzei­chen für reak­tio­nä­re Bewe­gungen gibt es vie­le und sie wer­den stär­ker. Da­her ist die Demons­tra­ti­on so wich­tig. Um 12 Uhr star­ten wir wie gewohnt in der Rosen­stra­ße. Der LuST e.V. wird erneut für Schil­der mit For­de­run­gen sor­gen. Eben­so wer­den wir Regen­bo­gen­fah­nen und Bal­lons bereit­hal­ten, die ihr euch bei unse­ren Demo­en­geln besor­gen könnt.

Quer durch die Innen­stadt wird sich der Demons­trationszug bis zum Schloss­platz schlän­geln. Das ist kei­nes­wegs nor­mal, son­dern toll! Das wir auf die­sem zen­tra­len Platz seit so vie­len Jah­ren nun schon unse­re Abschluss­kund­ge­bung veranstal­ten dür­fen, ist kei­nes­wegs der Regel­fall. In vie­len ande­ren Städ­ten kämp­fen die Orga­ni­sa­to­ren dar­um, in die gute Stu­be ihrer Stadt zie­hen zu dür­fen.

 

Kund­ge­bung und Kul­tur­fest

Wie gewohnt wird es einen Mix aus Kund­ge­bung und Fest geben. Als Red­ner fest zuge­sagt hat Johan­nes Kahrs (SPD). Eben­falls wird die Stadt Olden­burg ver­tre­ten sein und auch wir vom LuST e.V. wer­den das Wort ergrei­fen.

Auch musi­ka­lisch wird es abwechs­lungs­reich. Mit Pit Strehl begrü­ßen wir einen Nach­wuchs­künst­ler aus Leip­zig, der nicht zuletzt mit sei­ner authen­tischen Stim­me her­vor­sticht. Seit sei­ner Jugend spielt er Gitar­re und begeis­tert sein Publi­kum mit Covern und eige­nen Songs. Er gibt sei­ner Musik durch viel­fäl­ti­ge Stimm­fas­set­ten eine ganz per­sön­li­che Note.

Part of the Art las­sen mit ihren moder­nen Sounds und Groo­ves die 80er wie­der auf­er­ste­hen, so auf­regend, wie wir sie damals emp­fun­den haben. Die Gewin­ner von „Die Super­chan­ce 2014“ begeis­tern mit ihren zeit­ge­mä­ßen und hoch­ka­rä­ti­gen In­terpretationen so bekann­ter Songs wie „Sweet Dreams“, „Tain­ted Love“ und „Radio Ga Ga“.

Ver­zau­bern wird euch auch Vivie Ann: Schön, wil­lens­stark, authen­tisch. Die jun­ge Sän­ge­rin und Song­wri­te­rin hat das Musik-Gen direkt in die Wie­ge gelegt bekom­men. Sie schreibt, singt und musi­ziert, seit sie ein klei­nes Mäd­chen ist. Vivie Ann beherrscht vie­le Instru­men­te und vor allem Gen­res: Aus Pop, Folk, Indie, Rock und Orchest­ralem zau­bert die Wahl­ham­bur­ge­rin samt Band ihre ganz eige­ne, gleich­zei­tig zar­te, wie kraft­vol­le und ele­gan­te Melan­ge. Und die geht ins Ohr und vor allem mit­ten ins Herz.

Vor­ne­weg, zwi­schen­drin und hin­ten raus wird DJ Alex aus Schwe­rin dafür sor­gen, dass die Stim­mung gut bleibt.

Dann hof­fen wir auf dem Schloss­platz auf rege Be­teiligung mit Info­stän­den. Lei­der hat nicht nur der CSD selbst, son­dern die gesam­te Sze­ne an dem kon­ti­nu­ier­li­chen Rück­gang von Ehren­amt­li­chen und enga­gier­ten Men­schen zu lei­den. Trotz­dem hof­fen wir, dass sich die ver­schie­de­nen Ange­bo­te für Les­ben, Schwu­le, Bise­xu­el­le und Transmen­schen auf dem Platz prä­sen­tie­ren wer­den. Denn dies ist auch ein Hin­weis dar­auf, was noch alles nötig ist und wo noch Dis­kri­mi­nie­run­gen beste­hen. Andern­falls wären Com­ing-Out-Grup­pen nicht nötig oder es bedürf­te even­tu­ell kei­ner eige­nen Sport­grup­pe.

Froh sind wir dar­über, dass wir sozu­sa­gen als Kon­se­quenz aus dem Diver­si­ty-Tag 2015 auch ver­schie­de­ne Fir­men gewin­nen konn­ten, beim CSD über ihr Enga­ge­ment zu berich­ten. Damit zei­gen sie einer­seits Flag­ge für Gleich­be­rech­ti­gung. Ande­rer­seits legen sie auch Zeug­nis dar­über ab, dass Viel­falt nicht nur ein Lip­pen­be­kennt­nis ist. Fest zuge­sagt haben zu die­sem Zeit­punkt bereits die AOK und die BTC.

 

The Night of The Pri­de

Eben­falls eine Neue­rung wird es hin­sicht­lich der gro­ßen Abschluss­par­ty geben. Wenn auf dem Schloss­platz lang­sam die Lich­ter aus­ge­hen, dre­hen wir dafür im Mol­ke­rei Klub rich­tig auf. Genau! Die Night of The Pri­de zieht um. Nach meh­re­ren schö­nen Jah­ren in der Kul­tur­eta­ge wech­seln wir den Ort. Mit dem Klub Mol­ke­rei am West­kreuz haben wir einen tol­len Part­ner gefun­den. Die Räum­lich­kei­ten sind brand­neu her­ge­rich­tet. Moder­ne Licht- und Sound­tech­nik garan­tie­ren bes­tes Par­ty­ge­fühl. Als DJ wur­de Den­ny D ver­pflichtet. Vie­len in der Regi­on sicher­lich von den Gay Can­dy-Par­tys her bekannt. Der Ein­tritt beträgt wei­ter­hin schma­le 8 Euro und trägt zur Finan­zie­rung des CSD Nord­west maß­geb­lich bei.

Spit­ze ist die Erreich­bar­keit des Par­ty­tem­pels: Für Aus­wär­ti­ge mit dem Auto über die Abfahrt Haa­ren­tor und reich­lich Park­plät­zen direkt vor der Tür. Ger­ne auch mit den Bus­sen der Lini­en 306, 310 und 317. Damit ist ab Schloss­platz oder Lap­pan so gut wie alle 2 Minu­ten eine Abfahrt mög­lich.

Die Tore zur rund­um reno­vier­ten Night of The Pri­de öff­nen sich wie gewohnt um 21 Uhr.

 

Wenn dann gegen Mor­gen die letz­ten Par­ty­wü­ti­gen nach Hau­se gehen

… dann ist es wie­der vor­bei. Der 22. CSD Nord­west. Nicht vor­bei sein wird unser Kampf. Als Minder­heit sind wir auf­ge­ru­fen, per­ma­nent auf uns auf­merk­sam zu machen. Jedoch wird es von Jahr zu Jahr schwie­ri­ger, den CSD Nord­west auf die Bei­ne zu stel­len. Denn wir wer­den weni­ger Akti­ve, weni­ger Enga­gier­te, weni­ger Ehren­amt­li­che. Der CSD Nord­west lebt von denen, die mit­ma­chen. An dem Tag und das gan­ze Jahr. Von denen, die sich ein­brin­gen. Inhalt­lich oder mit Mus­kel­kraft. Von denen, die Ide­en haben und von denen, die sie umset­zen. Wir brau­chen Dich dafür! Ob als Helfer*in für eine Stun­de oder als Mitdenker*in und Vorbereiter*in. Sei dabei! Ab Mai wie­der jeden Diens­tag ab 19:30 Uhr im Kreativ:Labor. Du fin­dest uns in der Bahn­hof­stra­ße 11 im Innen­hof von Kul­tur­eta­ge und Oeins. Ger­ne kannst du auch anru­fen oder schrei­ben, wenn Du noch Fra­gen hast: und 0160 90 3889 63.

Zuerst erschie­nen in Rosi­ge Zei­ten Nr. 163 (Mai/Juni 2016).