Barbara Woltmann im Kreis der CDU-Rechtsaußen

© Heike Oltmanns / CC BY-SA 3.0

Der erz­kon­ser­va­ti­ve Flü­gel der Uni­on ver­öf­fent­lich­te Mit­te Mai ein Mani­fest gegen Ange­la Mer­kels »Kurs der Mit­te«, wel­ches in der neu­rech­ten Zei­tung »Jun­ge Frei­heit« wohl auf­grund inhalt­li­cher Einig­keit aus­gie­bigst zitiert wur­de. Sieb­zehn Mit­glie­der des 2012 erst­mals in die Öffent­lich­keit getre­te­nen »Ber­li­ner Krei­ses« nah­men die Land­tags­wahl­er­geb­nis­sen vom 13. März 2016 in Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz zum Anlass für eine Gene­ral­ab­rech­nung mit der »sozi­al­de­mo­kra­ti­sier­ten« Par­tei­füh­rung. Neben so illus­tren Gestal­ten wie dem ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­der des Innen­aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges Wolf­gang Bos­bach (CDU-MdB), der ehe­ma­li­gen Prä­si­den­tin des Bun­des der Ver­trie­be­nen Eri­ka Stein­bach (CDU-MdB) und dem ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­der der Arbeits­grup­pe Innen­po­li­tik der CDU/C­SU-Bun­des­tags­frak­ti­on Hans-Peter Uhl (CSU-MdB) gehört auch die Bad Zwi­schen­ah­ne­rin Bar­ba­ra Wolt­mann, wel­che bei der Wahl 2013 über die nie­der­säch­si­sche Lan­des­lis­te der CDU erst­mals in den Bun­des­tag ein­zog, zu den nament­li­chen Unterzeichner_innen der frag­wür­di­gen Erklä­rung. Auch wenn CDU/C­SU-Posi­tio­nen schon im All­ge­mei­nen nicht zu den fort­schritt­lichs­ten Ansät­zen zu zäh­len sind, liest sich das Papier des »Ber­li­ner Krei­ses« wie ein Ritt zurück in die Ver­gan­gen­heit. Bei­spiel gefäl­lig:

Die CDU muss die nach wie vor gül­ti­gen Grund­sät­ze christ­lich-demo­kra­ti­scher Pro­gram­ma­tik in ihrer Poli­tik wie­der sicht­bar machen. Wir müs­sen unse­re Wäh­ler auf der Grund­la­ge einer erkenn­ba­ren christ­li­chen Ori­en­tie­rung mit Bot­schaf­ten zur Leit­kul­tur, zur Bedeu­tung von Ver­ant­wor­tung und Frei­heit, zur sozia­len Markt­wirt­schaft, zur inne­ren Sicher­heit, zur Fami­lie, zum Lebens­schutz und zum Patrio­tis­mus anspre­chen.

Kon­kret for­dert der »Ber­li­ner Kreis« unter ande­rem eine »Abkehr von der Gen­der-Ideo­lo­gie« und »eine Fami­li­en­po­li­tik, die Ehe und Fami­lie ins Zen­trum rückt«, die »Bekämp­fung wei­te­rer Regu­lie­run­gen des Arbeits­mark­tes«, da »Zeit­ar­beit und Werk­ver­trä­ge wich­ti­ge fle­xi­ble Bau­stei­ne (sei­en), die zu mehr Beschäf­ti­gung und Wohl­stand füh­ren«, eine Nicht­be­las­tung und Nicht­kri­mi­na­li­sie­rung des Mit­tel­stan­des durch »Min­dest­lohn­re­gu­lie­run­gen«, eine »Abwehr von lin­ken For­de­run­gen nach Steu­er­erhö­hun­gen« sowie die »Ver­hin­de­rung von lin­ken Umver­tei­lungs­ab­sich­ten«, da »Deutsch­land im inter­na­tio­na­len Ver­gleich eine der aus­ge­gli­chens­ten Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­struk­tu­ren mit einer brei­ten Mit­tel­schicht« besit­zen wür­de. Auch die For­de­rung nach einer Euro­päi­schen Uni­on, »in der die Natio­nen erkenn­bar blei­ben«, darf natür­lich nicht feh­len.

Haupt­an­lie­gen des »wirt­schafts­li­be­ra­len und wert­kon­ser­va­ti­ven« Krei­ses ist jedoch ein deut­li­cher Kurs­wech­sel im Umgang mit Geflüch­te­ten:

In der Flücht­lings­po­li­tik darf die Ver­ant­wor­tung für das Gemein­wohl in unse­rem Staat nicht auf der Stre­cke blei­ben. Not­wen­dig ist des­halb ein weit­hin hör­ba­res Signal dahin­ge­hend, dass auch die Kräf­te Deutsch­lands bei der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen begrenzt sind. Wir wer­den uns jetzt ent­schei­den müs­sen, wel­che Flücht­lin­ge wir nach Deutsch­land ein­rei­sen las­sen. Schwe­den und ande­re Län­der haben erklärt, dass ihre Kapa­zi­tä­ten erschöpft sei­en. Für die­se Län­der gibt es eine Gren­ze ihrer Auf­nah­me­fä­hig­keit, für Deutsch­land natür­lich auch. Im Übri­gen müs­sen wir dafür sor­gen, dass sich die Men­schen im eige­nen Land nicht fremd füh­len. Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier hat Recht mit der Fest­stel­lung: »Wir sind kein isla­mi­sches Land und wer­den auch kei­nes wer­den.«

Sei­nen selbst­auf­er­leg­ten Ansatz, AfD-Wäh­ler_in­nen für die Uni­on dadurch zurück­zu­ge­win­nen, dass man sie nicht »als popu­lis­tisch und ras­sis­tisch aus­grenzt« son­dern »sich zu The­men posi­tio­niert, die man jah­re­lang aus falsch ver­stan­de­ner poli­ti­scher Kor­rekt­heit unter den Tep­pich gekehrt hat«, ver­folgt der »Ber­li­ner Kreis« also ziem­lich strin­gent. Es fehlt nicht viel und Frau Wolt­mann und ihr Kreis der CDU-Rechts­au­ßen haben die AfD rechts über­holt.

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anneliese

die CDU will stim­men der afd und npd abgrei­fen und dazu meint sie,auch »ein bißchen«(?!)faschistisch wer­den zu müs­sen!!!!!!!!!!!!!!