Die Geschichte des 1. Mai in Oldenburg

Jedes Jahr wird zum 1. Mai im Rah­men des Kampf­tags der Arbeiter_innen bewe­gung demons­triert. So auch in Olden­burg. Für vie­le gehört die revo­lu­tio­nä­re 1. Mai Demo zum all­jähr­li­chen Event dazu. Doch so selbst­ver­ständ­lich, wie es scheint, ist sie nicht. Ihre Durch­set­zung muss immer wie­der aufs Neue erkämpft wer­den.
Die­ser Text soll in ers­ter Linie einen Ein­blick in die Ent­wick­lung der auto­no­men, revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai Demo, die sich seit Mit­te der 1990er Jah­re her­aus­zu­bil­den begann, geben.
Über vie­le Jah­re ging die Orga­ni­sie­rung des 1. Mai in Olden­burg vom DGB aus.
Erst 1996 setz­ten sich eini­ge Grup­pen und Initia­ti­ven zusam­men, um dem 1.Mai in Olden­burg wie­der Leben ein­zu­hau­chen.
Nie­mand hat­te noch gro­ßes Inter­es­se dar­an, ein­fach wie in den Jah­ren zuvor beim DGB mit­zu­lat­schen und sich das Geseie­re des dama­li­gen DGB-Vor­sit­zen­den Bitt­ner anzu­hö­ren. Nach län­ge­ren Dis­kus­sio­nen wur­de ent­schie­den, kei­ne eige­ne Demo zu orga­ni­sie­ren, son­dern eine Mög­lich­keit zu fin­den, die DGB-Basis mit lin­ken Posi­tio­nen zu kon­fron­tie­ren, da davon aus­ge­gan­gen wur­de, dass die­se eher offen für kri­ti­sche Stim­men sei (zum ande­ren ist sonst fast nie­mand am Mor­gen die­ses Tages auf der Stra­ße). Also wur­de ein unab­hän­gi­ger, inter­na­tio­na­lis­ti­scher Block initi­iert. Dort soll­te allen Men­schen, die sich als links von den offi­zi­el­len DGB-Posi­tio­nen ver­ste­hen, die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, sich zu sam­meln, um gemein­sam und somit wahr­nehm­bar an die kämp­fe­ri­sche Tra­di­ti­on des 1. Mai anzu­knüp­fen und klar­zu­ma­chen, dass der Kapi­ta­lis­mus nicht das Ende der Geschich­te dar­stellt, die Sehn­sucht nach einem Leben ohne Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung, nach einer Über­win­dung die­ses Sys­tems, nie­mals begra­ben wird. Cir­ca 200 Men­schen waren schließ­lich im unab­hän­gi­gen Block, unter ande­rem auch vie­le kur­di­sche Genoss_innen. Unser Block ver­ließ nach dem Ende der Demo geschlos­sen, die ‚Inter­na­tio­na­le‘ sin­gend und unter den erbos­ten Bli­cken der DGB-Füh­rung die Abschluß­kund­ge­bung und ließ den Tag beim Alham­bra aus­klin­gen.
In der Nach­be­rei­tung war Kon­sens, dass mensch auf die­sem ers­ten Schritt wei­ter auf­bau­en soll­te. Aller­dings wur­de auch deut­lich, daß unse­re Posi­tio­nen kaum wahr­ge­nom­men wur­den und der DGB sein ‚Bünd­nis für Arbeit‘-Gelaber unwi­der­spro­chen ablas­sen konn­te. Also ent­schied mensch sich, 1997 eine direk­te ver­ba­le Kon­fron­ta­ti­on ein­zu­ge­hen. Wie im Jahr zuvor gab es den unab­hän­gi­gen Block, der etwa auf 300 Men­schen ange­wach­sen war. Die­ses Mal wur­de die DGB-Kund­ge­bung auf dem Schloß­platz jedoch nicht ver­las­sen. Par­al­lel zur Rede von Bitt­ner ver­las das Bünd­nis sei­nen Rede­bei­trag, was so eini­ge DGB›ler_innen zur Rase­rei brach­te.
1998 dann änder­te sich so eini­ges. Bitt­ner nahm sei­nen Hut und neu­er Kreis­vor­sit­zen­der des DGB wur­de der für einen Gewerk­schafts­boss eher links ste­hen­de Man­fred Klöp­per. Die­ser ver­such­te anfäng­lich in bes­ter sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Manier, das Bünd­nis zu spal­ten, indem er ein­zel­nen Grup­pen Ange­bo­te mach­te, Reden auf der Kund­ge­bung zu hal­ten, wenn sie sich (aus­schließ­lich) an der 1. Mai-Vor­be­rei­tung des DGB betei­li­gen wür­den. Als die Grup­pen das ablehn­ten, biss Klöp­per in den sau­ren Apfel und gewähr­te dem Bünd­nis als sol­chem das Rede­recht. Die dama­li­ge Ver­mu­tung, dass es sich ledig­lich um ein tak­ti­schen Manö­ver han­de­le, um das Bünd­nis ruhig­zu­stel­len, hat sich in den bei­den fol­gen­den Jah­ren bestä­tigt. Der 1. Mai 1998 jeden­falls war recht erfolg­reich. Der Bünd­nis-Block war mit mehr als 400 Men­schen um eini­ges grö­ßer als der DGB-Block, und nach einer ziem­lich lah­men Anspra­che von Klöp­per folg­te ein power­vol­ler Rede­bei­trag des Bünd­nis ‚Strei­chen bei den Rei­chen!‘ und der kur­di­schen Genoss_innen. Alles ver­lief sehr har­mo­nisch und unter den wohl­wol­len­den Bli­cken Klöp­pers. Aber Har­mo­nie im Umgang mit sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Grup­pen bie­tet immer Anlass zur Vor­sicht. Und tat­säch­lich war es so, dass das Bünd­nis nicht als eigen­stän­di­ge poli­ti­sche Kraft, son­dern eher als lin­ker Anhang des DGB wahr­ge­nom­men wur­de. So konn­te mensch dann auch in der NWZ lesen, dass das Bünd­nis sich in sei­ner Rede den Aus­füh­run­gen des DGB ange­schlos­sen hät­te.
Lei­der war im fol­gen­den Jahr nicht viel Zeit, wei­ter die­se Pro­ble­ma­tik zu dis­ku­tie­ren. Denn der 1. Mai 1999 stand im Zei­chen der Anti­fa­mo­bi­li­sie­rung gegen den geplan­ten Nazi-Auf­marsch in Bre­men. Das Bünd­nis ‚Strei­chen bei den Rei­chen!‘ mobi­li­sier­te wie wild und stell­te kos­ten­lo­se Bus­se nach Bre­men zur Ver­fü­gung. Am Mor­gen des 1. Mai fuh­ren dann schließ­lich 150 Men­schen los, um den Nazis die Stra­ße zu neh­men. Für alle, die nicht nach Bre­men fah­ren woll­ten oder konn­ten, gab es trotz­dem den unab­hän­gi­gen Block, der um eini­ges klei­ner aus­fiel. Den­noch kam es in die­sem Jahr zu Vor­fäl­len, die zu den Aus­ein­an­der­set­zun­gen im fol­gen­den Jahr führ­ten.
Ein Bus mit meh­re­ren Dut­zend Nazis aus dem Ruhr­ge­biet hat­te sich Olden­burg als Ziel aus­ge­sucht (Olden­burg wur­de nach dem Ver­bot des Auf­mar­sches in Bre­men kurz­zei­tig als Aus­weich­punkt der Nazis gehan­delt). Die Faschos ver­sam­mel­ten sich auf dem Pfer­de­markt, um dort eine Kund­ge­bung durch­zu­füh­ren. Zu die­sem Zeit­punkt war die 1. Mai-Demo gera­de in der Nähe des Lap­p­ans. Der unab­hän­gi­ge Block lös­te sich (nach diver­sen, ver­geb­li­chen Appel­len an den DGB, sich soli­da­risch zu ver­hal­ten und den Nazis ent­ge­gen­zu­tre­ten oder zumin­dest ste­hen zublei­ben) aus dem Demo­zug und such­te den Kon­takt mit den Nazis. Am Pfer­de­markt ange­kom­men zogen die Bul­len sofort meh­re­re Behelm­te und Hun­de auf, stopp­ten den Block und stopf­ten die Nazis schnellst­mög­lich wie­der in ihren Bus und schick­ten sie mit Beglei­tung nach Hau­se. Der DGB war zwi­schen­zei­tig zum Schloß­platz gezo­gen. Als klar war, dass die Faschos Olden­burg ver­las­sen hat­ten, begab sich der unab­hän­gi­ge Block eben­falls zum Schloß­platz, um sich einem Zugriff der inzwi­schen mas­siv anwe­sen­den Bul­len zu ent­zie­hen. Außer­dem hat­te das Bünd­nis genau wie im Jahr zuvor Rede­recht. Auf dem Schloß­platz ange­kom­men, wur­de immer wie­der von den Bul­len pro­vo­ziert. Die For­de­rung einer Spre­che­rin des Bünd­nis­ses an die DGB›ler_innen sich soli­da­risch zu ver­hal­ten und eben­falls dafür zu sor­gen, dass die Bul­len sich ver­pis­sen, stieß auf tau­be Ohren.
Als das Bünd­nis sei­ne Rede ver­las, kam es zu Pöbe­lei­en aus den Rei­hen des DGB. Wie schon oben erwähnt, ent­zog der DGB dar­auf­hin dem Bünd­nis das Rede­recht ohne dies öffent­lich mit­zu­tei­len.
Im fol­gen­den Jahr wur­de über Alter­na­ti­ven nach­ge­dacht. Schon vor der Bestä­ti­gung des Rede­ver­bo­tes war für das Bünd­nis klar, dass es dies­mal eine eige­ne Abschluss­kund­ge­bung geben soll­te. Es soll­te auf die Erfah­run­gen von 1998 reagiert wer­den. Doch jetzt stell­te sich die Situa­ti­on noch um eini­ges ver­schärf­ter dar. Immer­hin wur­de die Vor­stel­lung eini­ger DGB›ler_innen, dass die Auto­no­men die DGB-Demo die­ses Jahr angrei­fen wür­den (und daher Bul­len­schutz mit Was­ser­wer­fern und allem Pipa­po her­müss­te), vom Bünd­nis als über­zo­gen abge­tan. Es wur­de erst­mal wie­der für einen unab­hän­gi­gen Block mobi­li­siert. Die­ser spal­te­te sich in einem tak­tisch wohl gewähl­ten Moment ab und ließ den DGB im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes rechts lie­gen. Eigent­li­cher Plan war, am Juli­us-Mosen-Platz eine Kund­ge­bung abzu­hal­ten, just in dem Moment, in dem der DGB dort lang läuft. Hat aber nicht geklappt, denn Klöp­per mein­te, dass der unab­hän­gi­ge Block dort die DGB-Demo blo­ckie­ren woll­te und des­halb kürz­ten sie spon­tan ihre Rou­te ab und ver­an­stal­te­ten ihre Abschluss­kund­ge­bung in mit­ten des Oster­markt­tru­bels auf dem Rat­haus­markt. Das war dann also die ers­te eige­ne, revo­lu­tio­nä­re 1. Mai -Demons­tra­ti­on mit fast 400 Leu­ten und diver­sen Bau­wä­gen der ‚Bunte(n) Hun­te‘. Die Demo zog bis zum Alham­bra, wo das Gan­ze enorm nett mit diver­sen Rede­bei­trä­gen und einem Stra­ßen­fest bis in den frü­hen Abend aus­klang.
Auf­grund eines sexu­el­len Über­grif­fes eines am Bünd­nis Betei­lig­ten im Jahr 2000 kam  es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen und zum Aus­schluss des Täters. Da eini­ge Bünd­nis­mit­glie­der dazu eine ande­re Posi­ti­on ver­tra­ten kam es schließ­lich zum Bruch des Bünd­nis­ses, wor­auf­hin auch des­sen Name ‚Strei­chen bei den Rei­chen‘ in ‚Rei­che strei­chen‘ umbe­nannt wur­de.
Das Ver­hal­ten des DGB und die guten Erfah­run­gen mit der sich in den letz­ten Jah­ren her­aus­ge­bil­de­ten, immer wei­ter­ge­hen­den Abspal­tun­gen führ­ten dazu, dass  2001 das ers­te Mal eine voll­stän­dig eige­ne, von der des DGB unab­hän­gi­ge Demo auf die Bei­ne gestellt wur­de. Unter dem Mot­to ‚Für ein Leben ohne Stress und Exis­tenz­angst, für Frei­heit und Revo­lu­ti­on‘ tra­fen sich etwa 300 Teilnehmer_innen in der Kai­ser­stra­ße. Wäh­rend der Demo, die ihre Abschluss­kund­ge­bung auf dem Rat­haus­markt hielt, um danach wie auch im Jahr zuvor schon geschlos­sen zum Alham­bra zu gehen, kam es zu Far­bei­wür­fen und Ent­fer­nen von Deutsch­land­fah­nen. Par­al­lel mau­er­ten eini­ge Aktivist_innen den Ein­gang einer Zeit­ar­beits­fir­ma zu. All dies mag auch des­halb so ein­fach gewe­sen sein, weil die Poli­zei auf Grund von Nazi­auf­mär­schen in Ber­lin und Frank­furt nur weni­ge Bul­len in Olden­burg auf­fah­ren konn­te. Das Bünd­nis „Rei­che strei­chen“ ließ die Demo unan­ge­mel­det, da mensch in den vor­an­ge­gan­gen Jah­ren immer wie­der die Erfah­rung gemacht hat­te, dass die Bul­len auch Anmel­dung nicht davon abhal­ten, Stress zu machen, Leu­te zu kri­mi­na­li­sie­ren und im Nach­hin­ein mit absur­den Ver­fah­ren zu über­zie­hen. Auch in den Fol­ge­jah­ren blieb die 1. Mai-Demo, wie auch vie­le ande­re Demos in Olden­burg, unan­ge­mel­det. Der DGB orga­ni­sier­te 2001 und 2002 kei­ne eige­ne Demo mehr, son­dern hielt nur noch eine Kund­ge­bung mit anschlie­ßen­dem Fest auf dem Schloss­platz ab. In den Jah­ren 2002-06 nahm die Teilnehmer_innenzahl des revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai ste­tig zu und blieb dann ‘06 und ‘07 kon­stant bei etwa 600. Auf­grund der Ereig­nis­se vom Vor­jahr fuh­ren die Bul­len 2002 ein enor­mes Auf­ge­bot auf, das den Demo­zug in stän­di­gem Spa­lier beglei­te­te. In den Jah­ren 2003 und 2004 kam es jeweils zu klei­ne­ren Ran­ge­lei­en, als die Demo jeweils den Ver­such anstell­te, auf den Rat­haus­markt zu gelan­gen und die Poli­zei dies zu ver­hin­dern ver­such­te, sich aber dann erfolg­los zurück­zie­hen muss­te.
Seit 2005 kam es nach län­ge­rer Pau­se wie­der zu Aktio­nen am Ran­de der Demo. So wur­de in dem Jahr ein enorm gro­ßes Tran­spi am inzwi­schen abge­ris­se­nen Hal­len­bad am Ber­li­ner Platz her­ab­ge­las­sen. Im dar­auf fol­gen­den Jahr gab es eine sym­bo­li­sche Haus­be­set­zung, mit wel­cher unter ande­rem gegen die Räu­mung von (ehe­mals) bestehen­den lin­ken Zen­tren pro­tes­tiert wur­de. 2007 wur­de ein wei­te­res Mal ein Tran­spi an ein Gebäu­de (in die­sem Fall an ein Gerüst in der Hei­li­gen­geist­stra­ße) gehängt. Außer­dem tra­ten an die­sem Tag die Über­flüs­si­gen in Olden­burg das ers­te Mal in Erschei­nung; die­se ver­la­sen eine Rede und beschenk­ten die Demoteilnehmer_innen mit Rafa­e­los. Zum ers­ten Mal kam es in die­sem Jahr zu dem Ver­such der Bul­len, die geplan­te Rou­te zu ver­hin­dern. Auf Grund der Ent­schlos­sen­heit der Demo blieb dies jedoch erfolg­los. Nicht uner­wähnt soll der Kin­der­wa­gen, der wie auch die Wagen­burg seit den Anfän­gen der auto­no­men 1. Mai Demo dabei ist, blei­ben. Es kam auch schon vor, dass Kin­der von die­sem Wagen mun­ter Was­ser­bom­ben auf Bul­len gewor­fen haben.
Im Zuge des letz­ten revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai kam es zur Kri­mi­na­li­sie­rung der Organisator_innen. Einem Olden­bur­ger Akti­vis­ten und Teil­neh­mer wur­de vor­ge­wor­fen eine lei­ten­de Funk­ti­on inne­ge­habt zu haben. Die man­geln­de Beweis­la­ge erschöpft sich in der Aus­sa­ge einer Bul­let­te in Zivil, die sei­ne Stim­me erkannt haben will und ihn häu­fig dann nicht gese­hen haben will, wenn gera­de eine Durch­sa­ge gemacht wur­de. Laut Rich­te­rin habe er damit gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz ver­sto­ßen. Der Pro­zess ende­te (vor­erst) mit einer Ver­ur­tei­lung zu 1750 € plus Gerichts­kos­ten.
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2008 und 2009 gab es wie auch die Jah­re zuvor mehr oder min­der kraft­vol­le, aber durch­aus net­te 1. Mai-Demos an denen jeweils unge­fähr 500 Men­schen teil­nah­men. 2009 war das Novum, dass die zu Beginn, bei der Rou­ten­wahl und am Rat­haus­markt übli­cher­wei­se ner­ven­de Poli­zei, einer ent­schlos­se­nen ers­ten Rei­he älte­ren Semes­ters (fast Ü50) gegen­über­stand.
Ein Jahr spä­ter (2010) war Stim­mung von Anfang an ein wenig gedrückt: Strö­men­der Regen und bru­ta­les Bestim­men der Rou­te durch das BFE präg­ten die Demo. Einen auf­hel­len­den Moment gab es als die etwa 400–500 Men­schen die zwei besetz­ten Häu­ser in der Ama­li­en­stra­ße ent­deck­ten, aus deren Fens­ter Trans­pa­ren­te hin­gen und Genoss_innen wink­ten. Der spon­ta­ne Impuls sich den städ­ti­schen Raum mot­to­ge­mäß anzu­eig­nen wur­de umge­setzt und das Stra­ßen­fest kurz­fris­tig in die Ama­li­en­stra­ße ver­legt. Die kes­seln­den Bul­len konn­ten es sich lei­der nicht neh­men las­sen per­ma­nent zu pro­vo­zie­ren und nach einer Stun­de völ­lig aus­zu­ti­cken. So wur­den etwa 20 Leu­te ver­letzt als ein Pavil­lon vor den Häu­sern bru­tal gestürmt wur­de. Das Stra­ßen­fest wur­de dar­auf und auf wei­te­re Dro­hung des Bul­len-Ein­satz­lei­ters hin ins Alham­bra ver­la­gert, um nicht noch mehr Ver­letz­te zu ris­kie­ren. Die Häu­ser wur­den im Lau­fe des Tages geräumt.
2011 fand in Olden­burg kei­ne 1. Mai-Demo statt, um die Genoss_innen in Bre­men bei der Ver­hin­de­rung eines dor­ti­gen Nazi­auf­mar­sches unter­stüt­zen zu kön­nen.
2012, 2013 und 2014 fan­den 1. Mai-Demos mit unter­schied­li­cher inhalt­li­cher, aber auch pro­gram­ma­ti­scher Aus­rich­tung statt. 2012 fiel dabei durch eine viel­zahl kul­tu­rel­ler Vor­stel­lun­gen wie Live-Musik und Akro­ba­tik auf. Die Bul­len hiel­ten sich die letz­ten 3 Jah­re rela­tiv gese­hen zurück und es war ein pro­blem­lo­ses Lau­fen mög­lich. Wäh­rend 2012 und 2013 etwa 500 Men­schen an der Demo teil­nah­men, waren es 2014 bei schlech­tem Wet­ter nur etwa 350.
Der Text­teil über die ers­ten 5 Jah­re des inter­na­tio­na­lis­ti­schen, unab­hän­gi­gen Blocks wur­de größ­ten­teils von der ‚Antifaschistische(n) Akti­on Olden­burg‘ (AA/OL) geklaut und ist bis zum Jahr 2007 ergänzt wor­den. Die­ser Text ist in der Jubi­lä­ums­bro­schü­re „Alham­bra – 30 Jah­re in Bewe­gung“ erschie­nen.
Die Zusam­men­fas­sung der Jah­re 2008–2014 wur­de von der Redak­ti­on der Alham­bra-Zei­tung geschrie­ben.

 

 

Überblick über die Geschichte des 1. Mai in Oldenburg

Zu den ers­ten poli­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen der Arbeiter_innenbewegung am 1.Mai kam es in Olden­burg ab 1891. Meh­re­re Hun­dert Men­schen begin­gen zu die­ser Zeit den ‚Kampf­tag der Arbei­ter­klas­se‘. Anfangs noch eine eher ali­bi-poli­ti­sche Abend­ver­an­stal­tung mit Volks­fest­cha­rak­ter, poli­ti­sier­te sich der 1.Mai im Lau­fe der Jah­re um die Jahr­hun­dert­wen­de immer wei­ter.
Bis Mit­te der 1920er soll­te es die­sen ein­heit­lich began­ge­nen 1.Mai in Olden­burg geben, bis es ab 1926 zur Spal­tung zwi­schen dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und kom­mu­nis­ti­schen Flü­gel der Arbeiter_innenbewegung kam.
Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den ab 1947 die Demons­tra­tio­nen nun vom DGB bzw. des­sen Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­ti­on ADGB initi­iert. Die größ­te fand mit etwa 20.000 Teilnehmer_innen 1951 statt. Ab Anfang der 60er schrumpf­te die Teilnehmer_innenzahl auf etwa 3000, so dass ab 1971 wie­der eine Abend­ver­an­stal­tung, nun in der Weser-Ems-Hal­le, ver­an­stal­tet wur­de. Ab 1980 gab es dann wie­der Demons­tra­tio­nen, seit 1996 auch mit einem revo­lu­tio­nä­rem, inter­na­tio­na­lis­ti­schem Block. Aus die­sem ent­wi­ckel­te sich dann ab 2000 die auto­no­me 1.Mai Demons­tra­ti­on.

 

Zuerst erschie­nen in Alham­bra – Zei­tung & Pro­gramm, 05–06/2015