Karl Jaspers:
Die Schuldfrage

Zum heu­ti­gen 8. Mai, dem 71. Jah­res­tag der Befrei­ung vom Nazi-Faschis­mus, soll dem 1883 in Olden­burg gebo­re­nem Psych­ia­ter und Phi­lo­so­phen Karl Jas­pers das Wort über­las­sen wer­den:

»Wir Über­le­ben­den haben nicht den Tod gesucht. Wir sind nicht, als unse­re jüdi­schen Freun­de abge­führt wur­den, auf die Stra­ße gegan­gen, haben nicht geschrien, bis man uns ver­nich­te­te. Wir haben es vor­ge­zo­gen am Leben zu blei­ben mit dem schwa­chen, wenn auch rich­ti­gen Grund, unser Tod hät­te nichts hel­fen kön­nen. Daß wir leben, ist unse­re Schuld. Wir wis­sen vor Gott, was uns tief demü­tigt.«

Die Schuld­fra­ge, 1946

 


Karl Jas­pers: Hoff­nung und Sor­ge. Schrif­ten zur deut­schen Poli­tik. 1945–1965.
Piper, Mün­chen 1965, S. 32.